Von Christoph Dallach
Als musizierender Sohn von Paul Simon gehört es zum Berufsrisiko, im gewaltigen Schatten des Vaters zu stehen. Das zeigen die Kunden-Rezensionen von Harper Simons in den USA bereits veröffentlichtem Debütalbum, das im Mai in Deutschland erscheint: "Ich werde nicht lügen, ich habe das hier gekauft, weil ich Paul-Simon-Fan bin", beichtet ein Konsument bei Amazon.com - er steht mit seiner Meinung nicht allein: Auch in anderen Besprechungen taucht regelmäßig der Name Paul Simon auf. Die Überraschung: Dem Sohn ist tatsächlich ein sehr schönes Album geglückt - voll mit Liedern, die klingen, als hätten Paul Simon und Art Garfunkel sich am Computer einen Nachfolger programmiert.
In zehn Songs singt Harper sehr behutsam wehmütige Geschichten, die mal nach Country, mal nach Folk und immer nach Tagträumerei klingen: keine Sensation, aber ein entspanntes Vergnügen für Menschen, die auch Kings of Convenience und selbstverständlich Simon & Garfunkel ins Herz geschlossen haben.
Auftritt in der "Sesamstraße"
Harper ist 38, also einigermaßen betagt für einen Berufsanfänger. Er hat sich Zeit gelassen, in Boston Musik studiert und einige Jahre in London Zeit totgeschlagen. Im Showgeschäft allerdings ist er von klein auf unterwegs: Er war vier, als er mit seinem Vater in der "Sesamstraße" auftrat; mit zwölf begleitete er Paul Simon als Gitarrist auf dessen "Graceland"-Konzertreise.
Dass seine erste eigene Platte jetzt so souverän klingt, liegt auch daran, dass ihm eine erlesene Riege von Studio-Musikern zur Verfügung stand, die normalsterbliche Debütanten nur vom Kleingedruckten auf Plattenhüllen kennen: alte Meister, die schon Elvis, Aretha Franklin und Bob Dylan zur Hand gingen und - Überraschung - Paul Simon höchstpersönlich. Dazu kommt eine Schar von Promi-Musiker-Sprösslingen: Inara George, Tochter von Little Feats Lowell George, Petra Haden, Tochter des Jazz-Meisters Charlie Haden, sowie Sean Lennon, dessen Vater auch in irgendeiner Band spielte.
Was all diese Pop-Erben vereint: Sie stehen stets unter dem Verdacht, nur Dank familiärer Beziehungen Erfolg zu haben. Zu Unrecht, wie so viele interessante Platten belegen. Das Debüt von Harper Simon zählt dazu.
CD Harper Simon: "Harper Simon" (Tulsi Records/Pias; erscheint in Deutschland im Mai; zurzeit zum Beispiel schon bestellbar über amazon.com).
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Der hat ja überhaupt keine Stimme, der Junge. Wäre sein Vater nicht so berühmt, würde der Sohnemann mit seinen 0815-Songs und seiner unterdurchschnittlichen Gesangsstimme wie viele andere ewig durch kleine Bars und Kneipen [...] mehr...
Also, ich war glühender Paul Simon Fan. Ich habe Graceland live gesehen. Ich liebe "The Concert in Central Park". "One Trick Pony" und "50 Ways To leave Your Lover" sind für mich zwei der Besten [...] mehr...
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