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09.06.2009
 

Abgehört

Die wichtigsten CDs der Woche

Zart, wunderlich, berührend: Das neue Album des Blur-Gitarristen Graham Coxon löst bei Jan Wigger reines Entzücken aus, ganz im Gegensatz zu den Lemonheads. Andreas Borcholte macht mit Rick Rubin, Beth Ditto und Gossip Urlaub im Glamour-Camp.

Graham Coxon - "The Spinning Top"
(Ada/Transgressive/Warner, 19. Juni)

Gerade erst hatte sich Babyshambles-Schlagzeuger Adam Ficek mit seiner wunderbar angestaubten und erwartungsgemäß untergegangenen "Roses Kings Castles"-LP auf den Posten als Nachlassverwalter Syd Barretts beworben. Jetzt ist Graham Coxon wieder da, freilich auch kein Garant für spektakuläre Abverkäufe, dafür versponnener Wundergitarrist und ehemals verlorener Sohn bei Blur. Nur für die, die wirklich alle Solo-Platten von Coxon verpasst haben sollten: "The Golden D" (2000) ist die dööfste, "Happiness In Magazines" (2004) die beste. Direkt dahinter finden wir ab sofort das zarte, wunderliche, berührende Album "The Spinning Top". Diesmal weniger Syd Barrett, mehr Nick Drake ("Look Into The Light") und nur noch Reste von dem, was Britpop übrig ließ.

Das gedehnte "In The Morning" ist sonnenhellster Hippie-Folk mit Gruß an Robin Williamson, "Dead Bees" die scheppernde Psycho-Nummer, "Feel Alright" das leichte Wanderlied und "Tripping Over" ein als nursery rhyme getarnter Spuk-Song, der es irgendwie aus dem Jahr 1967 hierher geschafft haben muss. Coxons Gitarrenspiel ist mehr als nur bestechend, und was müssen wir erfahren? "The Spinning Top" ist die chronologisch erzählte Geschichte eines Mannes von der Geburt bis zum Tod. Sentimental journey. (8) Jan Wigger

Gossip - "Music For Men"
(Columbia/Sony, 19. Juni)

Fast hätte man vergessen können, dass es bei der mächtig beleibten Sängerin Beth Ditto ja eigentlich um Musik geht. Die wuchtige Frontfrau von Gossip wurde in den vergangenen Monaten zum Sexsymbol erhoben und zur Fashion-Ikone gemacht, die leicht bekleidet auf diversen Hochglanz-Covern thronte. Ein rundum gelungenes Statement gegen den Drang vieler Frauen, sich durch stetes Hungern selbst zu negieren. Aber auch als Musikerin hat Ditto noch eine Agenda. "Music For Men" folgt dem kleinen Durchbruch nach, den das letzte Album "Standing In The Way Of Control" der Band aus Arkansas bescherte - und soll nun endgültig in den Mainstream führen. Als Produzent heuerte man den Universal-Veredler Rick Rubin an, dem es mal wieder gelang, den Sound seiner Klienten zu polieren, ohne gleich alle Schrunden auszuwetzen. Dennoch macht schon das ganze, an k.d. lang und alte Morrissey-Platten erinnernde Erscheinungsbild des Albums klar: Die Indie-Ecke ist zu klein geworden, willkommen in Camp Glamour. Geradezu Ibiza-poppig geben sich Gossip folglich im tanzbodentauglichen "Love Long Distance", das fast nahtlos in den Elektrofunk von "Pop Goes The World" übergeht.

Klare Ansage an alle alten Fans: Das ist die Musik, die Beth auf den Modenschauen kennen und schätzen gelernt hat, sie gehört jetzt zum musikalischen Kosmos der Band wie die kräftig aufstampfenden "Standing In the Way of Control"-Nachfolger "Dimestore Diamond" und "Heavy Cross". Sogar "Four Letter Word", eine Skunk Anansie evozierende Ballade, hat Platz auf dieser Platte, die den Sommer über zum festen Instrumentarium jedes DJs gehören wird. Und zwar sowohl in den Underground-Kaschemmen der großen Städte, als auch in den Beach-Clubs der Urlaubs-Ghettos. Spread the word. (7) Andreas Borcholte

The Lemonheads - "Varshons"
(Cooking Vinyl/Indigo, 12. Juni)

