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05.11.2009
 

Hasselhoff in Berlin

Kollektivschuld des schlechten Geschmacks

Von Hannah Pilarczyk

David Hasselhoff 1990 in Rotterdam: Da war "I've Been Looking for Freedom" noch in den ChartsZur Großansicht
Getty Images

David Hasselhoff 1990 in Rotterdam: Da war "I've Been Looking for Freedom" noch in den Charts

David Hasselhoff ist Deutschlands beliebtester Sänger - dieses Vorurteil hat eine Generation von Deutschen im Ausland verfolgt. Fast schien es in Vergessenheit geraten zu sein, doch jetzt lässt MTV den gefallenen Star wieder in Berlin auftreten.

Zu den großen nationalen Traumata der Deutschen gehört neben Wembley-Tor und jetzt Opel-Verkauf sicherlich auch David Hasselhoff. Wie viele mühsam im Ausland angebahnte Gespräche liefen doch auf diesen einen Satz hinaus: "Bei euch ist Hasselhoff noch immer ein Star!" Schuld daran war der Erfolg seines Songs "I've Been Looking for Freedom", der zurzeit der Wiedervereinigung die deutschen Charts dominierte.

In den folgenden Jahren setzten sich zwar Bands wie Scooter oder Rammstein durch - aber nur im kollektiven Musikgedächtnis der Deutschen. Im Ausland galt weiterhin David Hasselhoff als der größte Star Deutschlands. Zuletzt verblasste dieser Mythos durch den Erfolg von Tokio Hotel zwar etwas. Doch dank MTV könnte die Legende unerwarteten Auftrieb erleben: Der Musiksender lässt David Hasselhoff am Donnerstag bei den Europe Music Awards in Berlin auftreten.

Hasselhoff war bereits Silvester 1989 am Brandenburger Tor aufgetreten und hatte dort "I've Been Looking for Freedom" vor einer zugegebenermaßen enthusiastischen Menge gesungen. Amateuraufnahmen von dem Auftritt gehören noch immer zum schrecklichsten, das YouTube zu bieten hat. Hasselhoff trägt darin eine bullige Lederjacke bespickt mit kleinen Glühlampen, deren Lichter immer wieder über seinen Körper flackern. Dazu hat er einen Schal mit dem Muster einer Klaviertastatur umgebunden. Das Outfit steht in einem derartigen Kontrast zu Hasselhoffs breitbeinigem Auftreten und dem stampfenden Beat des Songs, dass die Demontage seiner Männlichkeit fast körperlich schmerzt.

Ein selbstironisch gedrehter Auftritt von Hasselhoff am Donnerstag könnte diesen Eindruck natürlich verwischen und einiges gegen das im Ausland wahrgenommene Humordefizit Deutschlands tun. Schaut man sich die jüngeren Aufnahmen von David Hasselhoff an, scheint aber vielmehr er es zu sein, der eine Ehrenrettung nötig hat - man erinnere sich nur an das Video, in dem er volltrunken versucht, einen Hamburger zu essen. Vielleicht muss man die Sache überhaupt grundsätzlich aus Hasselhoffs Perspektive betrachten. Dann hat nicht er das Ansehen eines ganzen Landes ruiniert: Vielmehr hat Deutschlands flüchtige Liebe zu einem Pop-Song sein Leben zerstört! Fast könnte man von einer Kollektivschuld sprechen.

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