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22.01.2010
 

Pop!

Die Playlists der Tyrannen

Von Christoph Dallach

Osama bin Laden hörte Van Halen und Robert Mugabe Musik von Sir Cliff Richard: Der britische "Guardian" hat die Vorlieben weltpolitischer Ekelpakete recherchiert. Außerdem: Franz Ferdinand besingen eine Dior-Handtasche, und M.I.A. agitiert gegen Reisen nach Sri Lanka.


Um Volksnähe zu demonstrieren, enthüllte Barack Obama im Wahlkampf die Playlists seines iPods, der mit Stevie Wonder, Springsteen, Dylan und Jay-Z gefüllt ist. Der konservative britische Oppositionsführer David Cameron präsentiert sich den jungen Wählern gern als heimlicher Rocker mit einer Vorliebe für Paul Weller und Radiohead. Ja, sogar Kreml-Chef Medwedew macht kein Geheimnis aus seiner Leidenschaft für Deep Purple.


Aber welcher Musik lauschen die Diktatoren, Tyrannen und selbsternannten Revolutionsführer der Welt? Was ist der Soundtrack ausgeklügelter Verstecke und schwerbewachter Paläste? Rechercheure des britischen "Guardian" machten sich die Mühe, dem nachzugehen.


Die einstigen Vorlieben Osama bin Ladens für die B-52's und Van Halen enttarnte zum Beispiel eine Sudanesin, die dem Al-Qaida-Führer mal sehr nahe kam. Ganz besonders Whitney Houston soll es ihm angetan haben, so sehr, dass er ihr ein Heim in einem Vorort von Khartum schenken wollte - nachdem ihr lästiger Gatte Bobby Brown aus dem Weg geräumt wäre.


Robert Mugabe, der Simbabwe in Schach hält, steht auf Kuschelrock von Sir Cliff Richard. Eine Einladung zum Konzert nahm der Brite allerdings nicht wahr. Weniger zierte sich Lionel Richie, die Reise nach Tripolis anzutreten, wo sein Fan Muammar al-Gaddafi sich über ein Konzert freute und sogar ein Autogramm verlangte.

Gaddafi Junior Hannibal soll ein kleines Vermögen für ein Privatkonzert von Beyoncé hingelegt haben. Und Kim Joung-chul, ein Spross des nordkoreanischen Anführers Kim Jong-il, liebt "Slowhand" Eric Clapton. Was dem Champions-League-Gitarristen eine Einladung einbrachte, als erster westlicher Rocker dort aufzutreten. Die Wartezeit bis dahin überbrückte Kim Junior im Juni 2006 in Deutschland, als er mit Freundin und Bodyguards vier Clapton-Shows beiwohnte.

Fotos von Leichenbergen in Sri Lanka

Die aus Sri Lanka stammende Britin Mathangi "maya" Arulpragasam, die sich als Künstlerin M.I.A. nennt ("Paper Planes"), gehört zu den handverlesenen Musikern, die sich darauf verstehen, Pop und Politik unpeinlich zu kombinieren. Nun zog sich die "New York Times" den Zorn der zurzeit in Brooklyn ansässigen Pop-Aktivistin zu. In dem "New York Times"-Artikel "31 Places To Go In 2010" führt Sri Lanka die Liste der angeblich angesagten Reiseziele an.

Den von der Zeitung angepriesenen "schönen Küsten" und "Meilen von zuckerweißen Stränden" des Inselstaates stellt die 34-jährige M.I.A. via Twitter Fotos mit Leichenbergen entgegen. Sri Lanka, das immer noch unter den Folgen des im vergangenen Jahr beendeten Bürgerkrieges leidet, sei kein hippes Reiseziel, tobt sie und twittert: "Fuck The ,New York Times'! Do you think you need to go here on vacation?" Das neue Album der "Agit-Pop Queenpin" ("Rolling Stone") ist übrigens für den Sommer angekündigt.

In Zeiten wilder Plattenfirmen-Turbulenzen ist es wahrscheinlich sehr lässig, so einen Laden aufzumachen: gegen den gesunden, wirtschaftlichen Menschenverstand sozusagen. Smashing-Pumpkins-Chef Billy Corgan war schon immer ein sturer Eigenbrötler, und dass der nun eine Plattenfirma aus dem Hut zaubert, passt. Ebenso irre sind seine ersten Klienten. Nahezu vergessene Rockveteranen wie The Germs, The Electric Prunes und The Strawberry Alarm Clock. Selbstverständlich hat auch Corgans Hobby-Band Starchildren dort ein Heim gefunden. Aber auch Kollege Jim James, Sänger von My Morning Jacket, wagt sich ins Labelgeschäft.

