Von Christoph Dallach
In Schweden wird Anna Ternheim in schöner Regelmäßigkeit mit Preisen und Trophäen überhäuft. Ihr neues Werk "Leaving On A Mayday" erschien dort bereits Ende vergangenen Jahres und hat der scheuen Künstlerin vor zwei Wochen noch zwei schwedische Grammys (Best Female Artist/ Album of the Year) eingebracht. Und weil der blonden 30-Jährigen der Rummel daheim zuviel wurde, verabschiedete sie sich im vergangenen Jahr Richtung New York. "Da kann man morgens in Schlafanzug und Bademantel schnell mal in den Supermarkt huschen; in Stockholm würde man in dem Aufzug wahrscheinlich an der Kasse verhaftet", sagt sie.
Die gebürtige Stockholmerin versteht sich erstklassig auf die hohe Kunst des traurigen Pop-Songs. Drei Alben hat sie bereits mit Klageliedern über die Zerstörungskraft der Liebe gefüllt. Musik, zu der man ihrer Meinung nach "kaum tanzen kann", die aber erstaunlich kraftvoll und nie jammrig klingt und auch in Deutschland ein immer größeres Publikum anzieht.
Ihr neues Werk hat Landsmann Björn Yttling produziert, der Björn des Trios Peter, Björn and John, denen vor zwei Jahren mit ihrem Mitpfeif-Lied "Young Folks" ein kleiner Hit gelang, an dem sich sogar Nena verging. "Meine Stimmung war mal wieder auf inneren Sturm gestellt", sagt Ternheim. "Dass in der Musik einzufangen, ist ihm ganz gut gelungen."
Neben neuen Ternheim-Songs mit vielsagenden Namen wie "Damaged Ones", "What Have I Done" oder "Black Sunday Afternoon", ist der Erstauflage der neuen CD eine Extra-Platte mit überraschend geglückten Frank-Sinatra-Coverversionen beigefügt. Klassiker wie "Strangers in the Night", "New York, New York" und "Fly me to the Moon". Alles Lieder, von denen der alte Lebemann Iggy Pop sagt, dass man einiges mitgemacht haben sollte, bevor man sich hier ans Singen wagt.
Ternheim indes sagt: "Ich bin noch jung, aber vor Ehrfurcht in die Knie gehen tue ich nicht." Schließlich verstehe sie die Stimmung der Songs: "Melancholie ist international!"
CD Anna Ternheim: "Leaving On A Mayday" ( Universal)
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