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18.08.2009
 

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Die wichtigsten CDs der Woche

Gar keinen Humbug veranstalten die Arctic Monkeys auf ihrem neuen Album, lobt Jan Wigger und freut sich über die Mannwerdung des Singer/Songwriters Brendan Benson. Andreas Borcholte findet es beeindruckend, wie sich die Hamburger Sängerin Mariha vor der großen Einöde rettet.

Arctic Monkeys - "Humbug"
(Domino/Indigo, 21. August)

Im "Humbug"-Booklet ist alles noch einmal auf einer Doppelseite festgehalten: Die erstaunte britische Jugend in der kalifornischen Wüste, fotografiert in Freizeitkleidung auf einer großen Terrasse. Die Arctic Monkeys sind seltsame Touristen, und wer das zerhackte, nie so richtig in Fahrt kommende "Dangerous Animals" gehört hat, darf darüber grübeln, welches Polka-Dot-Mädchen sich denn eigentlich noch für dieses Lied interessieren würde, wenn es nicht von den Arctic Monkeys wäre. Auch "Secret Door" braucht etwas länger, um zum Punkt zu kommen, doch die verführerischen letzten anderthalb Minuten sind purer David Bowie: "Fools on parade conduct a sing-along." Eher gewöhnlich: Das auf einem doch etwas zu oft gespielten Riff basierende, glanzlose "Potion Approaching".

Fabelhaft dagegen "Cornerstone", einerseits Bindeglied zu Alex Turners Last Shadow Puppets, andererseits Nachweis für die Hinwendung zu eher rätselhafter, vieldeutiger Lyrik: "I thought I saw you in The Battleship but it was only a lookalike/ She was nothing but a vision trick under the warning light/ She was close, close enough to be your ghost/ But my chances turned to toast when I asked her if I could call her your name." Das schleppende "Pretty Visitors" ist eine misslungene Annäherung an die Black-Sabbath-Frühphase, doch "My Propeller" und den gespenstischen Abschluss "The Jeweller's Hands" macht den Arctic Monkeys so schnell niemand nach. Ob "Humbug" noch tanzbar ist? Eindeutig die völlig falsche Frage. (8) Jan Wigger

Mariha - "Another Lover"
(Columbia/Sony, 28. August)

Es war einmal ein kleines Sommermärchen, damals, 2005, als die zierliche Hamburger Sängerin Mariha plötzlich nicht nur einen Radiohit hatte ("It Hurts"), sondern auch noch den Titelsong zu Til Schweigers Film "Barfuss" liefern durfte ("Absolutely Entertaining"). Inzwischen Mutter geworden, ließ sich das One-Hit-Wonder vier Jahre Zeit, um einen Nachfolger für ihr Debütalbum herauszubringen - damit es eben nicht beim One-Hit-Wonder bleibt. "Another Lover" klingt nun erwartbar erwachsener. Statt des Mädchens mit der Gitarre musiziert nun eine ganze, manchmal etwas zu gediegen und viel zu opulent dahinmuckende Band; produziert hat Ralf Christian Meyer, der schon für Xavier Naidoo und Clueso arbeitete. Und so klingt die Platte dann auch: Radiotauglich, konsensfähig, international... so harmlos wie ein rosa Wattebausch in der Gewalt einer sanfte Abendbrise.

Zum Glück gelingt es Mariha immer wieder, sich selbst und ihre Platte vor allergrößter Ödnis zu retten. Mit Songs wie "Glowing", "In My Dreams" oder "Raise My Head" beweist sie großes Gefühl, Intensität und Gespür für große Popmelodien. Vor allem aber für Sprache: Manchmal biegt sie die englischen Worte mit gewagtem Stakkato um ihre Songs herum wie sonst nur Suzanne Vega, die man wohl getrost als eines ihrer größten Vorbilder bezeichnen kann. Weibliche Singer/Songwriter gibt es ja gerade zu viele. Auf diese eine aber sollte man vielleicht doch achten. Trotz ihrer Coverversion von Supertramps "Take The Long Way Home". Oder gerade deswegen. (6) Andreas Borcholte

