Von Christoph Dallach
Vorhang auf für "Ozzy - Die Autobiografie", die Lebensbilanz des Heavy-Metal-Faktotums Ozzy Osbourne! Einem großen Publikum ist der 61-jährige Brite vor allem bekannt als lustig vernebelter, in Beverly Hills residierender Hausherr der MTV-Reality-Serie "The Osbournes". Hartgesottenen Metalfans und Musikspezialisten dagegen gilt er als Ikone: wegen der längst zu Klassikern gewordenen Hard-Rock-Hits ("Iron Man", "Paranoid"), die Osbourne in den siebziger Jahren mit Black Sabbath ablieferte.
Seit einer Ewigkeit schon scheint Ozzy Osbourne als ferngesteuertes Drogenwrack durchs Leben zu taumeln, angetrieben von seiner geschäftstüchtigen Gattin Sharon Osbourne. Dass ausgerechnet dieser bekennende Legastheniker, dem man kaum zwei zusammenhängende Gedanken zugetraut hätte, und der aus seinen gewaltigen Gedächtnislücken kein Geheimnis macht, nun eine umfangreiche Biografie vorlegt, ist nicht unkomisch.
"Der Blödsinn mit der schwarzen Magie"
Fast gleichzeitig erscheint ein ähnliches Werk des Kollegen Gene Simmons, weltberühmt als Zungenrausstrecker und Feuerspucker der Schmink-Rocker Kiss ("I Was Made For Lovin' You"). Der mittlerweile 60-Jährige, der mit seiner Band am Samstag bei "Wetten, dass...?" auftritt, hat mit dem Buch "Sex Money Kiss" seine Sicht auf die entscheidenden Dinge des Lebens zu Papier gebracht.
Osbourne und Simmons sind die zwei letzten großen Entertainer des Rock. Bands wie AC/DC oder Metallica mögen musikalisch in der gleichen Liga spielen, zu lebenden Gesamtkunstwerken aber haben es ihre Musiker nicht gebracht. Auch im Rentenalter unterhalten Osbourne und Simmons ein generationsübergreifendes Millionenpublikum - in manchem allerdings könnten sie unterschiedlicher kaum sein.
Osbourne beginnt sein Buch mit folgendem Statement: "In den letzten vierzig Jahren war ich ständig voll, mit Fusel, Koks, LSD, Ludes, Klebstoff, Hustensaftmischungen, Heroin, Rohypnol, Klonopin, Vicodin und allen möglichen Substanzen die ich in dieser kurzen Fußnote unmöglich auflisten kann. Und bei so mancher Gelegenheit hatte ich sie alle gleichzeitig intus."
Gene Simmons hingegen verkündet: "In meinem ganzen Leben war ich noch nie richtig betrunken. Und ich war auch noch nie high, außer vielleicht von der Spritze beim Zahnarzt."
In der Kunst, ihr Privatleben in TV-Serien zu inszenieren, sind beide aber gleich gewieft. "The Osbournes" präsentiert eine Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs, wo sich schon die Kinder mit Drogenproblemen rumschlagen, "Family Jewels" zeigt den Simmons-Clan als strenge Streber. Beiden gemein ist die geniale Idee, sich selbst als grell überzeichnete Show-Charaktere zu präsentieren, in einem effektiven, wilden Mix aus Horror, Comic, Science Fiction und Las Vegas. "Wenn ich sage, dass wir den Blödsinn mit der schwarzen Magie nicht einen Augenblick ernst nahmen, ist das die reine Wahrheit. Uns gefiel einfach das Theatralische am Satanismus." bekennt Ozzy Osbourne, den seine Fans gern "Fürst der Finsternis" nennen.
"Urlaub ist was für Loser"
Was die Lebensläufe beider Rocker darüber hinaus verbindet, ist ihr Aufstieg aus dem sozialen Abseits. Zwei lange, verschlungene Reisen, die - bis auf weiteres - in Palästen in Beverly Hills endeten.
