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16.11.2009
 

HipHop-Star 50 Cent

"Ruhm ist wie eine Sucht"

50 Cent: Böser Bube als Pädagoge
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Universal Music

Er gilt als Vorzeige-Bad-Boy des Gangsta-Rap, aber wenn es um seinen Sohn geht, wird 50 Cent plötzlich kuschelweich. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der HipHopper über seine Angst vor dem Versagen, seine Gier nach Erfolg - und seine Vatersorgen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr neues Album heißt "Before I Self Destruct" - fühlen Sie sich kurz vor der Selbstzerstörung?

50 Cent: Das Showbusiness ist unbarmherzig. Da werden Stars aufgebaut, nur um sie der Unterhaltung wegen wieder vom Sockel zu stoßen. Viele warten auf einen Fehltritt von mir, um meinen Platz einzunehmen.

SPIEGEL ONLINE: Sie beziehen sich in Ihren neuen Songs wieder auf Ihre Vergangenheit als Drogendealer in den Straßen und Sozialblocks von Queens...

50 Cent: ...und dabei bin ich ehrlicher als die meisten anderen Rapper. Sie versuchen in ihren Texten cool und gefährlich rüberzukommen, verkörpern millionenschwere Drogenbosse. Sie schreiben nicht darüber, was sie sind, sondern was sie gerne wären. Ich dagegen fühle mich inzwischen sicher genug, um über meine Unzulänglichkeiten als Jugendlicher und junger Mann zu reden. Ich musste in letzter Zeit viel daran denken, als ich mit Robert Greene das Buch "The 50th Law" schrieb (deutsch: "Geld Macht Freiheit", im Redline Verlag). Für mich war das ein geradezu therapeutischer Prozess.

SPIEGEL ONLINE: Sie stiegen innerhalb weniger Jahre vom kleinen Drogenhändler zum weltweit erfolgreichsten HipHop-Star auf. Sehen Sie Ihr Leben immer noch als ständigen Kampf?

50 Cent: Wie die meisten Rapper habe ich als Underdog angefangen, und verdiene inzwischen genug, um mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Aber der Ruhm ist wie eine Sucht. Man bleibt ihm zuliebe in der Tretmühle - und arbeitet bis zum Umfallen, um das bisher Erreichte nicht zu verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Seit Ihrem 2003er Debüt "Get Rich Or Die Trying" haben Sie nur Bestseller veröffentlicht. Was müssen Sie denn mit Ihrem neuen Album noch beweisen?

50 Cent: Es gibt im HipHop nicht wie im Rock die Möglichkeit, sich als Veteran auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Hast du einen großen Hit, musst du einen weiteren nachschieben. Und dann noch einen. Respekt bekommst du nicht als One-Hit-Wonder, sondern für ein anspruchsvolles Gesamtwerk. Das Schlimmste für mich wäre, die Leidenschaft zu verlieren, neue, noch bessere Songs zu schreiben. Das Publikum erwartet Perfektion. Deshalb habe ich das Album so oft verschoben.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in letzter Zeit nicht nur wegen Ihrer Verbalattacken auf andere Rapper, sondern auch wegen der Querelen um Ihren 14-jährigen Sohn Marquis in die Schlagzeilen geraten.

50 Cent: Ich verhandle gerade vor Gericht um eine andere Besuchsregelung. Im Moment darf ich meinen Sohn jedes zweite Wochenende sehen, aber ich bin so oft auf Tournee oder bei Filmdrehs, dass ich gerne flexiblere Zeiten hätte. Wenn mich die Sehnsucht packt, dann gibt es zum Glück noch die Großmutter, bei der ich Marquis jederzeit sehen kann.

SPIEGEL ONLINE: Machen Sie sich Sorgen um ihn?

50 Cent: Manchmal würde ich gerne mehr bei ihm sein, um ihm ein männliches Vorbild zu geben. Dieses dauernde Computerspielen etwa, da würde ich ihn lieber mit ins Fitness-Studio nehmen. Ich sehe mich in meinem Sohn wie in einem Spiegel. Er entwickelt dieselben Verhaltensweisen, zeigt dieselben Unsicherheiten wie ich einst an seiner Stelle. Er erwartet etwa, dass die Leute auf ihn zugehen und nicht umgekehrt. Wenn ihm was nicht passt, redet er nicht über seine Gefühle - sondern frisst alles in sich hinein. Das habe ich viel zu lange selbst so gehalten. Heute sage ich meinem Sohn: Lass uns drüber reden.

