ThemaKlassische MusikRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
25.01.2010
 

Amerikanischer Meisterpianist

Earl Wild ist tot

Klaviervirtuose mit ungewöhnlichem Repertoire: Earl Wild vor Studenten im Jahre 2005Zur Großansicht
AP

Klaviervirtuose mit ungewöhnlichem Repertoire: Earl Wild vor Studenten im Jahre 2005

Er galt als genialer Gershwin-Interpret, sah sich in einer Linie mit den großen Klaviervirtuosen des 19. Jahrhunderts und wurde für seinen scharfen Witz geschätzt: Jetzt ist der amerikanische Pianist Earl Wild im Alter von 94 Jahren gestorben.

New York/Hamburg - Der amerikanische Pianist Earl Wild ist tot. Wie sein langjähriger Lebenspartner Michael Rolland Davis mitteilte, starb Wild am Samstag in seinem Haus im kalifornischen Palm Springs an Herzversagen. Er wurde 94 Jahre alt.

Earl Wild galt als einer der größten Virtuosen am Klavier und beeindruckte mit technischer Brillanz und eigenwilligen Interpretationen. Er sah sich selbst in einer musikalischen Linie, die zu den Klaviergenies des 19. Jahrhunderts zurückführte: "Er wuchs auf in einer Welt, in der virtuose Romantik mehr galt als das notengetreue Kleben an der Partitur", schrieb die "New York Times".

Ungewöhnlich war sein Repertoire: Er stritt leidenschaftlich für das Werk von Franz Liszt, als dieser bei vielen Pianisten aus der Mode gekommen war. Seine Interpretationen von George Gershwins "Rhapsody In Blue" sind legendär. Und auf dem Album "The Romantic Master", für das er 1997 einen Grammy gewann, interpretierte er neben Händel, Bach, Mozart und Tschaikowski auch Frank Churchills Musik zum Disney-Film "Schneewittchen".

Wild kam am 26. November 1915 ins Pittsburgh zur Welt. 1939 schrieb er Geschichte: Er trat als erster Pianist im US-Fernsehen auf. Sein Konzert wurde von dem Sender NBC landesweit übertragen. Noch bis ins hohe Alter spielte Wild Konzerte und gab sein Können an Studenten weiter. Dabei wurde er oft als "flamboyant" beschrieben und für seine scharfzüngigen Kommentare geschätzt. Das Magazin "The New Yorker" berichtete im Jahr 2003, wie Wild in einer Meisterklasse den damaligen Jungstar Lang Lang "die J.Lo des Piano" nannte.

In seinen letzten Lebensjahren schrieb Earl Wild an seiner Autobiografie, die noch in diesem Jahr erscheinen soll. Wahrscheinlich wird darin auch die Anekdote stehen, wie er aus musikalischen Gründen zum Atheisten geworden sei: Mit zehn Jahren habe er seine Mutter gefragt, wie es einen Gott geben können, wenn der Organist in ihrer Kirche in Pittsburgh so miserabel sei.

feb/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1 Beitrag zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.01.2010 von fucus-wakame: Bösendorfer

Gab es eigentlich einen Grund, daß er fast sein gesamtes Leben lang nur auf einem Bösendorfer Flügel gespielt hatte? mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Musik
alles zum Thema Klassische Musik

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen







TOP



TOP