Crookers - "Tons Of Friends"
(Ministry Of Sound/Warner, 12. März)
Neben Bastian Schweinsteiger und Danny Boyles Rührstück "Slumdog Millionaire" wird auch die Tatsache, mit möglichst vielen Freunden gesegnet zu sein, stark überschätzt. Viele Freunde, vor allem die falschen, ziehen viele Termine nach sich: Man muss sich an studentischen Sit-Ins beteiligen, dubiose Reisspeisen essen und sich zu angeblich oscarverdächtigen Leistungen von auf Deutsch synchronisierten (!) Schauspielern äußern. Was aber, wenn man tonnenweise Freunde hat, zu denen auch Roisin Murphy zählt? Dann ist das etwas anderes! Das italienische DJ-Duo Crookers (Bot und Phra) hat die "That's what friends are for"-Bekanntschaft ausreichend abgesucht und für 20 Tracks nicht nur Yelle, sondern auch Kelis, Miike Snow, Major Lazer, Spank Rock und Charlatan Tim Burgess eingeladen, der am Ende von "Tons Of Friends" mit einem kaputten Blues glänzen kann. Carries Dubstep-Nummer "Have Mercy" ist eine laszive Phantasie, Soulwax & Mixhell schließen mit "We Love Animals" perfekt an die letzte Simian Mobile Disco an und Roisin Murphy lässt sich auf dem störrischen "Hold Up Your Hand" die Stimmbänder zerreißen. Wer solche Freunde hat, braucht dringend noch mehr davon.
(7) Jan Wigger
Amy Macdonald - "A Curious Thing"
(Mercury/Universal, 12. März)
Auf dem Cover ihres Debüt-Albums "This Is The Life" senkte die damals 19-jährige Schottin Amy Macdonald ihren Blick noch ganz schüchtern über die Gitarre, an der sie sich offensichtlich festhielt. War ja auch alles aufregend. Es folgten Millionen verkaufte Platten, Preise, ausverkaufte Tournee und eine väterliche Freundschaft von Paul Weller. Und jetzt ein neues Album. Das Cover sieht fast genauso aus wie das vorherige, was sicherlich verkaufsfördernd wirken wird. Auffällig sind jedoch zwei Dinge: Amy hat keine Gitarre mehr im Arm - und sie guckt ganz keck direkt in die Kamera. Man ist also selbstbewusster und mutiger geworden in der Mühle des Berühmtwerdens. Das ist gut. Aber warum klingen die neuen Songs dann bloß so mutlos, glattpoliert und auf erschreckende Weise harmlos? Verstehen wir uns nicht falsch: Amy Macdonald ist eine sehr talentierte Songwriterin mit einer tollen, markanten Stimme, und "A Curious Thing" ist voll von radiotauglichen Hits wie "Love Love" oder "Don't Tell Me That It's Over" - Breitwand-Pop mit schottischem Charme eben, davon profitierten ja bereits frühe Hits wie "Poison Prince". Man fragt sich nur, warum einem das alles so egal ist. Am besten man spult gleich vor bis zum Hidden Track: Der ist mutig. Und eine angenehme Überraschung.
(5) Andreas Borcholte
Frightened Rabbit - "The Winter Of Mixed Drinks"
(Fat Cat Records/Rough Trade, 12. März)
Warum "The Winter Of Mixed Drinks" erst einige Wochen in der Wohnung herumlag, bevor man sich abschließend damit beschäftigen konnte? Schwer zu sagen: Vielleicht lief gerade zum sechsten oder siebten Mal Sacha Gervasis meisterliche Dokumentation "Anvil! The Story Of Anvil", vielleicht hatte Pep Guardiolas FC Barcelona gerade wieder ein Ligaspiel oder die eigene Wahrnehmung einen Riss. Jetzt aber ist sicher: Frightened Rabbit hätten früher erhört werden müssen. Der grandiose Einstieg "Things" ist das "How Soon Is Now?" dieser schottischen Melancholiker, deren stolze Intensität und turmhohe Gitarren-Bauten außerdem U2 in der "October"-Phase streifen. "It's not all fun and games, but hopefully it'll be just less personal and brutal than the last record", spielt Sänger Scott Huttchison auf die LP "The Midnight Organ Fight" an, die einen bedrückend und eher regnerisch zu Boden riss. Hört man nun "Living In Colour" (diese Leichtigkeit!) und das aufgehellte "Not Miserable", das mit Violinen und Bombast verführt, darf man sagen: Frightened Rabbit errichten Klagemauern, um sie wieder niederzureißen. One last laugh in a place of dying.
(7) Jan Wigger
Dag för Dag - "Boo"
(Haldern Pop/Cargo, bereits erschienen)
Auf Telefonstimme geschaltet, versteht jeder erstmal Dark Fur Dark. Was kein so schlechter Name für diese Band aus zwei Waldgeistern und einem verwunschenen Prinzen gewesen wäre. Doch durch die meisten "Boo"-Tracks scheint noch etwas zu viel Licht. Die Geschwister Sarah Parthemore und Jacob Donald Snavely, die den Kern von Dag för Dag bilden, stammen aus dem unwahrscheinlichen Ort Missoula, Montana, gelangten aber über Irrwege nach Stockholm, was direkt zum deutschen Label Haldern Pop führt, das seit jeher allem Skandinavischen zugetan ist. Mit White-Noise-Gitarren, schlierigem Feedback-Dröhnen und halbgedämpften Waschmaschinen-Sounds ist den beiden wahrlich keine Sensation gelungen, doch der Glanz von Velvet Underground, von My Bloody Valentine und Chapterhouse ist noch zu jung und gegenwärtig, um kalt zu lassen. Auch die Raveonettes, deren "Attack Of The Ghost Riders" in deutlich abgeschwächter Form bei "Hands And Knees" nachhallt, dürften das Trio während regennasser Nächte beeindruckt haben. Gerade in schwachen Momenten mehr als delektabel.
(6) Jan Wigger
News verfolgen
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten: