Von Christoph Dallach
Amüsant erzählt er eine - wohl teils autobiografische - Geschichte, in der ein paar Jungs von München aus als Hair-Metal-Band in der Welt groß rauskommen wollen. Ein turbulentes Märchen, das zwangsläufig in den achtziger Jahren spielen muss, der großen Zeit des Hair Metals. Ein Genre, das einem eigentlich schon deshalb sympathisch sein muss, weil es den meisten aufrechten Musikfans immer als ganz schlechter Witz galt.
Warum? Zuerst einmal wegen des Äußeren, wegen der hautengen Spandex-Plastik-Hosen und wegen der absurden Haarmähnen, auf die auch der Spitzname Pudel-Rock zurückzuführen ist.
Aber eben auch wegen der Musik, einem gezähmten Hardrock, in dem hochpolierte Balladen und säuselnde Gitarrensoli als ultimativer Coup galten. Berühmt wurden meist amerikanische Bands wie Mötley Crüe, Bon Jovi, Poison oder Stryper. Aber auch die Schweden von Europe ("The Final Countdown") punkteten eindrucksvoll. Ausgerockt hatte es sich für die meisten dieser Hair-Metaller, als Anfang der neunziger Jahre Kurt Cobain und Grunge-Rock die Hitparaden der Welt übernahmen.
Llord Nakcor (Rock'n'Roll rückwärts) nennen sich im Roman die Nachwuchsrocker, mit denen der Holzinger Andi, einziges Kind eines mittleren Beamten und einer Zahntechnikerin, den Rock'n'Roll-Olymp oder zumindest ein paar Mädels erobern will. Bräuer gelingt das Kunststück, die ausufernden Träume vom Rock'n'Roll-Ruhm charmant und unterhaltsam mit den Härten der Realität zu verknüpfen. Leidenschaftlich und mit viel Detailwissen erzählt er von Auftritten im ZDF-Nachmittagsprogramm, desinteressierten Groupies und Rückzügen zu Mutti nach Hause. Dass sich das von Anfang bis Ende recht lässig liest, ist wohl Bräuers Erfahrung als Autor für lustige TV-Formate ("Blondes Gift" etc.) zu verdanken.
Hoffnungsfrohen Nachwuchs-Rockern kann sein Buch aber auch als heilsame Ernüchterung dienen. Was hoffentlich niemanden davon abhält, in irgendeiner Baracke seine Gitarre mit einem Verstärker zu verbinden und von wilden Eroberungen zu träumen.
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