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28.04.2008
 

50 Jahre Madonna

Tanzen bis zum Umfallen

2. Teil: "Schreiben ist ein intimer Vorgang"

KulturSPIEGEL: Ihr neues Album ist voll von tanzbaren Songs mit wuchtigen Beats. Ist diese Art von Musik noch Teil Ihres Lebens? Gehen Sie noch in Clubs?

Madonna: Ich gehe viel aus, aber weniger in Discos als auf private Partys von Freunden. Da ist dann meistens ein DJ, und man kann tanzen bis zum Umfallen. Tanzen und Discos haben schon immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. Da konnte ich mich stets gehen lassen, habe mich frei gefühlt, konnte mich verwirklichen und fliehen vor den Dingen, die mich in der Realität verfolgten. Tanzbare Lieder finden sie deshalb auf allen meinen Platten.

KulturSPIEGEL: Ihr neuer Song "Dance Tonight" klingt wie eine Fortsetzung Ihres frühen Klassikers "Everybody".

Madonna: Stimmt. Der hat einen Old-School-Beat wie die Lieder meiner ersten Platte. Auch andere neue Songs wie "She's Not Me" erinnern sehr an die achtziger Jahre. Ich liebe diese Zeit und ihre Klänge bis heute.

KulturSPIEGEL: Einigen Texten des neuen Albums merkt man an, dass Sie mittlerweile einiges erlebt haben, auch Gefühle der Eifersucht kennen, so wie in dem Lied "She's Not Me": "She might cook you breakfast and love you in the shower. She's not me and she never will be. She doesn't have my name." Von der Liebe singen Sie heute weniger euphorisch, eher mit der Melancholie einer Frau, die schon ein paar Enttäuschungen wegstecken musste - zumal ja in letzter Zeit die Klatschpresse immer wieder über eine angebliche Krise Ihrer Ehe mit Guy Ritchie mutmaßte. Wie persönlich sind Ihre Texte?

Madonna: Schon autobiografisch, denn man sollte über Angelegenheiten schreiben, von denen man etwas versteht. Ich bin nicht mehr 16, älter geworden, erwachsener und habe so manche Beziehung überstanden. Man lernt, mit Enttäuschungen umzugehen und mit der Melancholie, die Sie auf der Platte zu Recht raushören - aber auch, sich immer eine Hoffnung zu bewahren.

KulturSPIEGEL: "Hard Candy" ist Ihr elftes Studioalbum. Haben Sie manchmal bei der Arbeit an neuen Liedern die Befürchtung, sich zu wiederholen, zu denken, mein Gott, das klingt zu sehr nach Madonna?

Madonna: Grundsätzlich habe ich nie ein Problem damit, wenn etwas nach Madonna klingt. Immerhin bin ich Madonna. Aber ich verstehe, was Sie meinen, und das umgehe ich, indem ich regelmäßig mit verschiedenen Produzenten arbeite.

KulturSPIEGEL: Sie sind seit rund 25 Jahren im Geschäft, eine erstaunliche Zeit für einen Popstar. Woran liegt es, dass Sie so konstant durchhalten? Dass Sie sich immer unter Kontrolle haben und keine Probleme hatten mit irgendwelchen Substanzen, wie etwa Amy Winehouse oder Pete Doherty und einige andere der aktuellen Nachwuchskräfte?

Madonna: Wenn Sie Substanzen sagen, meinen Sie Drogen, oder? Was soll ich dazu nun sagen? Natürlich habe ich das eine oder andere hier und da auch mal ausprobiert. Da war ich in den Zwanzigern und stellte fest, dass mir das alles überhaupt nicht gefiel. Drogen passen einfach nicht zu mir. Ich habe sogar Angst, manche Medikamente zu nehmen, die Kontrolle über meinen Körper ist mir zu wichtig.

KulturSPIEGEL: Lastete bei Ihrem ersten Album auch so ein Druck auf Ihnen wie auf heutigen Debütanten?

Madonna: Ich glaube nicht. Ich war einfach dankbar, dass ich überhaupt eine Platte machen durfte. Ich hatte wirklich nicht die geringste Idee, was damit passieren würde. Auch wenn ich mir heute alles, was ich will, für meine Musik leisten kann, war ich damals doch sehr viel freier. Kein Mensch hat irgendetwas Besonderes von Madonna erwartet.

KulturSPIEGEL: Erinnern Sie sich an das erste Lied, das Sie geschrieben haben?

Madonna: Ja, sehr genau. Ich war 21, das Lied hieß "Tell the Truth". Ich habe das ganz simpel auf einen uralten Kassettenrecorder gesungen und nie für irgendetwas genutzt. Das älteste Lied von mir, das veröffentlicht wurde, ist "Everybody".

KulturSPIEGEL: Wie schreiben Sie Lieder?

