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29.01.2010
 

Rock-Insider Danny Goldberg

Genial gut im Geschäft

Von Christoph Dallach

Er beriet legendäre Bands wie Led Zeppelin, Kiss und Nirvana. Und er machte aus manchem Langweiler einen Medienliebling. Nun packt Danny Goldberg aus: In seinen Memoiren "Unter Genies" beleuchtet der Musikprofi die Tricksereien hinter den Kulissen des Rock'n'Roll.


Eines schönen Tages, irgendwann Ende der sechziger Jahre, hatte der junge und ehrgeizige Musik-Journalist Danny Goldberg eine Audienz bei dem schlauen Fuchs und Großproduzenten Jerry Wexler. Mürrisch blaffte der ihn an, dass es im Musikgeschäft "keine Geheimnisse" gebe, fügte aber verschmitzt hinzu, dass er sie ihm, wenn es sie denn gäbe, sicher nicht verraten würde.

Der Teenager Goldberg ließ sich nicht abschrecken und machte später Karriere als Lenker großer Plattenfirmen und Berater und Manager legendärer Künstler wie Led Zeppelin, Kiss und Nirvana. Nun hat er als Veteran der Branche seine Memoiren verfasst, eine detaillierte Bestandsaufnahme seines Lebens im "Rock'n'Roll- Geschäft". Wobei die Betonung hier auf dem Wort Geschäft liegen muss, denn bei dem Amerikaner ging es bei aller Begeisterung für die Musik auch um die Maschinerie, die Rock'n'Roll in Umsätze verwandelt.

Das Problem solcher Bücher, sogenannter "Insider"-Berichte, ist ja immer, dass die schmutzigsten, absurdesten, aufregendsten und letztlich interessantesten Geschichten unerzählt bleiben. Vor allem, wenn man der Branche weiterhin aktiv verbunden ist, wird man kaum Indiskretionen ausplaudern. Trotzdem, und das ist der Coup hier, gelingt es Goldberg, die schattigeren Bereiche, die Tricksereien hinter den Kulissen des Rock'n'Roll-Betriebs auszuleuchten. Und das sehr unterhaltsam.

Spinnerei und Realitätsverlust

Goldberg doziert wie man schlecht beleumundete Musiker und unfassbare Langweiler mit etwas Phantasie und Glück in Medienlieblinge verzaubern kann. Er erinnert sich an Allüren, Spinnerei und Realitätsverlust großer und nicht ganz so großer Rock-Ikonen. Und analysiert die Kunst, sich mit Künstlern herumzuschlagen.

Seine Geschichte beginnt in den wilden sechziger Jahren, als sich die amerikanische Rock'n'Roll-Industrie im Aufbruch befindet. Als Journalist absolviert Goldberg einige mäßig aufregende Kritiker-Jobs, die ihm vor allem Kontakt zur New Yorker Rock-Bohème und Musikern wie Patti Smith verschaffen. Interessant wird sein Leben, als er anfängt, Künstler in Medien-Angelegenheiten zu beraten.

Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger sitzen bei vielen großen Plattenfirmen noch Männer in den Chefetagen, denen die Rockkultur nicht wirklich geheuer ist. Auch der PR-Laden, bei dem Goldberg zeitweilig arbeitet, ist auf Broadway-Musicals spezialisiert, als Led Zeppelin dort um Beistand bittet. Kein Wunder, dass Goldberg den Auftrag übernimmt.

Drogen und Groupies

Damals - unvorstellbar, aber wahr - galten die britischen Radau-Rocker aufrechten Journalisten vom "Rolling Stone" und anderen Fachblättern als "extrem uncool". Weil Goldberg sich als Taktiker entpuppte, stieg er schnell zum PR-Profi für Rock'n'Roller auf. Sehr amüsant berichtet er, wie man Hypes konstruiert, aus Nichts eine Presse-Meldung zaubert, Journalisten dirigiert und unwillige Rockstars zähmt.

Weil es immer wieder ums Geschäft geht, nennt er auch Zahlen und Prozentsätze. So erläutert er zum Beispiel, wie Led Zeppelin es durchsetzten, unglaubliche 90 Prozent des Nettogewinnes von Konzerten einzustreichen und somit die Regeln dieser Industrie für immer zu ändern.

Selbst der Umgang mit Drogen und Groupies wird verhandelt. So erfährt man Erstaunliches aus den Karrieren von Kiss, Stevie Nicks, Warren Zevon und Nirvana.

Wen also die wirtschaftlichen Zusammenhänge im Rock'n'Roll so interessieren wie die Lieder, der wird seine helle Freude haben an diesem Buch. Die wildesten Geheimnisse jedoch, die behält der PR-Profi Danny Goldberg sicher für sich.


Buch Danny Goldberg: "Unter Genies". Aus dem Amerikanischen von Kay Dohnke und Michael Kellner. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins; 368 Seiten; 19,90 Euro.

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insgesamt 11 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.01.2010 von aqualung: Klugschiss

Mal'n bißchen klugscheissern: to tease so. heisst im Englischen unter anderem jmd. reizen. Wir würden das im Deutschen wohl eher jmd. ködern nennen. Dann wäre eine passende Übersetzung to sniggle so.. Sniggler...klingt doch [...] mehr...

29.01.2010 von Born to Boogie: Mann, ich Trottel . . wie konnt' ich nur ?

Ahh, jetzt verstehe ich - hatte ich also recht mit dem Elektrodings. Aber . . . was soll'n der Satz ? " Kennen Sie wenigstens DAS? " Sind Sie hier der Oberschlaue ? Ist es ne' katastrophale Bildungslücke wenn man [...] mehr...

29.01.2010 von jot-we: teaseltown news

"Anteasern" ist in etwa mit "Stripteasern" vergleichbar. Kennen Sie wenigstens DAS? Gut, dann weiter: Stellen Sie sich den Vorgang mal eben kurz bildlich vor - jetzt nur noch schnell die (hoffentlich noch [...] mehr...

29.01.2010 von Felicitas Flötotto: Schlecht gemachte PR

Bei der PR für Feutchgebiete bin ich wenigstens schon so scharf geworden, daß ich dieses furechtbare Buch direkt im Spiegel-Shop bestellt habe, aber diese laue Geschichte hier .... Nene, das regt zu gar nix an, schon gar nicht [...] mehr...

29.01.2010 von Born to Boogie: Anteasern - Abteasern ?

Richtig. Ich habe auch immer drauf gewartet, daß da was kommt. Wahrscheinlich hat der Mann das Buch gar nicht gelesen. Aber was bitte ist " Anteasern " ? Hat das was mit diesen " Elektrowaffen " auf [...] mehr...

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