Von Christoph Dallach
Die Kronjuwelen der Popmusik sind natürlich in London, der Hauptstadt des Popuniversums, versteckt. In den legendären Abbey-Road-Studios lagern sie in einem tresorartigen Raum, gesichert durch zwei massive Stahltüren mit aufwendigen Kombinationsschlössern, dazu Alarmanlagen, Rauch- und Feuermelder, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmesser, sowie Kameras vor und hinter dem Eingang. Wer reingelassen werden will, muss schon einen sehr guten Grund nennen können, wenn er nicht McCartney oder Starkey heißt, denn dort lagern wohltemperiert die antiken Tonbänder, auf denen die Beatles in den sechziger Jahren ihre Geniestreiche verewigten.
In letzter Zeit herrschte dort erstaunliche Hektik, denn es galt, die wertvollsten Aufnahmen der Popgeschichte für ein neues Jahrtausend aufzufrischen. Genauer gesagt, die zwölf originalen, in Großbritannien veröffentlichten Beatles-Langspielplatten von "Please, Please Me" bis "Let it be" zu entstauben und aufzupolieren. Dazu kommen die später auf CD nachgereichten Past Master's Compilations. Ab dem 09.09.09 sind die überarbeiteten Dauer-Bestseller der Fabelhaften Vier nun einzeln oder für betuchte Komplettisten in zwei Boxen (Mono/Stereo) zu haben. Zur Krönung dieser Beatles-Offensive wird es für nachgewachsene Generationen und fidele Rentner noch eine Beatles-Edition des Videospiels "Rock Band" geben.
Mal abgesehen davon, dass mit dieser Aktion für die Firmen Apple (Der Beatles-Laden, nicht die Computer-Bastler!) und EMI das Weihnachtsgeschäft beginnt, bleibt die Frage, ob der ganze Zirkus die letzten Tonträgerkäufer überhaupt noch interessiert - oder eben nicht. Denn auf CD sind die Beatles bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten zu haben. Allerdings ist man sich mittlerweile einig, dass diese erste Beatles-CD-Generation, die damals auch als Sensation vermarktet wurde, nur mäßig aufbereitet war und eher matt klang. Seitdem verbreiteten audiophile Fans besser klingende, daheim nachgebesserte Versionen der Beatles-Alben im Netz, und offiziell legte die EMI eine geliftete Version von "Yellow Submarine" und "Let it be (Naked)" nach. Dazu kamen endlosen Debatten und Gerüchte, wann die Beatles denn ins digitale iPod-Zeitalter eintreten würden.
Den Anfang macht nun dieser Schwung CDs. Die sind sehr hübsch verpackt - angeblich limitiert als sogenannte Digipacks - mit ausführlichen Büchlein und Videodokumentationen zu den einzelnen Alben. Was aber nur halbspannend ist, da die Filme überwiegend aus der altbekannten "Anthologie"-Reihe zusammengebastelt wurden und wohl nur einige Dialoge tatsächlich neu sind. Die weit verbreitete Sitte, alte Platten für neue CD-Versionen mit unbenutztem Archivmaterial aufzuplustern, wurde auch ignoriert. Was aber auch ein künstlerisches Statement sein könnte, denn auch ambitionierte Kollegen wie Brian Eno und Bryan Ferry fanden die Vorstellung, CD-Neuauflagen zu erweitern, absurd: "Man malt bei Gemälden ja auch nichts dazu!" (Eno). Fest steht, dass die Rumpelkammern der Beatles zum Bersten voll sind, wie ungezählte Bootlegs belegen.
Aber letztendlich geht es ja aber auch nur darum, ob "Helter Skelter", "A Day in the Life", "Come Together" oder "Something" in den frischen Versionen nun wirklich umwerfend klingen oder eher unnötig sind.
Zum Glück ist das Resultat wirklich eindrucksvoll. All diese Lieder, die die meisten Menschen in- und auswendig zu kennen glauben, klingen hier unerhört kraftvoll und klar. So als wären sie vor einer Woche eingespielt worden. Dabei wurde hier nichts "remixt", also verändert, sondern eben nur aufwendig restauriert. Eigentümer von halbwegs brauchbaren Stereoanlagen sollten Tränen des Glücks vergießen. Besonders die teils vergessenen Mono-Versionen gerieten faszinierend kraftvoll! Und überhaupt wird noch einmal deutlich, wie radikal zeitgemäß die meisten Beatles-Songs auch in diesem Jahrtausend noch klingen, und warum die meisten ihrer Schüler stets ratzfatz wieder vergessen sind.
Das letzte Wort, der letzte Mix ist das hier natürlich nicht. Wohl bis in alle Ewigkeit werden in schöner Regelmäßigkeit (Weihnachten!) Nachschläge folgen: Vinyl, iTunes, Outtakes und Pipapo! Aber die Musik ist tatsächlich immer wieder ein Ereignis.
The Beatles: "The Remasters" (Apple/Emi). Erscheint am 9.9.2009.
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Mittlerweile hatte ich die Gelegenheit, die CD-Box von "Please, please me" bis zum Album "Revolver" durch zu hören. Ich bin echt beindruckt, wie sauber die Burschen im AR-Studio das hinbekommen haben. M.E. [...] mehr...
Das Bandrauschen kann ja ohne Probleme gesampelt und die eigenen "sterilen" Produktionen damit unterlegt werden. HipHop-Producer unterlegen ihre Produktionen ja auch gerne mit dem wohligen Knistern alter Vinyls. mehr...
Ich habe bisher nur in das 'Weiße Album' und in 'Abbey Road' reinhören können. Ich muss sagen, es handelt sich hier um eine der besten Remaster Editionen, die mir je zu Ohren gekommen sind.... Hier wurde behutsam und ohne [...] mehr...
Kann schon sein...aber die neuen Beatles haben Dynamik weil die Kompression nur ganz behutsam eingesetzt wurde. Sehr schöner Klang...es wurde aber nicht übertrieben. mehr...
Ich hake mal hier ein. Genau daran habe ich auch sofort gedacht. Es gibt zwar auch heute noch CDs, die sehr gut klingen, insgesamt hören sich sehr viele CDs aber heute eben "laut" und gleichzeitig undynamisch an. Na [...] mehr...
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