Madonna: Ich höre Musik in meinem Kopf oder Lieder von Kollegen, mit denen ich arbeite, und das ist Inspiration für Texte und Melodien. Schreiben ist ein intimer Vorgang, da fühle ich mich immer sehr verwundbar. Es fällt mir auch heute noch besonders schwer, mit Menschen zu arbeiten, die ich nicht kenne. Ein neues Lied jemandem, den man kaum kennt, vorzusingen fühlt sich ein wenig an wie weinen, und das tut man ja auch nur ungern vor Fremden. Auch mit Pharrell Williams und Justin Timberlake dauerte es eine Weile, bis wir zueinander fanden.

KulturSPIEGEL: Leonard Cohen klagt gern mal, dass das Verfassen von Liedern eine große Qual für ihn sei. Leiden Sie, wenn Sie Lieder schreiben?

Madonna: In meiner Welt gehen Leiden und Schreiben ganz sicher nicht Hand in Hand. Aber natürlich gibt es immer wieder diese Problemlieder, die einfach nicht fertig werden. Aber die Kategorie "Leiden" würde ich dafür trotzdem nie anwenden.

KulturSPIEGEL: Halten Sie es wie Bob Dylan, der gern damit angibt, dass ihm so mancher Klassiker auf dem Rücksitz eines Taxis zugeflogen ist?

Madonna: Das wiederum kann ich sehr gut nachvollziehen. Solche Erlebnisse habe ich auch gehabt. Wenn die Idee für ein Lied da ist, geht es meistens ganz schnell bei mir. Manchmal ziehe ich mich auch einfach in mein Arbeitszimmer zurück und warte, bis mir etwas einfällt.

KulturSPIEGEL: Trotz all Ihrer Triumphe sind Sie als Musikerin lange nicht ernst genommen worden. Immer wieder wurden Sie von Kritikern als vergängliches Modephänomen abgekanzelt. In diesem März sind Sie nun in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden. Waren Sie überrascht, als Sie von dieser Ehrung erfuhren?

Madonna: Ehrlich gesagt: schon, ja! Ich habe damit nicht gerechnet. Seit dem Beginn meiner Karriere hat man mir gesagt, dass ich kein Talent habe, nicht singen kann und eine Eintagsfliege bin. Trotzdem habe ich 25 Jahre ganz gut überlebt. Über Auszeichnungen denke ich nie nach, dafür bin ich einfach zu sehr mit meiner Arbeit beschäftigt. Ich glaube, dieser Preis beeindruckt Sie mehr als mich.

KulturSPIEGEL: Ist es kein Triumph für Madonna, auf Augenhöhe mit den Beatles, den Rolling Stones, Bob Dylan und anderen Musiklegenden zu sein?

Madonna: Ich empfinde es als gewaltigen großen Sieg, seit 25 Jahren im Musikgeschäft zu überleben. Genauer gesagt, dabei immer erfolgreich gewesen zu sein. Und dafür, dass man das jetzt anerkannt hat, bin ich auch dankbar.

KulturSPIEGEL: Paul McCartney prahlt damit, dass er durch London spazieren kann, ohne behelligt zu werden. Wann wurden Sie das letzte Mal nicht erkannt?

Madonna: Ich gehe nie allein vor die Tür. Aber als ich mit meiner Familie zuletzt in Indien war, haben die Menschen in manchen Dörfern nicht die geringste Idee gehabt, wer ich bin. Ich sage Ihnen, das war ein befreiendes Gefühl.

Das Interview führte Christoph Dallach


CD Madonna: "Hard Candy" (Wea).

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insgesamt 41 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.05.2008 von Shayla:

...zumal sie sich mit jeder 25-jährigen in Strapse & Co. messen lassen könnte. mehr...

27.05.2008 von Rasmuss:

Stimmt! Aber da gibt es genügend Beispiele ich brauche das Aufzählen nicht zu beginnen und Madonna finde ich da gar nicht so peinlich sondern immer noch sehr talentiert und gutaussehend. mehr...

26.05.2008 von tanni95: o.K.

...ich war zu streng. Auch 50jährige dürfen Strapse tragen (aber Männer sehen lieber 25jährige in Strapsen). Was mich bei der Sache stört, und zwar bei allen alternden Popstars, das ist der Umstand, dass viele von ihnen auf [...] mehr...

24.05.2008 von donald!: na, na, na ...

Nun seien Sie mal nicht so verklemmt konservativ. Ich muss hier mal sozusagen 'ne Lanze für die Frauen brechen. Warum soll eine Frau mit 50 und darüber hinaus keine Strapse tragen, wenn es Einstellung und die Figur (Beine) [...] mehr...

22.05.2008 von tanni95: Madonna...

...ist nur noch peinlich. Eine 50jährige in Strapsen - will man das wirklich sehen? "Hard Candy" soll ein Begriff aus der Pädophilen-Szene sein. Stimmt das? Wenn ja, wäre das auch ein unpassender Titel für eine CD. mehr...

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