SPIEGEL ONLINE: In ihrem Musical soll es um den Menschen Obama gehen, um Emotionen, heißt es in der Ankündigung. Der politische Gedanke stehe bei "Hope" im Hintergrund. Warum?
Roberto Emmanuele: Ich bin kein politischer Mensch, Politik war für mich immer sehr weit weg. Im Musical greifen wir eine Stimmung in der Gesellschaft auf. Es geht um die Euphorie, um den Hype, den Obama angestoßen hat. Er hat bewirkt, dass die Welt sich für eine Zeitlang einig zu sein schien - in ihrer Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
SPIEGEL ONLINE: Über die Interpretation kann man streiten, aber das klingt doch durchaus politisch.
Emmanuele: Sicher ist das auch politisch, aber wir möchten mit "Hope" keine polarisierende Aussage treffen - außer der humanistischen, nämlich: Es ist ein tolles Gefühl, dass wir uns einig sind, dass wir an eine bessere Zukunft glauben, ja hoffen wollen.
SPIEGEL ONLINE: Ihr Musical ist ja quasi eine Nachwehe des Obama-Hypes. Haben Sie nicht manchmal Angst, dass ihr Stück als Trittbrettfahrer-Kitsch wahrgenommen werden könnte?
Emmanuele: Gar nicht. Wenn Sie das Musical sehen, werden Sie diesen Eindruck auch nicht mehr haben, versprochen. Wir lassen Obama, Clinton und auch McCain eins zu eins zu Wort kommen - mit dem, was sie im Wahlkampf gesagt haben. Nur weil irgendjemand Präsident wird, gibt es ja noch keinen Hype. Die Euphorie kam, weil die Wahl von Obama so unerwartet war, weil er der erste schwarze US-Präsident ist.
SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie selbst denn die Wahl wahrgenommen?
Emmanuele: Ich bin Sohn italienischer Immigranten, in Frankfurt-City aufgewachsen und wurde als Ausländer in Deutschland vor allem mit einem Thema konfrontiert: Funktioniert Multikulti oder nicht? Wenn überhaupt, dann habe ich nur eine politische Vision: eine funktionierende multikulturelle Gesellschaft. Bei Obama ist das angelegt, weil er aus allen Bevölkerungsteilen und Kulturen Unterstützung bekam. Und wie er das geschafft hat, diesen Prozess auszulösen, das inszenieren wir mit der fiktiven Geschichte einer multikulturellen Wohngemeinschaft in der Southside Chicago.
SPIEGEL ONLINE: Ein sehr ambitionierter Ansatz. Überhaupt klingt bei ihrem Stück ja ein wenig Hybris durch. Wie wollen Sie die großen Erwartungen eigentlich erfüllen?
Emmanuele: Das kann man doch selten. Jede Inszenierung ist nur ein Teil des Ganzen. Niemand kann für sich beanspruchen, etwas ganzheitlich zu durchleuchten. Auch nicht im Fernsehen, wo wir täglich Leute sehen, die versuchen, aktuelle Themen zur Sprache bringen. Im Prinzip tun wir nichts anderes: Eine Geschichte erzählen, die im Jahr 2008 ihren Ausgang nahm.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie Musicals eigentlich gar nicht mögen. Trotzdem inszenieren sie nun eines - warum?
Emmanuele: Den meisten Musicals fehlt einfach der Pep, die sind eher für ein älteres, gesetzteres Publikum gemacht, da geht musikalisch einfach nicht die Post ab. Nehmen Sie zum Beispiel "We will rock you" von Queen: Tolle Musik, aber wenn man das Musical sieht - naja…
SPIEGEL ONLINE: Was ist denn an "Hope" peppig?
Emmanuele: Da rockt es einfach. Das ist eine Pop-Produktion, da brennt die Luft.
SPIEGEL ONLINE: An der Musik sollen ja auch die Zuschauer selbst mitwirken - mit eigens für die Show entwickelten Trommelstühlen. Wie soll das denn klappen?
Emmanuele: Das funktioniert. Wir haben das mit kleineren Gruppen ausprobiert, aber auch schon mit 1000 und 1500 Leuten. Erstmals wird nun aber ein ganzer Cast dazu performen.
SPIEGEL ONLINE: Und was sollen die Zuschauer genau machen?
Emmanuele: Sie trommeln einen Basis-Rhythmus. Der wird dann von der Bühne ergänzt - damit es groovt.
SPIEGEL ONLINE: Für Besucher ohne Englisch-Kenntnisse gibt es zudem einen Erzähler. Wie hat man sich dessen Rolle vorzustellen?
Emmanuele: Er fasst den Plot jeweils am Ende einer Szene zusammen, damit auch Zuschauer mitkommen, die kein Englisch oder keinen amerikanischen Slang beherrschen. Unsere Künstler sind authentisch, sprich: Es sind Amerikaner, die den American Way of Life auf die Bühne bringen. Die jetzt deutsch singen zu lassen, wäre …
SPIEGEL ONLINE: … peinlich.
Emmanuele: Einmal das. Zudem würden wir uns aber auch jeder Authentizität berauben. Jede Sprache hat einen bestimmten Ausdruck, verkörpert eine bestimmte Kultur.
SPIEGEL ONLINE: Das Musical spielt noch in der absoluten Hochphase der Obama-Euphorie. Die ist mittlerweile verflogen, das Bild von ihm schon ein wenig abgenutzt. Kommen Sie nicht zu spät mit Ihrem Stück?
Emmanuele: Dazu zwei Dinge. Zum einen setzen wir Obama mit diesem Musical vielleicht ein bisschen unter Druck, indem wir zeigen, was er damals versprochen hat und was er damit in der Gesellschaft ausgelöst hat. Und zweitens finde ich es schade, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt schon wieder verblasst ist. Es lohnt sich, dieses Gefühl wieder aufleben zu lassen.
Das Interview führte Christian Teevs
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Schon wieder dieses Zeitgeist - Problem: Was ist Fiktion, was ist Realität? 'Derzeit' (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=4812093&postcount=1500) sieht es so aus, als wäre Obama's Gesundheitsreform eher ein 'Hope - [...] mehr...
Die ganze "Obama Musical" Idee ist einfach nur peinlich. Wie der liebe aber naive Roberto Emanuelle sich das ideale Multi-Kulti Leben vorstellt und daraus einen hoch intellektuellen Diskurs macht .... da wurde die Grenze [...] mehr...
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