Zweieinhalb Jahre nach dem hervorragenden "The Lemonheads" hat der König der Nöler noch einmal den Weg aus dem Bett gefunden. Die 33 Minuten, die "Varshons" dauert, sind für eine Lemonheads-Platte durchaus normal, doch dass kein einziger neuer, von ihm selbst verfasster Song darauf zu finden ist, dürfte eilige Bedenkenträger abermals über Dandos launischen Gesundheitszustand rätseln lassen. Aus den vielen Mixtapes, die ihm Butthole Surfer Gibby Haynes im Lauf der Zeit hat zukommen lassen, wählte Dando elf mal offensichtliche, mal gänzlich erratische Titel aus, die er auf "Varshons" covert: An Leonard Cohens "Hey, That's No Way To Say Goodbye" und Townes Van Zandts "Waiting Around To Die" scheitert Dando naturgemäß, denn hinzuzufügen ist diesen Stücken natürlich nichts mehr. "Layin' Up With Linda" (G. G. Allin) wird von Dando countrifiziert und entschleunigt, Sam Gopals "Yesterlove" ist träge, das von Kate Moss gesungene "Dirty Robot" (Arling & Cameron) anstrengend, doch Linda Perrys grandioses "Beautiful" (Christina Aguilera) kriegt auch Evan nicht kaputt. "And everywhere we go, the sun will always shine/ And tomorrow we might awake on the other side." Nur ein Traum. (5) Jan Wigger

Metric - "Fantasies"
(PIAS/Rough Trade, 12. Juni)

Vier Jahre lang war es still um Metric, die Band von Indierock-Sex-Symbol Emily Haines. Hat man sie vermisst? Nicht wirklich, auch wenn der stählern groovende Powerpop der Kanadier schon seit Gründung der Gruppe im Jahre 2003 einen unbedingten Reiz hat. Auf "Fantasies" führen Haines und ihre Kollegen fort, was sich bereits auf "Live It Out" (2005) andeutete: Der Weg führt aus dem Indierock-Kosmos von Broken Social Scene, dem Haines entstammt, geradewegs in einen kühlen, aber durchaus gefälligen Kunsthochschulen-Pop, wie ihn zuletzt Garbage pflegten. Tradition statt Moderne: Von Beatles und Rolling Stones und Pop-Ikonen wie "Here Comes The Sun" ist in "Gimme Sympathy" die Rede. An anderer Stelle, in "Twilight Galaxy" zum Beispiel, ist die Lyrik nicht ganz so ausgeklügelt, aber das Nachdenken darüber treiben die metallischen Gitarren einem dankenswerterweise aus. Ähnlich bei "Satellite Mind", dem musikalisch vielleicht perfektesten, weil kompromisslosesten der neuen Songs. Leider bricht das Album nach der temporeichen ersten Hälfte ein und zieht die späteren Songs etwas unlustig nach. Dabei versuppt dann leider auch die ungewöhnlich zarte Nummer "Collect Call" im Wust der beliebigen Aneinanderreihung. Metric haben den ganz großen Wurf noch vor sich, vielleicht lohnt sich das Warten ja doch noch. (5) Andreas Borcholte

a-ha - "Foot Of The Mountain"
(Universal, 12. Juni)

Als die kaum gealterten Norweger zuletzt bei "Germany's Next Top Model" doch nicht auftauchten, um Heidi Klum zu vermöbeln, sondern bloß, um das Titelstück ihres neunten Albums "Foot Of The Mountain" vorzustellen, griff man sich kurz ans Herz: Wie eigentlich konnte es passieren, dass die Band, die einst zu einer meisterhaften LP wie "Scoundrel Days" befähigt war, in den achtziger Jahren als schnöde Teenie-Band durchgeschleppt wurde? Zehn Gründe für die generelle Großartigkeit von a-ha: "Hunting High And Low", "Out Of The Blue Comes Green", "The Weight Of The Wind", "Dark Is The Night For All", "Manhattan Skyline", "Stay On These Roads", "You'll Never Get Over Me", "Here I Stand And Face The Rain", "I've Been Losing You", "Slender Frame". "Foot Of The Mountain" ist allerdings eine der schwächsten a-ha-Platten. Gewohnt erstklassig die Single, recht hübsch auch "The Bandstand" und das edelkitschige "Shadowside". Dazwischen aber viel Leerlauf und wenig brauchbare Songeinfälle, bis das gezierte "Start The Simulator" den Deckel zumacht. Als betriebsblinder Fan kann man nun den ersten Teil dieser Besprechung überlesen und einen "a-ha ist die geilste Band der Welt! Ihre Rezession ist eine Frechheit!!"-Brief schreiben. Man kann sich aber auch ein Loch ins Knie bohren und Milch hineingießen. (5) Jan Wigger


Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

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Danke, geil. Unplugged in Poznan. (http://www.youtube.com/watch?v=mgH2ORoL0H4) mehr...

06.02.2012 von kuechenchef:

Ja nu, zwischen sechs Monate Wartezeit nach VÖ auf CD wie bisher und Bestellungen beim Label in den USA für Platten in lustigen Vinylfarbkombinationen ist dann doch noch irgendwie ein Unterschied. Aber schee sans scho... [...] mehr...

04.02.2012 von oasis:

Aha, ganz was Neues. ;D mehr...

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Gentle Giant Cogs in Cogs 1974 Brussels - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=jJYe9EFFeec&feature=related) mehr...

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