Los Angeles - Fünf Grammys - das war schon fast zu viel für die britische Soulsängerin Amy Winehouse: Die drogenabhängige Musikerin verlor beinahe die Fassung, als sie nach mehreren Auszeichnungen auch noch für ihre Platte "Back To Black" die Auszeichnung als beste Aufnahme des Jahres bekam. Trotz des Jubels im Publikum wandte sich die 24-Jährige ab und vergrub den Kopf erst an der Schulter eines Mitmusikers, später lehnte sie sich lange an die Mutter.
Winehouse nahm nicht persönlich an der Gala in Los Angeles teil, sondern wurde aus einem plüschig-roten Club in London live zugeschaltet. Obwohl die US-Behörden ihr nach anfänglicher Weigerung doch noch ein Einreisevisum erteilt hatten, wollte sie nicht persönlich an der Galazeremonie teilnehmen. Von London aus sang sie mit wächsernem Gesicht auch ihren Hit "Rehab" - ihre trotzige Absage an eine Entziehungskur. Im wirklichen Leben ist sie derzeit allerdings nach zahlreichen Alkohol- und Drogeneskapaden in einer Entzugsklinik in Behandlung.
Zweiter großer Gewinner des Abend ist der US-Rapper Kanye West. Er wurde mit vier Grammys ausgezeichnet: bestes Rap-Album ("Graduation"), die beste Solo-Performance ("Stronger"), bester Rap-Song ("Good Life") und beste Rap-Performance ("Southside" zusammen mit Common). In seiner Dankesrede wandte sich West an seine kürzlich verstorbene Mutter Donda. "Letzte Nacht habe ich von dir geträumt", rief er, "und nun kann ich es kaum abwarten, wieder schlafen zu gehen." Danach gab er hoch emotional seinen Song "Mama" zum Besten. Er hatte sich das Wort auch in den Hinterkopf rasiert.
| Die wichtigsten Preisträger | |
| Album des Jahres | "River: The Joni Letters" von Herbie Hancock |
| Song des Jahres | "Rehab" von Amy Winehouse |
| Bester Nachwuchskünstler | Amy Winehouse |
| Bester Auftritt einer Pop-Sängerin | "Rehab" von Amy Winehouse |
| Bester Auftritt eines Pop-Sängers | "What Goes Around...Comes Around" von Justin Timberlake |
| Bestes gesungenes Pop-Album | "Back To Black" von Amy Winehouse |
| Bester Rock-Song | "Radio Nowhere" von Bruce Springsteen |
| Bestes Rock-Album | "Echoes, Silence, Patience & Grace" von Foo Fighters |
| Bestes R&B-Album | "Funk This" von Chaka Khan |
| Bester Auftritt einer R&B-Sängerin | "No One" von Alicia Keys |
| Bester Auftritt eines R&B-Sängers | "Future Baby Mama" von Prince |
| Bestes Rap-Album | "Graduation" von Kanye West |
| Bester Auftritt eines Rap-Sängers | "Stronger" von Kanye West |
| Bestes Country-Album | "These Days" von Vince Gill |
| Bestes Electronic/Dance-Album | "We Are the Night" von The Chemical Brothers |
| Bestes Alternativ-Album | "Icky Thump" von The White Stripes |
Einen umjubelnden Auftritt zum 50. Jubiläum der wohl bedeutendsten Musikpreise der Welt hatten Rock-Ikone Tina Turner und R&B-Star Beyoncé Knowles. In eng anliegenden, silberfarbenen Outfits sangen sie Turner-Klassiker wie "What's Love Got To Do With It". Alicia Keys nahm den Preis für ihren Hit "No One" als beste R&B-Single aus den Händen von Popstar Prince entgegen. Sie hatte den Galaabend im Staples Center mit dem Duett "Learnin' the Blues" eröffnet - gemeinsam mit einer schwarz-weißen Videoprojektion von Frank Sinatra. "Frank Sinatra sah gut aus für seine 150 Jahre, oder?", scherzte Prince.
Das Klassik-Album "Brahms: Ein Deutsches Requiem" unter der Leitung von Sir Simon Rattle wurde ebenfalls geehrt: mit einem Grammy für die beste Chor-Aufführung. Der begehrte Musikpreis ging an den Dirigenten Rattle und den Leiter des Rundfunkchors Berlin, Simon Halsey. Die Live-Aufzeichnung aus Berlin wurde von der Kritik als besonders klare und strenge Interpretation des lyrischen Werks gelobt. Weitere Mitwirkende sind Sopranistin Dorothea Röschmann, Bassbariton Thomas Quasthoff und die Berliner Philharmoniker.
ffr/AP/dpa
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