Von Uh-Young Kim
Sie wollten einfach nur Spaß haben. Friedlich feiern, zu lauter Musik tanzen, ein paar Drogen nehmen. Es sollte ein Fest der Liebe werden. Plötzlich kippte die Stimmung. Erst wurde gedrängelt, dann geschubst. Der Sicherheitsdienst versagte. Panik brach aus, gerade als die Rolling Stones auf der Bühne spielten. Im Gerangel starb der 18-jährige Meredith Hunter. Sein Tod besiegelte das Ende der Hippie-Ära.
Auch bei der Love Parade vom 24. Juli 2010 in Duisburg führte offenbar ein explosives Gemenge aus logistischen Problemen, einer überforderten Organisation und aufgeputschten Besuchern zur Katastrophe. Mit dem Mord an Meredith Hunter wurden die Ideale der 68er zu Grabe getragen. Am Samstag ist der Traum der Rave-Bewegung von Glück und Liebe zu Tode getrampelt worden.
Das Altamont Free Concert sollte das Woodstock von Kalifornien werden. Ein Jahr zuvor hatten Hunderttausende auf einem Acker Rebellion und Hedonismus zu den Klängen psychedelischer Rockmusik vermählt. Die Hippie-Bewegung hatte 1968 bereits ihren Höhepunkt überschritten. Die Ära der Mega-Festivals stand dagegen erst am Anfang. 20 Jahre später wurde aus ihrem gegenkulturellen Geist auch die Love Parade geboren.
1989 lautete das Motto "Friede, Freude, Eierkuchen"
Die Hells Angels wurden damals engagiert, um die notdürftig aufgebaute Bühne in Altamont abzusichern. Es kam zu Schlägereien mit dem Publikum bei Versuchen, die Bühne zu stürmen. Als der Konzertgast Meredith Hunter eine Schusswaffe zog, wurde er von einem Mitglied der Hells Angels erstochen. Mit dem Festivaltoten starb auch die Utopie von Frieden und freier Liebe, der sich die Hippies verschrieben hatten.
Der genaue Verlauf der Massenpanik in Duisburg ist noch nicht geklärt. Die Toten und Verletzten der Love Parade markieren aber schon jetzt das Ende der Love Generation. Deren mythische Urszene spielte sich am 1. Juli 1989 in Berlin ab. Ein paar Freaks liefen einem VW-Bus mit Soundsystem hinterher. Technobeats beschallten den Kurfürstendamm. Alte Videoaufnahmen dokumentieren die Geburtstunde der Love Parade. Sie stehen heute ähnlich grobkörnig verwackelten YouTube-Clips aus dem Tunnel von Duisburg gegenüber - wie Himmel und Hölle.
"Friede, Freude, Eierkuchen" lautete 1989 das Motto des noch als politische Demonstration angemeldeten Umzugs. Gründer Dr. Motte distanzierte sich damit von den Hippies und ihrem Verrat an den eigenen Idealen. Aber auch die Love Parade geriet schnell in den typischen Zyklus der Vereinnahmung einer Subkultur durch den Mainstream.
Vorm DJ sind alle gleich
Aus den 150 Teilnehmern der ersten Love Parade wurden zehn Jahre später 1,5 Millionen Konsumenten an der Siegessäule - und "die größte Tanzveranstaltung der Welt" somit zum nationalen Symbol der Wiedervereinigung mit Techno als erster gesamtdeutscher Jugendbewegung.
Wenn das Versprechen nach Gleichheit schon nicht gesellschaftlich eingelöst werden konnte, so sollte man sich der Illusion doch wenigstens an einem heißen Sommertag mit entsprechend weichgekochter Birne hingeben dürfen. Vorm DJ sind alle gleich. Und für die Sponsoren sowieso.
Die Love Parade ist nicht erst seit dem Umzug ins Ruhrgebiet vor drei Jahren von einer Feier der Unabhängigkeit zum kommerziellen Volksfest in Ballermann-Ambiente mutiert. Der vielbeschworene "Spirit" hat sich schon lange verabschiedet. Doch entkoppelt vom Ursprungsort, von der Geschichte und Kultur der Love Parade, ist bloß der Glaube an das grenzenlose Wachstum des Events geblieben - abgesegnet und erwünscht von Politik und Wirtschaft.
Es war einfach zu viel von allem. Der gesellschaftsübergreifende Erfolg der Love Parade basierte bislang auf einer Marke, die für ewige Jugend und Glück steht. Seit Samstag ist sie ein Symbol des Unglücks. Da war es nur konsequent, dass der bisherige Veranstalter Rainer Schaller das Aus für das Event in seiner jetzigen Form erklärte.
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Herr Schaller hat sich vielleicht den Markennamen zueigen gemacht, nicht aber den Geist der Loveparade. Die Loveparade ist immer schon eine Demonstration für Frieden, Toleranz und kosmospolitisches Denken gewesen. In [...] mehr...
Sie wollen doch nicht ernsthaft eine solche hausgemachte Tragödie mit dem Attentat 1972 in München vergleichen? Auch wenn in München (und dann besonders Fürstenfeldbruck) einiges schiefgegangen ist, liegen doch ganz andere [...] mehr...
Ich weiß nicht welcher aufstrebende Stern des Journalistenhimmels diesen Beitrag geschrieben hat , aber nicht jeder ist dort hingefahren um unter dem Einfluss von Drogen zu feiern . Im Angesicht der Dinge , würde ich als [...] mehr...
könnte es sein dass ihre argumente albern sind? wenn sie gegen das zudröhnen sind dann schaffen sie bitte das oktoberfest gleich mit ab! (die grösste besäufnissveranstaltung der welt) nach einem bombenanschlag in den 80er [...] mehr...
Die Hermann macht hier wieder mal auf Superchristin und kommt mit dem alten Testament...Wenn es nach dem AT ginge waere sie mit ihren ständig wechselnden Ehemaennern und Lebensgefährten schon die Oberbürgermeisterkandidatin von [...] mehr...
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