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22.05.2009
 

Rückkehr der Jazzplatte

Die haben 'ne Scheibe!

Von Hans Hielscher

Den Dreh raus: Weltweit werden immer weniger Tonträger verkauft, aber immer mehr Vinylplatten. Manche Jazzlabels bringen ihre Alben daher nicht nur auf CDs heraus, sondern auch auf den altmodischen schwarzen Scheiben.

"Jazz Vinyl Makes Comeback" meldet das US-Magazin "Down Beat" in seiner Mai-Ausgabe. Der Verkauf von neu produzierten Platten sei 2008 gegenüber dem Vorjahr um 89 Prozent gestiegen.

Einen Grund für den steigenden Umsatz nennt der Manager des Jazz Record Mart in Chicago: Neben den Leuten im Rentenalter kämen jetzt auch jüngere Menschen zu den LP-Regalen, darunter auffallend viele weibliche Kunden. Aufgekratzt jubelt das Jazz-Magazin: "Männer, Frauen, Alte, Junge - alle scheinen auf den Vinyl-Zug zu springen."

Deutschland verzeichnet einen ähnlichen Trend: Wurden 2006 noch 600.000 Langspielplatten verkauft, so waren es 2007 schon 700.000 und im vergangenen Jahr gar 900.000. Zwar entfällt auf das LP-Geschäft nur knapp ein Prozent des Umsatzes des deutschen Musikmarktes. Aber der Bundesverband der Musikindustrie bescheinigte der LP das "Comeback des Jahres". Denn während immer weniger CDs verkauft werden, floriert der "Nischenmarkt mit dem nostalgischen Klangzauber" ("Manager Magazin").

1948 hatte der US-Medienkonzern CBS die Langspielplatte aus Polyvinylchlorid (PVC) entwickelt. Die schwarze Scheibe war billiger, klang besser und bot eine deutlich längere Spieldauer als die bis dahin übliche Schellackplatte.

Inzwischen haben CD und mp3-Player die LP als Tonträger abgelöst. Doch eine internationale Fan-Gemeinde will sich von der alten Platte nicht lösen: Vinyl-Liebhaber schwören auf ihren Klang und sammeln Hüllen, die manchmal von Künstlern wie Andy Warhol entworfen wurden. Sehenswert sind auch viele Aufkleber auf den Scheiben; der Bildband "Labelkunde Vinyl" (erschienen im Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag) zeigt mehr als 4500 Schallplattenetiketten.

Angesichts der weiter bestehenden Vinyl-Welt entschlossen sich in den vergangenen Jahren immer mehr Plattenfirmen, bestimmte Produktionen als CD wie auch als LP herauszubringen. So veröffentlichte ECM Aufnahmen von Keith Jarrett und Enrico Rava als Doppel-LPs. Blue Note hat im Jubiläumsjahr Miles Davis' "Kind of Blue" in dieser Kombination herausgebracht.

Das Hamburger Label Skip vertreibt die Aufnahmen seines erfolgreichen Tingvall Trios als CD und Vinylplatte. Von 1000 LPs gingen 500 nach Japan, sagt Bernd Skibbe. Der Firmenchef beobachtet amüsiert, wie manche Musikfreunde reagieren, wenn sie eine Vinylplatte in der Hand halten: "Leute verfallen in Andacht."


CD/LPs Enrico Rava: "New York Days" (ECM); Miles Davis: "Kind Of Blue" (Blue Note); Tingvall Trio: "Skagerrak" (Skip).

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insgesamt 11 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.05.2009 von mac4ever: Soundqualität

Das stimmt. Moderne Jazz-Produktionen (z.B. Brian Culbertson, Gregg Karukas oder Jeff Lorber klingen druckvoll, ohne überkomprimiert zu sein und nicht gläsern, wie frühere CD-Produktionen. Ich kaufe solche CDs über Amazon in [...] mehr...

23.05.2009 von mac4ever: Soundqualität

Das stimmt. Moderne Jazz-Produktionen (z.B. Brian Culbertson, Gregg Karukas oder Jeff Lorber klingen druckvoll, ohne überkomprimiert zu sein und nicht gläsern, wie frühere CD-Produktionen. Ich kaufe solche CDs über Amazon in [...] mehr...

23.05.2009 von IsArenas: ..

Die Technik muss gar nicht High-End sein, um den Unterschied zu hören, ein solider Plattenspieler aus Japan für 200 Euro reicht schon. mehr...

22.05.2009 von wakaba: Vinyl ist gut

CD kann zwar 24 Bit darstellen - meistens aber reichts gerade mal zu 10-12 Bit-Tiefe weil unsachgemäss produziert und die meisten (auch highendige) Anlagen gar nicht mehr darstellen können. Damit spielt Digital nicht besser oder [...] mehr...

22.05.2009 von Decius: Musik

Musik ist halt zu einem großen Teil Emotion. Zwar sind CD und andere digitale Medien der Schallplatte (klang)technisch weit überlegen, aber vielen geht die gefühlsmäßige Bindung ab, zB die "Wärme" durch das Rauschen und [...] mehr...

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