Von Christoph Dallach
Im Juni 1958, als die brasilianische Fußballnationalelf in Schweden zum ersten Mal Weltmeister wurde, saß ein sehr mürrischer Perfektionist namens João Gilberto in einem dunklen Studio in Rio de Janeiro, um ein Lied seiner hochbegabten Kumpane Antonio Carlos Jobim und Vinicius de Moraes einzuspielen: "Chega De Saudade", eine elegante, gitarrengezupfte Ballade, so herrlich wehmütig wie eine einsame Nacht am Strand.
Der Chef der zuständigen und in São Paulo ansässigen Plattenfirma Odeon soll gekeift haben: Das ist der Mist, den sie uns immer aus Rio schicken! – nachdem er die Single das erste Mal gehört hatte. Auch wenn João Gilbertos unkonventioneller Gesang und die merkwürdig vertrackten Harmonien damals so manchen Brasilianer irritierten, wurde aus dem Lied ein gewaltiger Hit und der wohl erste ganz große Triumph eines bahnbrechenden Genres namens Bossa Nova.
Dass das auch schon wieder ein halbes Jahrhundert her ist, haben nun ein paar Marketing-Strategen zum Anlass für eine Art Geburtstagsfeier genommen. Geschenkt gibt's zwar nichts, aber einen Satz sehr schöner Bossa-Nova-Tonträger zu erwerben. So wie die phantastische Drei-CD-Box "Blue Note plays Bossa Nova", in der Künstler besagter Plattenfirma wie Cannonball Adderley, Joe Henderson oder Donald Byrd brasilianische Klassiker wie "The Girl From Ipanema", "One Note Samba" oder "Waters of March" zum besten geben. Dazu kommen feine neue Bossa-Nova-Werke wie Celso Fonsecas exzellentes "Feriado" oder Milton Nascimentos mit den Jobim-Söhnen Daniel und Paulo gelungen eingespieltes "Nova Bossas".
Der Hit sind aber zwölf entstaubte Bossa-Nova-Klassiker aus den Archiven des damals enorm wichtigen Odeon-Labels. Darunter sind frühe Platten von Meistern wie Luiz Bonfa, Walter Wanderley oder Eumir Deodato, die als Originale so schwer aufzutreiben sind wie das Bernsteinzimmer – und fast so wertvoll sind. Heraus ragt dabei Marcos Valles 1963 erschienenes Debütalbum "Samba Demais". Der am Strand von Rio aufgewachsene Arztsohn galt damals als Wunderkind der Bossa-Szene, schrieb später Welthits wie "So Nice (Summer Samba)", "Batucada" oder "Crickets Sing For Anamaria" und glänzte bereits mit den zwölf Liedern seines Erstlings.
Im September wird der immer noch emsige Valle übrigens 65, was ein schöner Anlass für die Wiederveröffentlichung seiner anderen Meisterwerke sein sollte.
CDs Diverse: "Blue Note plays Bossa Nova" und Marcos Valle: "Samba Demais" (beide EMI).
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Hier ist sie, DIE Bossa Nova: http://www.astrudgilberto.com/discog7.jpg ;-) mehr...
Hallo, danke für diesen guten Bericht. Aber wer ist eigentlich dieser Bossa Nova? Gibt es aktuelle Photos von ihm? mehr...
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