Von Christoph Cadenbach
Welche Bilder fallen einem zu Bob Marley ein? Bob der Kiffer mit Joint im Mund, klar; auch Bob der Nachdenkliche, als Close-up-Porträt mit ernstem Blick; und vielleicht noch Bob der Bühnenprediger, die Gitarre umgehängt, die Augen zugekniffen und den Arm in die Luft gereckt. Zugespitzt gesagt: Das war's.
Die unglaubliche Masse an Abbildungen in Magazinen, auf Postern und Plattencovern und deren Motive, also das Abgebildete, verhalten sich beim Mann, der Reggae zu seinem weltweiten Durchbruch verholfen hat, konträr zueinander. Wie bei anderen jung gestorbenen Superstars der Popkultur, die keinen Bildernachschub mehr leisten können, hat sich auch bei Marley das Bilduniversum auf wenige Planeten verdichtet. James Dean: lehnt am Wagen und raucht. Kurt Cobain: trägt Wollpulli und hat Heroin im Blick. Bob Marley: wie gesagt.
Wenn nun, 64 Jahre nachdem Marley in dem jamaikanischen Örtchen Nine Miles auf die Welt gekommen ist, ein neuer Bildband erscheint, muss man sich also fragen: Kann die Fotosammlung unser Bild von Marley erweitern? Die Antwort: Nein, aber.
Auf den Fotos des nach einem Marley-Song benannten Bandes "Soul Rebel" sieht man den Musiker in seinen typischen Posen: Wie er mit zugekniffenen Augen singt, wie er Rauch ausbläst, wie er den Marley-Blick aufsetzt: verletzt, aber gerade deshalb willensstark. Fast auf sämtlichen Fotos ist der Künstler dabei im Close-up abgelichtet, also befreit von sämtlichem Kontext.
In Variationen hat man diese Bilder schon millionenfach gesehen, auf Postern in den Reggaebars von Kingston bis zum Kinderzimmer in Köln. Sie bestätigen das Bild, das man sich von Bob Marley immer schon gemacht hatte.
Das kann man dem Fotografen nicht vorwerfen. David Burnett, berühmt geworden durch seine Fotoreportagen aus Krisengebieten von Vietnam bis Iran, war einer der ersten aus dem US-amerikanischen Medien-Establishment, der Marley fotografierte. Seine Bilder, die nun zusammengetragen worden sind, entstanden 1976/77, während der Musiker seinen internationalen Durchbruch feierte, als Projektionsfläche also noch weitgehend unbesetzt war. Burnett traf Marley erst in seiner Heimat in Kingston, ein Jahr später begleitete er ihn für den "Rolling Stone" auf seiner "Exodus"-Tournee durch Europa.
Seine Fotos sind im ausladenden DIN-A3-Format des Bandes schön anzusehen, zeigen aber aus heutiger Sicht gerade nicht "den Menschen hinter der Ikone", wie es in der Verlagsankündigung heißt.
Interessant sind jedoch, und nun kommt das versprochene Aber, die Bilder, auf denen Marley nicht zu sehen ist. Bevor Burnett nämlich den aufkommenden Star der Szene porträtierte, traf er sich mit weniger bekannten Musiker rund um das Label Island Records.
Auch diese Aufnahmen sind in "Soul Rebel" dokumentiert, und sie zeigen - jetzt weitwinklig - eine Welt, die nichts zu tun hat mit der Lass-uns-im-Sonnenschein-einen-kiffen-Kultur, zu der Reggae gerne verkitscht wird.
Vor rissigen, mit Tags markierten Wänden posieren junge Männer mit zornigen Mienen - eine Bildsprache, die an die spätere Ästhetik des Conscious Rap erinnert, mit dem Reggae als politisches Sprachrohr und selbstbewusster Ausdruck einer verarmten schwarzen Unterschicht auch inhaltlich einige Gemeinsamkeiten hat.
Die Karibikinsel Jamaika war auch nach der Unabhängigkeit 1962 ein sozial zerklüftetes Land. Die Menschen waren arm, der Staat korrupt, die beiden Volksparteien bis aufs Blut verfeindet. Auf den Bildern des Kriegs- und Krisenfotografen Burnett kommt das berühmt gewordene, nach Strandparty klingende Trenchtown folgerichtig als das daher, was es war: ein Slum.
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Ein Witz unter Kiffern: "Was sagt ein Reggae-Fan, wenn er kein Weed ( Grass) mehr hat ? Hey mach mal die scheiss Mucke aus." Auch ich habe durchs Weed Rauchen Bob Marleys Musik kennen und lieben gelernt. Trotzdem kann [...] mehr...
Ein schöner PR-Bericht, aber mal ehrlich: 49,90 € (Oder 100 DM in richtigem Geld) für einen Bildband, das ist schon unverschämt- vor allem für Bilder, die wir alle kennen. Was ist so besonders an diesem Buch? Kann man die Seiten [...] mehr...
wird auch mal zeit, daß mit dem friede-freude-eierkuchen image der reggae musik aufgeräumt wird. reggae war schon immer rebelmusic. peace, love & unity war lediglich das ziel, was die seit den 60er jahren gnadenlos [...] mehr...
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