SPIEGEL ONLINE: Mister West, vor kurzem, bei der Verleihung der American Music Awards prahlten Sie damit, wie Elvis und die Beatles sein zu wollen ...
West: ... ja, aber eigentlich war das nicht ganz richtig, denn im Grunde will ich besser sein als Elvis.
SPIEGEL ONLINE: Ach ja? Ein bisschen kleiner geht es wohl nicht?
HipHop-Star West auf Tournee: "Ich, allein, auf einem fremden Planeten"
West: Ach, kommen Sie, ich spitze doch nur zu! Elvis ist diese überlebensgroße amerikanische Ikone, die Popkultur von Japan bis Europa beeinflusst hat. Also stehe ich da oben auf der Bühne und überlege mir, wer ist so dermaßen außerhalb meiner Liga, außerhalb meines Genres? Da macht es doch ein viel größeren Eindruck, wenn ich Elvis sage statt Michael Jackson, obwohl der vielleicht sogar der größere Popstar ist.
SPIEGEL ONLINE: Warum nicht Michael Jackson?
West: Das wäre doch viel zu offensichtlich gewesen, kommt doch jeder drauf: schwarz, R&B-Star, Popstar ... Klar will Kanye West wie Michael Jackson sein!
SPIEGEL ONLINE: Mit Ihrem neuen Album haben Sie das HipHop-Genre komplett hinter sich gelassen und viele Fans mit einem radikalen Popappeal irritiert. Raus aus dem Genre-Ghetto, rein in den Mainstream: Das haben Sie doch von langer Hand geplant, oder?
West: Ach was, das war ein ganz spontaner Entschluss. Ich ließ mich einfach von der Musik treiben. Schon damals, als wir mit meinem dritten Album "Graduation" fertig waren, hatte ich festgestellt, dass ich noch nicht alles ausgeschöpft hatte, was ich mit Musik erreichen kann.
SPIEGEL ONLINE: Popstars verzweifeln oft daran, es allen Recht machen zu wollen, von allen geliebt zu werden. Sind Sie immun dagegen?
West: Keine Ahnung. Als meine Mutter letztes Jahr starb, realisierte ich, dass ich bis dahin tatsächlich vor allem wollte, dass die anderen gut finde, was ich mache. Aber damit ist Schluss! Jetzt stelle ich erstmal sicher, dass ich etwas mag, bevor ich andere nach ihrem Urteil frage.
SPIEGEL ONLINE: Was Sie auf jeden Fall sehr gerne mochten, war die sogenannte Auto-Tune-Software, mit der man im Aufnahmestudio den Gesang modulieren kann: Sie benutzen sie auf jedem Song des neuen Albums. Warum ist dieser Verfremdungseffekt zurzeit so beliebt im HipHop? Auch Ihre Kollegen Lil Wayne, Akon und T.I. benutzen Auto-Tune ausgiebig.
West: Keine Ahnung. Ich hab's benutzt, weil ich's mochte.
SPIEGEL ONLINE: Das ist alles?
West: Ja, wäre das Leben nicht schön, wenn alle immer nur diese eine Motivation hätten: weil sie etwas mögen?
SPIEGEL ONLINE: Ja, sehr schön. Aber so funktioniert die Welt ja nun mal leider nicht!
West: Meine schon.
SPIEGEL ONLINE: Na gut. Ich hatte schon befürchtet, Sie wollten verbergen, dass Sie kein so guter Sänger sind.
West: Ich könnte alle diese Songs auch ohne Auto-Tune singen. Ich bin nicht der größte Sänger auf der Welt, aber ich mag Melodien und kann ein paar Töne halten.
SPIEGEL ONLINE: Warum zeigen Sie der Welt denn Ihr Talent nicht?
West: Warum sollte ich der Welt beweisen müssen, dass ich singen kann? Fuck the World! Zu viele Leute sind viel zu beschäftigt damit, irgendjemanden irgendwas zu beweisen. Die sollen lieber alle machen, was sie selbst gut finden.
SPIEGEL ONLINE: So wie Sie?
West: Ja. Mich interessierte auf meiner neuen Platte der Gegensatz zwischen echten Instrumenten und synthetischen Effekten. Das beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Hören Sie sich mal das Lied "Say You Will" an, wie ich da den Mönchschor mit Auto-Tune verfremde. Ich meine, das ist doch unglaublich! Bahnbrechend! Es hätte mich tief in meiner Seele getroffen, wenn das jemand anderes vor mir gemacht hätte. Stellen Sie sich das mal nächstes Jahr auf den Festivals im Sommer vor, wenn 125.000 Menschen das mitsingen (singt den Refrain von "Say You Will", macht Geräusche, die wie eine jubelnde Publikumsmasse klingen sollen).
