Wenn ein Mensch gestorben ist, dann macht man keine Scherze über diese Person. Was aber, wenn der Verstorbene jahrzehntelang mit seinen Eskapaden eine Witzvorlage nach der anderen lieferte? Michael Jackson war der Liebling der Comedians - nicht nur im Late-Night-Show-Land USA, sondern auch in Deutschland. Für eine Parodie war der exzentrische Künstler immer gut. Nun ist er tot, doch die sonst so bissigen amerikanischen Night-Talker halten sich zurück.
Conan O'Brian (NBC-Show Tonight) erklärte seinen Zuschauern am Freitag, es habe eine Menge trauriger Nachrichten in den vergangenen 24 Stunden gegeben. Jackson war am Donnerstag gestorben. "Aber unser Job hier bei 'Tonight' ist es, die Dinge leicht zu machen und Sie zu unterhalten." Das war's dann auch schon zum Thema toter Superstar.
Für David Letterman (CBS), Jon Stewart, Stephen Colbert (beide Comedy Central) und Jimmy Fallons (NBC) kam die Nachricht aus Los Angeles, die Millionen Fans weltweit erschütterte, zu früh. Die Sendungen werden Stunden vor der Ausstrahlung am Donnerstagabend aufgezeichnet. Jimmy Fallons ließ in seiner Show "Late Night" immerhin noch einblenden, dass sie vor dem Tod Jacksons produziert wurde.
Jimmy Kimmel, dessen Show bei ABC live ausgestrahlt wird, wagte am Donnerstag nur einen kleinen Witz über den King of Pop: "Er war ein extrem wichtiges Symbol: Ein schwarzer Künstler, mit dem sich Weiße identifizieren können, und später in seinem Leben ein weißer Künstler, mit dem sich Schwarze identifizieren."
Die Zurückhaltung in Sachen Jackson im TV hat gute Gründe: Wer Comedy für die ganze Familie macht, kann schlechterdings zynische Witze über einen gerade verstorbenen Superstar reißen - ganz egal, wie umstritten dieser zuletzt war.
Derartige Skrupel hatten die Betreiber der Satire-Seite "The Onion" freilich nicht. Via Twitter funkten sie zunächst die Eilmeldung in die Welt: "Letzter Teil von Michael Jackson gestorben". Auf der eigenen Web-Seite erschien dann die Geschichte über einen King of Pop, der angeblich im Alter von zwölf Jahren gestorben ist. Der Sänger hinterlasse "25.000 ungeöffnete Spielzeuge und fast 400 Millionen Dollar Schulden". "Onion"-Redakteur Megan Ganz berichtete, das Büro des Satireblatts in Manhattan habe sich am Freitag "beinahe wie ein echter Newsroom angefühlt".
Es habe auch Beschwerden von Lesern über mangelnde Sensibilität gegeben, räumte Ganz ein. Er finde es sehr lustig, dass sich Leute über zu früh veröffentlichte Witze beklagten, schließlich sei Jackson doch eine seit 20 Jahren bekannte Witzfigur. "Wir haben wirklich versucht, etwas Sinnvolles über sein Leben zu machen", erklärte Ganz. Es sollten keine Scherze auf Kosten von Michael Jackson sein, schließlich habe "der Mann ja kaum noch etwas besessen."
Der wohl erste Komiker, der über den King of Pop herzog, war Eddie Murphy. 1983 machte er sich über dessen Fistelstimme lustig und stellte klar, dass Jackson "nicht der maskulinste Typ der Welt" ist - siehe YouTube-Video unten.
hda/AP
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