SPIEGEL ONLINE: Sie versuchen ihm den Halt zu geben, den Sie als Halbwaise - ihre Mutter wurde ermordet, als Sie acht Jahre alt waren - nie hatten?

50 Cent: Ich musste ohne Vater aufwachsen, kam nach dem Tod meiner Mutter zu den Großeltern. Die hatten noch acht andere Kinder an der Backe. Wie sollten sie mir da die nötige Aufmerksamkeit schenken? Ich musste sie mir woanders holen, auf der Straße. Mein Sohn wächst da viel behüteter auf.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind inzwischen ein erfolgreicher Geschäftsmann im 35. Lebensjahr. Wäre es da nicht an der Zeit, in Ihren Raps auch andere Rollen als die des jugendlichen Straßenkämpfers zu thematisieren?

50 Cent: Sie hätten mich gerne gemütlicher mit einem kleinen Bauch? Nein, mein Job ist es, spannende Geschichten zu erzählen, egal ob in der Gegenwart oder Vergangenheit. Außerdem gehört es einfach dazu, sich von seiner attraktivsten Seite zu präsentieren. Dafür trainiere ich jeden Tag. Natürlich bin ich privat ein vielseitiger Mensch: Ich lese etwa über Nelson Mandela, schaue mir die Klassiker der Filmgeschichte an. Vor allem aber studiere ich, welche Qualitäten ein Star braucht: die richtige Erscheinung, das richtige Material, den richtigen Auftritt und die richtige Persönlichkeit.

SPIEGEL ONLINE: Und dann noch die richtige Duftnote?

50 Cent: Sie spielen auf mein Parfum "Power bei 50 Cent" an? Es hilft dem Selbstbewusstsein auf die Sprünge. Gut auszusehen ist wichtig, gut zu duften noch besser. Was nützen die feinsten Klamotten, wenn man schlecht riecht?

SPIEGEL ONLINE: Sie nehmen das Wässerchen selbst, um sich besser zu fühlen?

50 Cent: Ich habe das nötige Selbstbewusstsein schon mitgebracht - sonst hätte ich es im HipHop nie geschafft. Meine Plattenfirma wollte mich manchmal anders haben als ich bin, politisch korrekter. Aber dem nachzugeben hätte nur schwachen Charakter bewiesen. Wer nicht von sich überzeugt ist, der hat im HipHop-Business nichts verloren.

Das Interview führte Jonathan Fischer

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Die neuesten Beiträge:
17.11.2009 von 50centfan009: Ihr habt alle keine Ahnung!

Ich bin genau Ihrer Meinung wenn das nicht dem Musikgeschmack einer Person entspricht, sollte man nicht sagen, dass es schlechte Musik ist. Es soll ja auch Menschen geben die Beethoven mögen. Denen sagt auch niemand, dass sie [...] mehr...

17.11.2009 von saul7: Klar

ist Ruhm wie eine Sucht. Wenn man mit Publizität und Ruhm nicht umzugehen weiß, gerät man ganz schnell in Schwierigkeiten. Dafür gibt's genügend Beispiele. Man sollte sich daher immer vor Augen halten: Je höher man fliegt desto [...] mehr...

17.11.2009 von saul7: Eine

alte Weisheit gelassen ausgesprochen. Publizität und Ruhm können durchaus süchtig machen und sind bei Entzug sehr schwer zu therapieren. Deshalb frühzeitig daran denken: Wer hoch fliegt, kann auch tief fallen. mehr...

17.11.2009 von key_art: Kostprobe ...

Überzeugen Sie sich selbst. Die CD haben mir meine Kinder damals zu Weihnachten geschenkt - die mögen ihn nicht ;-)), ich auch nur ganz wenige Songs, wie diesen z.B. - finde ich einfach genial - auch den Text ... [...] mehr...

17.11.2009 von Mona_Baudelaire: Rassistische Bemerkung

Es lohnt sich vor allem zu denken, bevor man hier was reinschreibt und seine rassistischen Äußerungen für sich zu behalten. mehr...

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