Allerdings wird sich seine Firma Removador Recordings and Solutions auf digitale Veröffentlichungen beschränken. Und - potzblitz - selbst Guy Ritchie leistet sich eine Plattenfirma! Punchbowl Recordings heißt das Unternehmen. Die ersten Künstler sind die Hausband des Guy-Ritchie-Pubs namens - Überraschung! - The Punch Bowl. Gerüchte, dass Madonna dort künftig veröffentlichen wird, sind unbestätigt!

Ein Lied für eine Handtasche

Weil sich mit Tonträgern bekanntlich kaum noch ein Vermögen machen lässt und endlose Konzertreisen auch auf die Knochen gehen, müssen neue Einnahmequellen für Musiker her. Die emsigen Schotten von Franz Ferdinand haben sich mit der französischen Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard zusammengetan, um ein Lied für eine Dior-Frauenhandtasche aufzunehmen. Das durchaus lustige (und wahrscheinlich fürstlich entlohnte) Resultat "The Eyes of Mars" kann nun Online bestaunt werden.

Jeglicher materieller Zwänge längst enthoben sind alle Beatles und ihre Großfamilien. Wenn sie nicht gerade zur Weihnachtszeit CD-Boxen oder Videospiele unters Volk bringen, macht sich garantiert gerade irgendwer anderes gewinnbringend über ihre Werke her. Derzeit plant der Hollywood-Haudegen Robert Zemeckis ("Forrest Gump", "Zurück in die Zukunft"), den Beatles Zeichentrickfilm "Yellow Submarine" als 3D-Spielfilm neu aufzulegen. Geplant ist, die Auftritte realer Schauspieler zu digitalisieren und zu animieren. Wie so was aussieht, hat Zemeckis in Hits wie "Polar Express" und zuletzt "Eine Weihnachtsgeschichte" vorgemacht. Angeblich sind mit Paul McCartney und Ringo Starr sogar zwei echte Beatles an Bord.

Daheim im verträumten Oxford wird es Thom Yorke mit Frau und Kindern auf die Dauer wohl langweilig. Seine Kumpane von Radiohead gehen die Dinge eher gemächlich an, so dass er sich anderweitig amüsieren muss. So trommelte er eine Ersatzband zusammen, mit der er seine Solo-Lieder aufführt. Zur Hand gehen ihm Prominente wie Flea von den Red Hot Chili Peppers, R.E.M.-Schlagzeuger Joey Waronker und Star-Produzent Nigel Godrich. Einen Namen hat die Band nicht, aber im vergangenen Jahr bereits einige Shows in Amerika absolviert. Nun hat Yorke eine Fortsetzung angekündigt, er will beim Coachella Festival in Kalifornien auftreten. Auch von einer neuen Platte ist die Rede. Aber mit welcher Band?

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insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.01.2010 von thatguido: Höh?

Dadurch, dass das ganze wirkt wie EIN Artikel über ein Phänomen, musste ich es gerade zwei Mal lesen, weil ich dachte, ich hätte den Zusammenhang, die Überleitung überlesen und verpasst - vom eigentlichen Thema, zu M.I.A.s [...] mehr...

22.01.2010 von aqualung: man muss das mal so sehen...

...ich weiss jetzt, dass ich zumindest etwas mit Medwejew teile und dass Mugabe definitiv ein A**** ist, weil...wer Cliff Richards hört...naja. Auf diese Nachrichten hab' ich seit Jahrzehnten gewartet...wenn das mal nichts ist [...] mehr...

22.01.2010 von monsterschaf: Kleiner Scherzkeks

Osama steht auf die B-52's? Der is nicht schlecht. Da hat es wohl damals in Tora-Bora ganz arge Rückkopplungen gegeben: B-52's im iPod UND am Himmel über ihm... mehr...

22.01.2010 von feuervogel: ...

was für ein spannendes und kontroverses thema das ist, zeigt sich ja auch schon an der lebhaften diskussion. mehr...

22.01.2010 von groovebuster: Wow...

Wie macht man aus nichts eine Nachricht...? Die letzten 2/3 haben überhaupt nichts mit der Überschrift zu tun... mehr...

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Zur Person

Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.





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