Von Christoph Dallach
Spätestens seit moderne Technologien es möglich machen, dass jeder minderbegabte Amateur wie ein Star klingen kann, gelten Konzerte als letzte Bastion des Authentischen in der Musik. Wobei Authentizität, gerade in der Popmusik, immer ein dubioses Prädikat war, weil dort oft der größte Reiz in der schillernden Illusion liegt. Aber auf den Bühnen erwarten nicht wenige die Wahrheit. Daran konnten auch einige Schummler nichts ändern.
Aber weil im Musik-Universum seit geraumer Zeit alles irgendwie in Bewegung ist, werden nun auch Konzert-Auftritte neu definiert. Frische Maßstäbe setzt hier seit Jahren das "Punkt"-Festival im norwegischen Kristiansand. Dort geben sich überwiegend ambitionierte und abenteuerlustige Musiker aus dem Grenzbereich von Jazz und Electro- und Rock-Avantgarde drei Tage lang die Ehre. So wie Brian Eno, Jacki Liebezeit (Can), David Toop oder Jon Hassel.
Der Coup ist, dass die Konzerte, unmittelbar nachdem der letzte Ton verhallt ist, auf einer benachbarten Bühne von anderen Musikern überarbeitet, also remixt werden. Unglaublich aber wahr. Praktisch heißt das, dass das Publikum direkt nach einem Auftritt in einen anderen Saal zu einer anderen Bühne wechselt, wo andere Musiker zu Aufnahmen der vorangegangenen Performance spontan improvisieren.
Auftritte werden virtuos umfrisiert
Anfang des Monats traten in der norwegischen Kleinstadt zum Beispiel die gerade für einen Mercury Award nominierten britischen Kunstrocker Sweet Billy Pilgrim auf, was im Anschluss von einem Trio um den norwegischen Star-Trompeter Arve Henriksen elegant zerlegt und neu zusammengesetzt wurde.
Auch die amerikanische Spoken-Word-Künstlerin Ursula Rucker und die grandiose Susanna mit ihrem Magical Orchestra durften bestaunen wie ihre Auftritte von Kollegen wie Bugge Wesseltoft oder dem Britney Spears/Madonna-Produzenten Guy Sigsworth virtuos umfrisiert wurden. Gerne "remixen" die Beteiligten sich hier auch gegenseitig.
"Das Spannende hier ist doch, dass die Neuinterpretationen ohne ausgeklügelten Plan oder raffinierte Technik ablaufen. Alles hier passiert unmittelbar vor Publikum. Spannender geht es nicht, und man muss als Musiker schon wirklich gut sein, um das zu wagen", sagt Jan Bang, Musiker und Co-Initiator des "Punkt"-Festivals.
In einem Jahr geht es in die nächste Runde. Weil das aber noch lange hin ist, wird es einzelne Gastspiele der "Punkt"-Macher geben - zum Beispiel in Heidelberg.
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jon hassell, nicht john hassel mehr...
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