Brendan Benson - "My Old, Familiar Friend"
(V2/Cooperative/Universal, 4. September)

Das mehr oder weniger experimentelle Album, das jede ordentliche Karriere veredelt, lieferte Brendan Benson schon vor der Zeit: "The Alternative To Love" fehlte vor vier Jahren vor allem in der schwächeren zweiten Hälfte Richtung und Konzept, weshalb mancher Kritiker, der Benson für das meisterliche "Lapalco" (2002) bewundert hatte, verwirrt zurückblieb. Dank Jack Whites passablem Freizeitprojekt The Raconteurs ist "My Old, Familiar Friend" Bensons erste Platte als gemachter Mann: "A Whole Lot Better" ("I feel a whole lot better when you come around") ist ein entfernter Gruß an Gene Clark, "Garbage Day" die mittlerweile obligate Motown-Nummer und "Feel Like Taking You Home" Bensons diskrete Annäherung an die New Wave der Achtziger Jahre. Und vielleicht versteht Brendan Benson seine vierte Platte ja auch als Phänomenologie der Liebe: "I fell in love with you/ And out of love with you/ And back in love with you/ All in the same day." Accidents will happen. (6) Jan Wigger

Noah And The Whale - "The First Days Of Spring"
(Young And Lost Club/Cooperative/Universal, 18. September)

Die zweite Noah-And-The-Whale-LP "The First Days Of Spring" ist nicht annähernd so brillant und bedeutend wie die letzte Bill Callahan. Doch wie "Sometimes I Wish We Were An Eagle" ist auch "The First Days Of Spring" ein Werk, das der oberflächliche Hörer (Erkennungssatz: "Klingt interessant!") gering schätzen wird, wenn er nicht wenigstens zwei, drei Stunden seiner Zeit dafür opfert. Es scheint kein Licht durch Klagelieder wie "Our Window" oder "My Broken Heart" und tatsächlich wirken Noah And The Whale ein wenig so, als hätten sie erfolgreich sein können in der großen Zeit von Jack, Lambchop und den Tindersticks. Grund für die im Vergleich zum Debüt "Peaceful, The World Lays Me Down" erheblich schlechtere Stimmung ist wohl der Verlust von Laura Marling, die nicht nur festes Mitglied dieser Gruppe, sondern auch feste Freundin des Noah-And-The-Whale-Sängers Charlie Fink war. Am Schluss trägt Fink ohne jeden Kraftaufwand die Worte "Now I'm free/ Now I'm free/ Now I'm free from all your pain" vor. Dass diese Langsamkeitsfanatiker gerade auf Festivals spielen, ist die falsche Entscheidung. (7) Jan Wigger

Magic Arm - "Make Lists Do Something"
(Peacefrog/Rough Trade, bereits erschienen)

Kaum zu glauben, aber im Falle von Magic Arm ist es bereits der beigelegte Infotext, der beinahe alles sagt, was es zu "Make Lists Do Something" zu sagen gibt: "Like Beck, Beta Band or Adem, Magic Arm is a sonically curious soul who fuses folk, rock and effervescent electronics. But, as reference points, none of those three quite hit the spot." Zieht man den Camp-Faktor ab, wäre sogar noch Patrick Wolfs erstes Album "Lycanthropy" zu nennen, wenn auf "Make Lists Do Something" auch ein alles überragender Song wie "To The Lighthouse" zu fehlen scheint. Zum Hit im Kleinen ist Magic-Arm-Kopf Marc Rigelsford dennoch befähigt: "Getting The Way" vermischt fünf Minuten lang Krautrock, Soul, Glamrock und Paul McCartney - ohne Tendenz zur Verkünstelung. Für den ganz großen Erfolg mal zu ziellos, mal zu geistreich. (6) Jan Wigger


Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

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06.02.2012 von kuechenchef:

Ja nu, zwischen sechs Monate Wartezeit nach VÖ auf CD wie bisher und Bestellungen beim Label in den USA für Platten in lustigen Vinylfarbkombinationen ist dann doch noch irgendwie ein Unterschied. Aber schee sans scho... [...] mehr...

04.02.2012 von oasis:

Aha, ganz was Neues. ;D mehr...

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