Gene Simmons wurde 1949 als Chaim Witz im israelischen Haifa geboren. Er war acht, als er mit seiner Mutter, einer Holocaust-Überlebenden, nach New York kam. Wie sehr er den für ihn wahr gewordenen "Amerikanischen Traum" noch immer verinnerlicht hat, unterstreicht sein neues Buch.
Da prahlt und posiert der Kiss-Chef so penetrant, als habe er Angst, man könne ihm alles wieder nehmen: "Ich will in meinem Leben Spaß haben und dazu gehört für mich jede Menge Geld. Geld ist der Schlüssel zu allem - zu Sex, Glück, zu Versorgung der Menschen die ich liebe." dröhnt er da. Oder: "Dass Leute zwischen zwanzig und vierzig überhaupt über Urlaub nachdenken, bevor sie zu Ruhm und Reichtum gekommen sind, ist eine tolle Idee - für Loser. Nicht jeder kann den Olymp besteigen, es muss auch Fischverkäufer geben." Ein fleißiger Rocker.
Dazu passt, dass "Sex Money Kiss" nach "Kiss and Make-up" und "Kiss: The Early Years" bereits seine dritte Lebensverwertung auf Papier ist. Ein Hit ist das Buch nur für ganz treue Fans. Zu wüst, krude und redundant hat Simmons seine Tiraden, Erinnerungen und Lebensweisheiten zusammengehauen. Dabei überrascht der Autor immer mal wieder mit bizarrem Charme und interessanten biografischen Anekdoten (seine Zeit als Comic-Händler) aber eine ordnende Hand hätte dem Manuskript gut getan. Dafür war der Egomane Simmons wohl zu geizig.
Einen Ghostwriter hat sich dagegen Ozzy Osbourne geleistet. Was das bringen kann, weiß man spätestens seit "The Dirt" dem aberwitzig lustigen Buch, das Mötley Crüe mit dem "New York Times"-Autor Neil Strauss ablieferten. Auch "Ozzy - Die Autobiografie" macht überwiegend Spaß, hat den merkwürdig grotesken Ozzy-Humor und ist spannend aufgeschrieben.
Gelungen sind vor allem die detaillierten, pointierten Erinnerungen an eine Jugend in der englischen Working Class der Nachkriegszeit, deren Perspektiven irgendwo zwischen Knast und Fabrik variierten. Beides hat Ozzy Osbourne mit Zähigkeit und Humor überstanden. Geschichten von seinen Anfängen in der Musikindustrie als - kein Witz! - Autohupentester, bis zum erlösenden Erfolg mit Black Sabbath, an all die Abstürze und Exzesse (ja, er hat einer lebendigen Fledermaus bei einem Konzert den Kopf abgebissen...) sowie die zahlreichen Wiedergeburten.
Trotzdem bleibt unklar, wie klar im Kopf das vermeintliche Wrack Ozzy Osbourne dieser Tage eigentlich ist. Was an ihm ist authentisch, was nur virtuos inszeniert? Am Ende fragt ihn sein Sohn Jack: "Dad, wenn du im Fernsehen bist, glaubst du, die Leute lachen mit dir oder über dich?" Und Ozzy erwidert: "Solange sie lachen ist mir das egal."
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musikalisch ist Metallica schon eine andere Liga. AC/DC und Co. sind selbstverständlich auch alle Musiker mit Eiern. Ich kann mir aber nicht vorstellen, das AC/DC eine Nummer wie Battery von Metallica spielen könnte. Umgedreht [...] mehr...
aha, dann sollten Sie sich mal die Mühe machen deren songs zu vergleichen, da werden sie nämlich schnell feststellen wo der Hase langläuft. Ich mein man muss ja Metallica nich mögen aber technisch sind die allen hier genannten [...] mehr...
Da wurde noch wer vergessen: Alice Cooper! Gleiche Generation, grandioser Entertainer und Gesamtkunstwerk. Ok, er hat keine Familienshow, dafür eine intergalaktische Kneipe... mehr...
...dann bitte wenigstens richtig. Lemmy spielt Bass! mehr...
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