London/Hamburg - Den Höhepunkt ihrer Karriere erlebte Vera Lynn vor rund 70 Jahren, nun erobert sie im Alter von 92 Jahren wieder die britischen Charts - und gilt damit als die älteste lebende Künstlerin, die es jemals unter die Top 20 schaffte.
Mit ihrem Best-of-Album "We'll Meet Again" landete die Gesangsveteranin in den Top 20 und überrundete damit Künstler wie den Rapper Eminem oder die Rockband U2. Sie sei "wahnsinnig aufgeregt und entzückt" über ihren späten Erfolg, teilte Lynn mit.
Ihre Truppenbesuche vor den britischen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs brachten der Sängerin den Spitznamen "The Forces' Sweetheart", "Der Schatz der Truppen", ein. Sie war damals bei den Streitkräften die beliebteste Künstlerin, setzte sich bei einer Umfrage der BBC gegen Bing Crosby und Judy Garland durch. Ihr wohl berühmtester Fan war damals Premierminister Winston Churchill.
Von den Briten geliebt, von Kubrick und Pink Floyd geehrt
Mit ihren Radioprogrammen und Kriegsauftritten, mit ihrem legendären Song "We'll Meet Again" und dem gleichnamigen Film von 1942 ersang und erspielte sich die Londonerin einen festen Platz in der Geschichte ihres Landes und in den Köpfen der Briten - bei den Älteren als Seelsorgerin der Kriegszeit, bei den Jüngeren durch Filme wie Stanley Kubricks "Dr. Strangelove", der mit einem Atomknall und einem ironisch eingesetzten "We'll Meet Again" endet. Oder durch Pink Floyd, die Lynn in "The Wall" das Lied "Vera" gewidmet haben.
Die Künstlerin unterstützte während ihrer gesamten Karriere behinderte und schwer kranke Menschen, spendete einen großen Teil ihrer Einnahmen aus Konzerten karitativen Zwecken. Noch im hohen Alter setzte sie sich für mittellose Kriegsveteranen ein und demonstrierte gegen Krankenhaus-Schließungen.
Als erste an der Spitze der US-Charts
Ihr neues Album wurde pünktlich zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht. Darauf ist auch ihr Hit "Auf Wiederseh'n Sweetheart", der 1952 als erste Single eines britischen Künstlers die Spitze der US-amerikanischen Charts erreichte. Der aktuelle Einstieg in die britischen Charts ist somit nicht Lynns erster Rekord.
rox/AFP
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