SPIEGEL ONLINE: Recht beeindruckend.
West: Ja, nicht wahr? Ich sehe eben immer schon den größeren Zusammenhang. Wissen Sie, Rap-Musik ist wie eine Highschool, und ich habe jetzt endgültig meinen Abschluss gemacht.
SPIEGEL ONLINE: Dann haben Sie auch die schmerzhaften letzten Monate verkraftet? Erst starb Ihre Mutter, dann zerbrach die Beziehung zu Ihrer Verlobten.
West: Wenn Sie sich mein aktuelles Tourprogramm ansehen, dann ist es ziemlich offensichtlich, wie ich mit dem Schmerz umgegangen bin: wie ein kleines Kind, dass sich in seine Phantasiewelt zurückzieht. Schauen Sie sich das Bühnenbild an: ich, allein, auf einem fremden Planeten!? Das ist genau das, was wir früher auch gemacht haben: Wir haben uns auf dem Bett eine Höhle gebaut und uns in "Star Wars"-Welten hineingeträumt. Ich war wieder wie ein kleiner Junge, und aus dieser Perspektive entstand auch das neue Album.
SPIEGEL ONLINE: Alles anders also. Nicht nur bei Ihnen gehen große Veränderungen vonstatten, sondern in ganz Amerika: Was sagen Sie zum Sieg Barack Obamas bei den Präsidentschaftswahlen?
West: Ich glaube plötzlich an dieses alte, ausgelatschte Konzept Amerika: Alles scheint machbar, unbegrenzte Möglichkeiten! Wobei es für mich gar nicht so sehr um die Rassenfrage geht, sondern um Hoffnung und Optimismus. Der Präsident ist nicht nur das Gesicht der Nation, er ist auch wie ein Vater. Und ab jetzt hat Amerika einfach einen ziemlich coolen Dad.
SPIEGEL ONLINE: Fühlen Sie sich mit Obama ganz besonders verbunden? Immerhin versuchen Sie ja auch etwas zu verändern, in der Popmusik. Und Sie kommen auch aus Chicago!
West: Mann, also das hätte ich mich jetzt nicht getraut, ihn und mich selbst in einem Atemzug zu nennen. Das, was er macht, ist schon um einiges wichtiger. Aber in einem Punkt gibt es Gemeinsamkeiten: Es ist uns beiden wichtig, dass wir uns treu bleiben. Denn wenn die Leute sich erstmal über das Fehlen von Rap und den ganzen Auto-Tune-Kram auf meinem Album beruhigt haben, dann werden sie die Melodien und die Botschaft dahinter schon verstehen.
SPIEGEL ONLINE: Und die wäre?
West: Wir Männer haben zurzeit keine Musik, die abbildet, wie wir uns in Beziehungen fühlen, was uns wehtut. Warum soll das ein Privileg der Frauen sein? Ich meine, wer seit, sagen wir, Frank Sinatra hat sich darum gekümmert?
SPIEGEL ONLINE: Jetzt also Sie?
West: Ja, genau.
Das Interview führte Andreas Borcholte
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Kann ich von meinem eigenem Höreindruck nur bestätigen ! mehr...
welch' Erguss! Dann erklären Sie uns doch einmal an Hand von Beispielen, in welchen Liedern West geklaut hat? (Und kommen Sie jetzt nicht mit den Daft-Punkt-Samples..) Einfach so unterstellen kann ich auch. Zum Beispiel, dass [...] mehr...
Warum müssen wir dauernd Artikel über diese schlechte Steve Urcle Kopie lesen? Die Musik eindeutig irgenwo zwischen Big Brother Jürgen, Schnappi und Scooter angesiedelt, das Outfit selbst eines 9-Jährigen zu uncool. Irgendwer [...] mehr...
Merkt den keiner hier in D das dieser komische Heini alles mögliche zusammenklaut! Kaum was selber macht, Lieder covert ohne Ende, den europäischen Musikstil kopiert und diesen in den (so innovativen????) USA jetzt als Neuheit [...] mehr...
Da meine Meinung ja gefragt zu sein scheint: Ich find die Musik von dem Typen schei*** ... aeh ... nicht gut! Gruss, pu mehr...
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