Oslo - Die Sensation für Deutschland ist perfekt: Lena Meyer-Landrut hat am Samstagabend den 55. Eurovision Song Contest in Oslo gewonnen. Mit ihrem Titel "Satellite" sammelte sie insgesamt 246 Punkte. Die aus Hannover stammende Abiturientin war erst vor wenigen Monaten in einer von TV-Moderator Stefan Raab organisierten Casting-Show entdeckt worden.
Für Deutschland ist es in der Geschichte des Wettbewerbs erst der zweite Sieg nach Nicoles "Ein bisschen Frieden" im Jahr 1982. Insgesamt waren 25 Kandidaten angetreten.
Schon Minuten bevor alle Punkte vergeben waren, lag der deutsche Popstar uneinholbar in Führung. Die 19-Jährige galt zwar im Vorfeld als Favoritin, auch bei Wettbüros, die mit ihren Vorhersagen in den vergangenen Jahren oft richtig lagen. Ihr großer Vorsprung kommt dennoch überraschend: Die zweitplatzierte Türkei holte 170 Punkte, Dritter wurde Rumänien mit 162 Punkten. Lena bekam Punkte aus fast allen Ländern, darunter die Höchstzahl von je 12 Punkten aus Estland, Dänemark, Spanien, der Slowakei, Lettland, Finnland, Norwegen, Schweden und der Schweiz.
"Oh mein Gott, ich dreh durch!"
Lena Meyer-Landrut konnte ihren Sieg kaum fassen. "Oh mein Gott, ich dreh durch!", rief sie völlig überwältigt. "Ich bin so glücklich. Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffen kann", sagte sie auf der Osloer Eurovisions-Bühne auf Englisch, als sie ihre Gewinnerstatue vom Vorjahressieger Alexander Rybak samt Küsschen überreicht bekam. Dann fragte sie etwas erschrocken: "Muss ich nochmal singen?", bevor sie mit Deutschlandfahne in der Hand loslegte. "Oh my God, this is so crazy", rief sie spontan mitten im Lied - wie schon bei ihrem Sieg in der Castingshow "Unser Star für Oslo" im März, mit der TV-Entertainer Stefan Raab den Grand Prix aus der Versenkung hervorholte.
Zu einem Zwischenfall kam es im Finale bei dem auf Startnummer zwei angetretenen spanischen Beitrag des Sängers Daniel Diges: Mitten in der Nummer erklomm ein Zuschauer überraschend die Bühne und mischte sich unter die Begleitgruppe. Das Lied durfte daher nach Ende aller anderen Beiträge noch einmal wiederholt werden.
Triumphaler Lena-Empfang geplant
Wenn Siegerin Lena am Sonntag aus Oslo zurückkehrt, erwartet sie in ihrer Heimatstadt Hannover eine große Feier. Ab etwa 16.30 Uhr wird die 19-Jährige auf dem dortigen Tramplatz erwartet, wo bereits rund 20.000 Fans beim Public Viewing ihren Auftritt verfolgten. Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) kündigte an, Lena werde sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen und noch einmal ihren Siegertitel "Satellite" singen.
Auch von ganz oben kamen bereits Glückwünsche: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte Samstagnacht: "Lena hat das traumhaft gemacht." Ihr Erfolg sei ein großer Tag für Deutschland und für das Bundesland. Und da nun Deutschland den nächsten Eurovision Song Contest ausrichtet, macht sich Wulff bereits Hoffnungen, ihn nach Hannover holen zu können.
Rund 125 Millionen Menschen weltweit verfolgten am Samstag den 55. Eurovision Song Contest, bei dem einschließlich der beiden Halbfinale insgesamt 39 Staaten teilnahmen. Es ist der größte Show-Wettbewerb dieser Art. Die Punkte wurden von jedem Land je zur Hälfte nach dem Televotum der Zuschauer und den Stimmen einer Jury vergeben, die in Deutschland von Hape Kerkeling geleitet wurde. Er übermittelte das Votum von der Hamburger Reeperbahn aus, wo mehr als 37.000 Fans den Eurovision Song Contest verfolgten.
| Die Ergebnisse des Eurovision Song Contests 2010 | ||||
| Rang | Land | Interpret | Titel | Punkte |
| 01. | Deutschland | Lena Meyer-Landrut | Satellite | 246 |
| 02. | Türkei | maNga | We Could Be The Same | 170 |
| 03. | Rumänien | Paula Seling & Ovi | Playing With Fire | 162 |
| 04. | Dänemark | Chanée & N'evergreen | In A Moment Like This | 149 |
| 05. | Aserbaidschan | Safura | Drip Drop | 145 |
| 06. | Belgien | Tom Dice | Me And My Guitar | 143 |
| 07. | Armenien | Eva Rivas | Apricot Stone | 141 |
| 08. | Griechenland | Giorgos Alkaios & Friends | OPA | 140 |
| 09. | Georgien | Sofia Nizharadze | Shine | 136 |
| 10. | Ukraine | Alyosha | Sweet People | 108 |
| 11. | Russland | Peter Nalitch & Friends | Lost And Forgotten | 98 |
| 12. | Frankreich | Jessy Matador | Allez Olla Olé | 98 |
| 13. | Serbien | Milan Stankovic | Ovo Je Balkan | 82 |
| 14. | Israel | Harel Skaat | Milim | 71 |
| 15. | Spanien | Daniel Diges | Algo Pequeñito (Something Tiny) | 68 |
| 16. | Albanien | Juliana Pasha | It's All About You | 62 |
| 17. | Bosnien-Herzegowina | Vukašin Brajic | Thunder And Lightning | 51 |
| 18. | Portugal | Filipa Azevedo | Há Dias Assim | 43 |
| 19. | Island | Hera Björk | Je Ne Sais Quoi | 41 |
| 20. | Norwegen | Didrik Solli-Tangen | My Heart Is Yours | 35 |
| 21. | Zypern | Jon Lilygreen & The Islanders | Life Looks Better In Spring | 27 |
| 22. | Moldawien | Sunstroke Project & Olia Tira | Run Away | 27 |
| 23. | Irland | Niamh Kavanagh | It's For You | 25 |
| 24. | Weissrussland | 3+2 | Butterflies | 18 |
| 25. | Großbritannien | Josh | That Sounds Good To Me | 10 |
can/dpa/ddp/AFP/apn
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