Los Angeles - Für deutsche Künstler war und ist der US-amerikanische Popmarkt ja eigentlich wie die Flughafen-VIP-Lounge für den Durchschnittsreisenden: Man kommt irgendwie nicht rein. Kraftwerk und Rammstein und vielleicht die Scorpions bildeten bisher die Ausnahmen. Doch nun gibt es zum Glück Tokio Hotel.
Die vier Jungs aus Magdeburg füllen in den Staaten Konzertsäle und lassen amerikanische Mädchen ähnlich hell kreischen wie in Hamburg oder Wanne-Eickel. Und nun haben sie am Sonntagabend auch noch eine Auszeichnung des Musiksenders MTV erhalten. Bei den Video Music Awards wurden Bill Kaulitz und Co. mit dem Preis für den besten neuen Künstler, also Newcomer, ausgezeichnet.
Zur wahren Heldin des Abends avancierte jedoch eine Künstlerin, die man in den vergangenen Jahren weniger mit Musik als mit Nervenklinik, Regenschirm-Ausrastern und unkonventionellen Haarschnitten assoziiert hatte: Britney Spears. Sie gewann gleich drei Preise, unter anderem die begehrteste Auszeichnung "Video des Jahres" für ihren Song "Piece of Me".
Bei den Awards 2007 war der 26-Jährigen das Comeback noch spektakulär missraten. Ihre Choreografie zum Song "Gimme More" im knappen schwarzen Bikini und mit angeschweißtem blondem Haar wirkte dermaßen dilettantisch, dass Oliver Pocher den Auftritt Monate später noch bei der Echo-Verleihung persiflieren konnte und immer noch alle lachten.
Am Sonntagabend verzichtete Spears auf einen Live-Auftritt und nahm stattdessen auch noch die Preise für das beste Pop-Video und das beste Video einer Künstlerin entgegen. Chris Browns "With You" wurde zum besten Video eines Künstlers erklärt. Lil Wayne gewann einen "Moon Man" (so heißt die Trophäe, die wie ein Astronaut aussieht) für den besten HipHop-Song "Lollipop". Den Preis für das beste Rockvideo bekam die Band Linkin Park für "Shadow of the Day".
Die MTV Video Music Awards werden seit 1984 in den USA verliehen und gelten als wichtigste Auszeichnung des Senders. In der Vergangenheit kam es während der Preisverleihungen immer wieder zu medienwirksamen Skandalen wie dem Kuss zwischen Pop-Mutter Madonna und eben Britney Spears im Jahr 2003.
chc/AP/dpa
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