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Zum Tod von Isaac Hayes Der schwarze Pate

2. Teil: P-Funk, Prince und BlingBling

Die Ironie dabei: Ausgezeichnet wurde ausgerechnet die schweißtreibende, sexuell bis zum Exzess aufgeladene Begleitmusik für einen Film, der bis heute einen Meilenstein des Black Cinema darstellt und dank Hayes' funky Gitarrengroove im Titelstück und Zeilen wie "Who's the black private dick/ That's a sex machine to all the chicks?" zur Blaupause für Funk und modernen HipHop wurde - also die Selbstermächtigung afroamerikanischer Künstler einen entscheidenden Schritt vorantrieb. Die Siebziger wurden zum Jahrzehnt der künstlerischen Emanzipation schwarzer Kultur, und "Shaft" - samt Soundtrack und Richard Roundtrees lässiger Darstellung des Titelhelden - trug viel dazu bei, dass schwarz sein nicht nur zum Stolz verpflichtete, sondern auch zur Coolness.

Der Einfluss Isaac Hayes' auf die HipHop- und R'n'B-Szene der späten Neunziger bis heute ist kaum von der Hand zu weisen: Die schweren Ketten aus Hayes' Bühnenshow finden sich im BlingBling von erfolgreichen Rappern wie 50 Cent wieder, die sich ebenso körperbetont inszenieren wie einst der "Black Moses". Der gemurmelte Sprechgesang fand Anfang der Achtziger seinen direkten Weg in den Rap der New Yorker DJs um Grandmaster Flash und Melle Mel, vom pumpenden Bass der frühen Hayes-Platten, profitierten nicht nur P-Funker wie George Clinton und Bootsy Collins, sondern auch spätere Crossover-Künstler wie Prince.

Allzu frommer Küchenchef

Als dieses Erbe Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger langsam bei jüngeren Künstlern ankam, hatte Isaac Hayes nach Jahren des Missmanagements längst Konkurs angemeldet und suchte nahezu mittellos nach Betätigungsfeldern, die Geld bringen sollten. Schon von jeher der Schauspielerei zugetan, spielte er in mehreren Filmproduktionen mit, darunter den schön durchgeknallten Gangsterboss in John Carpenters "Die Klapperschlange", Parodie auf die Pimps, die papageienhaften Zuhälter der Blaxploitation-Filme, aber auch Blaupause für viele mehr oder minder selbstironische B-Boy-Inszenierungen in modernen Rap-Videos.

Einen Draht zur Jugend fand Hayes noch einmal, als ihn Trey Parker und Matt Stone 1999 in ihre Cartoon-Serie "South Park" einbauten - als Küchenchef der High School, an der sich die Handlung des Comics kristallisierte. Was als einmaliger Auftritt und Reverenz an den großen Soulman gedacht war, wurde zu einer der beliebtesten Figuren der Reihe, und Hayes hatte mit dem brummeligen Soundtrack-Beitrag "Chocolate Salty Balls" einen späten Hit. 2006 kehrte der seit 1993 der Scientology-Kirche zugeneigte Musiker der Serie den Rücken, nachdem Scientology in einer Folge verunglimpft worden war.

Ein kleinliches, fast unrühmliches Karriereende für einen großen Musiker. Ein Comeback mit neuer Musik war ihm nicht mehr vergönnt. Nachdem das Stax Label 2006 mit viel Pomp zu neuem Leben erweckt wurde, war Hayes zwar einer der ersten Künstler, die einen Vertrag bekamen, ein neues Album kam jedoch nicht mehr heraus. Im selben Jahr erlitt der damals 63-Jährige einen Schlaganfall, der ihm fortan Schwierigkeiten beim Sprechen bereitete. Am gestrigen Sonntag fand ihn seine Ehefrau leblos neben einem Laufband in seinem Haus nahe Memphis.

"Ich glaube an Reinkarnation", hatte er dem britischen Magazin "Q" einmal gesagt, "ich würde gerne als sehr reiche Person wiederkommen, die genug Demut besitzt, der Menschheit zu dienen". Noch mehr? Warum so bescheiden, schwarzer Moses?

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