Von Christoph Dallach
Uffie ist 22 Jahre alt, klein, blass, blond, am Hals tätowiert und wird seit ungefähr vier Jahren im Internet als Pop-Sensation gehandelt. In Montmartre, dem Touristenviertel der französischen Hauptstadt, hat Uffie sich an diesem Vormittag stundenlang fotografieren lassen. Eine Pause danach lehnt sie ab. Keine Zeit. Alles muss jetzt schnell gehen. Mehr als 17 Millionen Mal wurden ihre Songs bei MySpace angeklickt, was sie zur Electro-Queen des World Wide Web macht - nun soll die reale Welt folgen. Wenn nun Uffies seit langer Zeit in Aussicht gestelltes Debütalbum "Sex Dreams And Denim Jeans" erscheint, wird sich zeigen, ob dem Online-Getöse das Chart-Gebrause folgt.
Es hilft schon mal, dass das Album Uffies Ruf tatsächlich gerecht wird: eine herrliche Platte randvoll mit knallenden Electro-Hits. Sommermusik mit Bass und Schmiss für Clubs, Cabrios, Großstadtstrände. Programmiert wurde Uffies Debüt von weltweit gefragten hippen Electro-Produzenten aus Paris wie Mr. Oizo, SebastiAn, Feadz und vor allem dem Könner Mirwais, der bereits Madonna ("Music") auf Trab brachte. Hinzu kommen Gäste wie HipHop-Champion Pharrell Williams und Matt Safer, der mal bei The Rapture mitgemacht hat.
Nach der digital befeuerten Rasanz ihrer Karriere ist Uffie nun damit beschäftigt, selbst Werbung zu machen, damit ihr Album auch wirklich ein Renner wird. Zum Beispiel mit leicht ironisch gebrochener Bescheidenheit: "Ich bin hier wirklich total ungeplant reingeraten", sagt Uffie vergnügt. "Vom Musikmachen habe ich absolut keinen Schimmer!" Entsprechend verkündet sie in einem Song ihres Albums: "I never claimed to be an artist. I can't even sing" ("Our Song")!
Turbulente Jetset-Jugend in Paris
Uffie heißt eigentlich Anna-Catherine Hartley, wurde in den USA geboren, hat lange in Hongkong gelebt, wo ihr Vater eine Jeansproduktion betrieb, und ist nach einer turbulenten Jetset-Jugend als Teenager in Paris hängengeblieben. Sie besuchte die Internationale Schule und studierte Mode. Als sie mal eine Party organisierte, engagierte sie einen hippen Pariser DJ namens Feadz und verliebte sich in ihn. Der beschwatzte Uffie, zu einer von ihm programmierten Melodie zu singen, zu brabbeln, zu rappen - egal - irgendeinen Text könne sie gern mitbringen. Heraus kam "Pop the Glock", was gaga klingt und in den Südstaaten der USA ein Slangausdruck für kollektives Durchdrehen ist, erläutert Uffie: "Tanzen, trinken, ausflippen - eben einfach nur Spaß haben".
"Pop the Glock" entwickelte sich in Lichtgeschwindigkeit zum globalen Underground-Hit. Was wohl der minimalistischen, aber eingängigen Melodie zu verdanken war sowie dem charmant ungelenken Gesang, aber auch Uffies anspielungsreichem Text. Laszives wie "Boys call me when they feel freaky hot" schnurrt sie da und dass alles letztendlich auf Sex hinauslaufe. Was wie eine schlüpfrige Altmänner-Phantasie klingt, ist aber vielmehr Ausdruck einer selbstbewussten hedonistischen jungen Frau, die wild die Puppen tanzen lässt. "Meiner Mutter sind die Texte peinlich, sie meint, ich solle mich mäßigen. Sie ist einfach zu alt für solche Späße", sagt Uffie, für die alle über 35 "richtig alt" sind.
Mit "Pop the Glock" sei sie dann dreimal um die Welt gereist, sagt sie amüsiert. "Ich gab Konzerte von Madrid bis Tokio, verlor das Gefühl für Zeit und ließ mich einfach mitreißen", erinnert sie sich. Die "Konzerte" waren meist halbstündige Spektakel, bei denen Uffie in Ermangelung von Material überwiegend wild drauflosimprovisierte.
Auf anderen Social Networks posten:
Uffie versucht alles um ihren Bonus einzulösen, den sie vor Jahren mal erhalten hat. Doch ihre Songs klingen aktuell dann wohl sehr altbacken und albern. Andere Prollgirls haben sie überholt. Schade. Leider nervt diese [...] mehr...
.....weia, das ist so arm, was hier von den Herren Dallach & Co. Woche für Woche in den Himmel gelobt wird! Uffie und Robyn sind zwei exzellente Beispiele dafür, wie der Markt funktioniert. Hübsch, nicht doof, aber [...] mehr...
Sehr geehrte Diskussionsteilnehmer, bevor sie Uffie in einen Topf mit Plastikbarbies wie Kesha & Co. werfen sollten sie beachten dass es Uffie bereits etwas laenger gibt und man daher annehmen kann dass Uffie Kesha als [...] mehr...
Es passt doch wunderbar in die Zeit. Lena, Vuvuzelas und Hegemann. Dünn produziert, passt mehr zu BRAVO als zu Spiegel Online. Kannte nichts wirklich von ihr und habe bei laut.de gerade mal reingehört und musste nach der dritten [...] mehr...
Umpf. Da gibt es also zwei talentfreie Sängerinnen, die gesangstechnische Mängel durch Synthi-Tremolos kaschieren und die hauptsächlich aufgrund ihrer "sexy slut" stage persona auffallen. Und die Fans der beiden streiten [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Musik | RSS |
| alles zum Thema Musik | RSS |
© KulturSPIEGEL 6/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH