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13.07.2010
 

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Die wichtigsten CDs der Woche

So viel stilauflösende Wucht wie auf Janelle Monáes futuristischem Debüt-Album "The ArchAndroid" war lange nicht, staunt Andreas Borcholte und fühlt sich ein bisschen erschlagen. Jan Wigger ärgert sich über Kylie Minogue und hält eine kleine Geschichtslektion über Graham Nash.

Janelle Monáe - "The ArchAndroid"
(Bad Boy/Atlantic/Warner, 23. Juli)

Von Zeit zu Zeit gibt es sie ja, diese schwer fassbaren Pop-Singularitäten, die den Zuhörer erstmal an die Wand drücken mit ihrer überbordenden Kreativenergie. Janelle Monáe, eine Sängerin, Tänzerin und Songschreiberin aus dem Umfeld des HipHop-Duos OutKast aus Atlanta, ist so eine Person, die sich gar nicht bremsen kann, so viel Talent, so viele Songs und Sounds schwirren in ihr herum - und drängen darauf, hinausgelassen zu werden. Kein Wunder also, dass "TheArchAndroid", Monáes Debüt-Album nach der thematisch verwandten EP "Metropolis: The Chase Suite", mit knapp 69 Minuten Spielzeit fast die ganze Kapazität einer Musik-CD ausschöpft. Monáe inszeniert sich darauf als Kunstfigur Cindi Mayweather, einer Super-Androidin, die dazu auserwählt ist, das Robotervolk einer hochtechnisierten Zukunftswelt zu befreien - "The Matrix" trifft "Metropolis" in einem Konzeptalbum, das in seiner formalen Strenge so altmodisch wirkt, dass es schon fast wieder modern ist. Musikalisch zeigt die 24-Jährige eine Bandbreite, die jegliche Genre-Grenzen sprengt - vom James-Brown-Groove in "Tightrope" (mit Big Boi) über den Alternative-Rock von "Make The Bus" (mit Of Montreal) über Jimi-Hendrix-Zitate ("Mushrooms & Roses") bis hin zu britischen Folk- und Prog-Rock-Klängen, Vaudeville-Sounds und Retro-Soul. R&B ist das schon lange nicht mehr, auch wenn Monáe es allein stimmlich mit Konkurrentinnen wie Beyoncé aufnehmen könnte. Aber angesichts der schieren Fülle an verarbeiteten Einflüssen, erzählerischen Kniffen und (in den zugehörigen Videoclips) visuellen Ideen wirken solche Vergleiche schon fast marginal. Statt mit klassischen Herzschmerz-Schmachterinnen und Pseudo-Badgirls, muss man dieses androgyne Allroundtalent schon jetzt eher in die Nähe von Pop-Giganten wie Prince oder Michael Jackson rücken: Sex und Sinnlichkeit entstehen bei ihr nicht aus billig plakatierter Körperlichkeit, sondern aus clever annoncierter Kreativität. Das letzte Album, das so eine zukunftsweisende, stilauflösende Macht entfaltete, war OutKasts Doppelschlag "Speakerboxx - The Love Below" - nicht umsonst die Zelle, die nun auch Janelle Monáe hervorgebracht hat. Das einzige, was man gegen dieses burlesk bunte, faszinierend utopische Glanzstück eines Debüts sagen könnte, wäre, dass es einen mit seiner Wucht fast erschlägt. The future's so bright, we gotta wear shades. (9) Andreas Borcholte

Various Artists - "Be Yourself: A Tribute To Graham Nash's Songs For Beginners"
(Grassroots Records/ Cooperative Music, 16, Juli)

Problem Eins: "Songs For Beginners" war nicht nur das erste, sondern auch das größte Solo-Album von Graham Nash. Problem zwei: Die Beschäftigung mit Coverversionen gehört trotz Ausnahmen wie "Hallelujah", "Ruby Tuesday" und "All Along The Watchtower" zu den reizlosesten, fadesten und analfixiertesten Dingen, zu denen man als sogenannter Musikjournalist gezwungen werden kann. Mit Grauen erinnern wir uns an "Tower Of Song - The Songs Of Leonard Cohen", an das Sakrileg "The Smiths Is Dead", aber auch an Blind Guardian, die uns erst vor wenigen Wochen mit John Farnhams "You're The Voice" eine der desaströsesten Neueinspielungen in der Geschichte der populären Musik bescherten. Für die Indie-Schnösel, die "Be Yourself: A Tribute To Graham Nash's Songs For Beginners" vor allem deshalb kaufen, weil Bonnie "Prince" Billy, Port O' Brien, Greg Weeks von Espers, Vetiver und Fleet-Foxes-Sänger Robin Pecknold drauf sind: Graham Nash ist der eine Opa von Crosby, Stills, Nash & Young, bekannt durch Neil Young und die Plattensammlung auf dem Dachboden eurer Eltern. Für alle anderen: Pecknold erweist sich für "Be Yourself" den Erwartungen gemäß als Bestbesetzung, Brendan Benson spielt in "Better Days" wieder Paul McCartney und Bonnie "Prince" Billy zertrümmert das gottgleiche "Simple Man" in einer spanischen Version, die von allen Songs auf "Be Yourself" sicher wieder am nachdrücklichsten gelobt werden wird - gewagt, respektlos, Dekonstruktion und so. Sleepy Sun verheben sich an "Chicago", die Moore Brothers fügen "Man In The Mirror" zwar nichts Wesentliches hinzu, doch das Sentiment dieser besonders gefühlstiefen Nash-Komposition ist bei ihnen in besten Händen. Hätte Joni Mitchell Graham Nashs Herz nicht in Stücke gerissen, wäre "Songs For Beginners" nie entstanden. Ein kühner Schachzug der unsichtbaren Frau. (6) Jan Wigger

I Am Kloot - "Sky At Night"
(Shepherd Moon/PIAS Recordings, 16. Juli)

Die vielleicht wichtigsten Einflüsse der britischen Musikgruppe I Am Kloot: Beatles, Bücher, Cohen, Film, Soft Boys, Duca di Salaparuta und Bildende Kunst im Allgemeinen. Die vielleicht wichtigsten Einflüsse der britischen Musikgruppe Kaiser Chiefs: Bier, Bier und Bier. Man begeht also auch weiterhin keinen Fehler, wenn man John Bramwell, Andrew Hargreaves und Peter Jobson in die Nähe von Connaisseuren und Genussmenschen rückt und bedauert, dass I Am Kloot trotz fabelhafter Platten wie "Natural History" oder "Play Moolah Rouge" ihr Dasein als Pop-Eklektiker zeitlebens eher in der zweiten Reihe fristen mussten. Auch "Sky At Night" klingt wieder eher nach Antwerpen als nach Manchester, die Band eröffnet mit dem warmen "Northern Skies" und setzt die Streicher in "To The Brink" so ein, dass es am schönsten schmerzt: "And I would like to leave with you/ But this stuff strips the light from your bones." I Am Kloot werden niemals sentimental, Songs wie "Proof" wirken wie hingeworfen, doch man möchte gar nicht wissen, wie langsam oder schnell diese Nachtgebete unter mondhellem Himmel entstanden sind. Nicht verpassen: Die Trompete im regennassen Kneipenlied "Same Shoes". (8) Jan Wigger

Kylie Minogue - "Aphrodite"
(Parlophone/EMI, bereits erschienen)

Wenn ich mich recht entsinne, gab mir einst ein Chefredakteur die Jimmy-Webb-LP "Angel Heart" für einen giftgrünen, ausklappbaren Kylie-Minogue-Erotik-Kalender mit CD-Beilage. Was für ein großartiger Tausch! Denn seien wir ehrlich: Kylie Minogue wird nie mehr an "Confide In Me" herankommen, Gwen Stefani nicht an "Hollaback Girl" und Britney nicht an "Toxic". Doch wer die Zeit hat und den Produzenten Stuart Price (Zoot Woman) in Ehren hält, den sollte "Aphrodite" nicht verschrecken. Das von einem bemerkenswert nackten Videoclip begleitete, bonbonfarbene "All The Lovers" ist Kylie-Standard-Ware auf hohem Niveau, "Put Your Hands Up (If You Feel Love)" angestrengt sportiver Spinning-Class-Wegwerf-Pop mit bedenklich blöder Botschaft, und "Everything Is Beautiful" ist selbst für heutige Verhältnisse erschreckend formelhaft. Mit den womöglich schwächsten Songs ihrer gesamten Karriere vermählt Kylie Minogue auf "Aphrodite" filigran falsch verstandene Hippie-Ideale, Pärchenlügen und Powerfrau-Fiaskos mit todbringendem Maxi-Biewer-Frohsinn und Aerobic-Wahn. Der dümmliche Abschluss "Can't Beat The Feeling" steht dabei stolz an der Spitze der Peinlichkeits-Parade: "There doesn't have to be a reason/ There doesn't have to be a why/ Any moment could be magical/ It could be this night/ You've got an energy/ Burning like I've never seen/ And I can't beat the feeling that I get when I'm with you." Tausche "Aphrodite" plus Zlatan Ibrahimovic gegen die Element-Of-Crime-EP "Irgendwo im Nirgendwo". (3) Jan Wigger

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Danke, geil. Unplugged in Poznan. (http://www.youtube.com/watch?v=mgH2ORoL0H4) mehr...

06.02.2012 von kuechenchef:

Ja nu, zwischen sechs Monate Wartezeit nach VÖ auf CD wie bisher und Bestellungen beim Label in den USA für Platten in lustigen Vinylfarbkombinationen ist dann doch noch irgendwie ein Unterschied. Aber schee sans scho... [...] mehr...

04.02.2012 von oasis:

Aha, ganz was Neues. ;D mehr...

04.02.2012 von Ion:

Gentle Giant Cogs in Cogs 1974 Brussels - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=jJYe9EFFeec&feature=related) mehr...

03.02.2012 von Jetty_Hitsch: Bap

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