Von Christoph Dallach
Auf die Frage, was ihr Bob Dylan bedeute, antwortete die Schauspielerin Cate Blanchett mal: "Uhren, Wassermelonen, das Brüllen des Universums". Klingt irre, aber es ist zu vermuten, dass der alte Meister an dieser Erwiderung seine helle Freude gehabt hätte.
Denn zu den wenigen gesicherten Erkenntnissen über Bob Dylan gehört sein Spaß am Rätselhaften und Absurden. Mit lässiger Listigkeit narrte er schon in den sechziger Jahren in seinen raren Interviews Medienvertreter mit Gaga-Antworten. "How do you get your kicks these days, then?" "I hire people to look me into my eyes, and then I have them kick me" ("Playboy"-Interview 1966).
Dazu passt, dass "His Bobness", durchaus überraschend, diesem Film des abenteuerlustigen Regisseurs Todd Haynes seinen Segen gab. Wahrscheinlich hätte er dem Filmemacher sogar eine Audienz gewährt - aber Haynes bemühte sich nicht darum. Wahrscheinlich weil er wusste, wie wichtig ausreichende Distanz bei diesem außergewöhnlichen Projekt war. Denn die weit verbreitete gottähnliche Anbetung, die Bob Dylan immer noch zuteil wird, hätte kaum einen brauchbaren Film ergeben.
Haynes beklatscht Robert Zimmerman - Dylans bürgerlicher Name - nicht wie üblich als "Stimme einer Generation" und "genialen Songwriter", sondern porträtiert ihn auch als egozentrischen, maßlosen und zeitweise wirren Künstler.
"I'm not there" ist ein Triumph, weil es Haynes gelingt, Dylan als unnahbares, rätselhaftes Phantom abzubilden, ohne all die Mythen deuten zu wollen. Er nutzt Legenden wie den Motorrad-Unfall (mit dem der Film beginnt), den Eklat, als der Folk elektrisch wurde, oder die erbitterte Ehe-Schlacht um seine Kinder - aber eben nur als weitere Bestandteile einer surrealen Traum-Collage.
Auch die - fast unausweichliche - Debatte, welche der heiligen Dylan-Lieder denn im Film erklingen dürfen, meidet der Regisseur elegant, indem er er nicht die "besten" und "wichtigsten" Dylan-Kompositionen wählte, sondern Lieder, die sich gut in die Handlung des Films fügten. Den Titel-Song "I'm not there", einen unveröffentlichten Auszug aus den legendären "Basement Tapes", gab es bislang nur auf illegalen Tonträgern.
Nach 130 Film-Minuten weiß man zwar nicht mehr Bob-Dylan-Fakten, hat aber vielleicht doch eine Idee von dessen surreal faszinierendem Dasein. Der Gitarrist David Lindley, der mit Dylan zusammenarbeitete, beschrieb dessen Alltag mal sehr schön so: "Sein Leben ist wie Kung Fu: Von überall her kommen ständig Menschen, die irgendwas von ihm wollen, und er muss das überstehen."
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