Von Daniel Haas
Es gibt einige Gründungsszenen für den Mythos 50 Cent: Der Tod der Mutter, eine Drogendealerin, gemeuchelt von der Konkurrenz. Das Attentat auf den damals 24-jährigen Rapper, bei dem er neunmal angeschossen wurde.
Aber die popkulturell vielleicht wirksamsten Momente sind fiktiv. Da ist vor allem das Video zum Superhit "In Da Club". Es zeigt 50 Cent als athletischen Helden in einem Labor und seine Produzenten Eminem und Dr. Dre als moderne Frankensteins, die diese Kunstfigur geschaffen haben.
Das war 2003, seitdem hat sich 50 Cent alias Curtis Jackson zum größten HipHop-Star der Welt entwickelt; nur Rap-Kollege Jay-Z kann es ihm gleichtun in puncto Albumverkäufe und weiterführendes Marketing.
Das Produkt hat sich zum Produzenten gemausert und vom Sportschuh bis zum Vitamindrink zahlreiche Marktsegmente erobert, ohne dabei den Verkaufsvorteil der eigenen Marke aus den Augen zu verlieren: ein Rapper mit krimineller Vergangenheit zu sein.
Was nach dieser Platte künstlerisch möglich ist, steht in den Sternen, aber dieses Werk könnte die Schnittstelle sein, an der sich noch einmal die zentralen Themen und Motive des Fiddy-HipHop zeigen.
Da ist vor allem die Gangster-Folklore, wie man sie aus bislang jedem Album des 34-jährigen Künstlers kennt: Es werden Feinde abgekanzelt, den Konkurrenten der Krieg erklärt, die eigene Unverwundbarkeit gefeiert. Musikalisch geht es dabei diesmal überraschend rau und minimalistisch zu: Es rumpeln schwere Old-School-Beats, darüber schnarren fiese Gitarren wie aus einem Tarantino-Spätwestern oder grollen düstere Streicher im Horrorfilmstil.
Kapital radikal
Dann gibt es die Apotheose des Kapitalisten, der letztlich auch nur eine Verkleidungsform des Gangsters ist, die Strukturen der Gesellschaft aber zu nutzen versteht. Die meisten Songs schwelgen im Konsumismus und feiern den Rapper als Unternehmer, der sich selbst vollständig zur gewinnbringenden Marke umgewertet hat. Wie sagte Jay-Z so treffend: "Ich bin kein Geschäftsmann. Ich bin ein Geschäft, Mann!"
Der Entrepreneur 50 Cent ist also nur eine Verpuppung des ehemaligen Heroindealers Curtis Jackson auf der sozial nächsthöheren Stufe. Das Wissen um die prekären Verhältnisse ist deshalb geblieben: "Egal wie viel Geld oder Ressourcen Sie angehäuft haben, irgendjemand wird immer versuchen, es Ihnen wegzunehmen", steht in Jacksons Business-Ratgeber "Geld Macht Freiheit". "Das sind keine widrigen Umstände, das ist einfach das Leben."
Und wie wappnet man sich nun gegen die Risiken des entfesselten Marktes, gegen die Kälte des neoliberalen Verteilungskampfs? Ein bisschen Trost versprechen die Tugenden der wertkonservativen Mittelschicht: Ehe, Familie, Grill im Garten. Das ist die dritte Abteilung dieser Platte: die Anmach- und Schmusestücke, in denen die Libido des superpotenten Superstars eingehegt wird durch Kinder, Küche, Kirche.
Es sind aber zum Glück nur drei von insgesamt 16 Songs, der Rest funktioniert als Reminiszenz an die großen alten Zeiten, die natürlich auch nur Teil der global vermarkteten Projektion namens 50 Cent sind.
Ob der Künstler die Koketterie mit der Selbstzerstörung verkraften und sich neu erfinden kann wie die Genies der Popkultur - Madonna und David Bowie -, das zeigt sich dann beim nächsten Album.
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Bin mit den beiden Kommentaren von sam und fruby einverstanden... bis auf einen winzigen Detail den ich korrigieren möchte: Fifty ist kein guter Rapper. "Medienhure" ist hier die absolut richtige Bezeichnung! Seine [...] mehr...
Seit Jahren müssen wir das Gerede über "sich selbst neu erfindende Künstler" ertragen. Die Formulierung ist nicht nur sprachlich schmerzhaft, sondern hat darüber hinaus nichts mit der Realität künstlerischen Schaffens zu [...] mehr...
Maaaan. Schon wieder Fity. Es gibt auch andere gute Rapper über die es sich zu berichten lohnt. Das Raekwon Album ist meiner Ansicht nach das beste Album 2009. Hier würde sich ein Bericht durchaus lohnen aber NEIN. Man nimmt [...] mehr...
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