SPIEGEL ONLINE: Mr. Rew, sind Sie auch in dieser Woche wieder umsonst in Ihrem Lieblingsladen, dem Hopbine-Pub in Cambridge, aufgetreten?
Kimberley Rew: Selbstverständlich, jeden Mittwoch ist Pub-Show-Nacht in Cambridge.
SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie "Walking On Sunshine" im Programm?
Rew: Nein, das spiele ich wirklich sehr selten. Ab und zu fordert das mal jemand, aber das ist dann meistens eher als Witz gemeint. So nach dem Motto: "Kimberley, spiel' noch mal 'Walking On Sunshine', haha!". Auch "Love Shine A Light", noch so einen Hit, übergehe ich meistens, aber vor drei Wochen machte ich eine Ausnahme, weil England beim Eurovision Song Contest auf dem letzten Platz gelandet war und sie mit meinem Song "Love Shine A Light" zuletzt gewonnen hatten. Aber ich lasse diese Lieder meistens aus. Die laufen ja auch nonstop im Radio, da kann man sie hören, wenn man will.
SPIEGEL ONLINE: Vor 25 Jahren wurde Ihr Super-Sommerhit "Walking on Sunshine" veröffentlicht. Haben Sie den Geburtstag des Songs, der Sie zum reichen Mann machte, angemessen gefeiert?
Rew: Wir haben ihn mal wieder aufpoliert und neu veröffentlicht. Aber die wahre Feier war, dass ich meine Freundin geheiratet habe und bei unserer Hochzeit "Walking On Sunshine" für sie gesungen habe. Das war wohl meine liebste Aufführung davon.
SPIEGEL ONLINE: Nervt Sie die Unentrinnbarkeit Ihres Gassenhauers auch manchmal?
Rew: Nein, dieses Lied war sehr, sehr, sehr gut zu mir. Ich habe nur positive Gefühle dafür.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind einem Spezialistenpublikum vor allem bekannt, weil Sie mit Robyn Hitchcock einst in der Hipster-Gitarrenpop-Band The Soft Boys spielten. Wissen Ihre Indie-Rock-Fans eigentlich, welche Mega-Hits Kimberly Rew zu verantworten hat?
Rew: Vermutlich nicht. Das Tolle an meinem Erfolg mit "Walking On Sunshine" ist ja, dass das Lied unfassbar populär ist, aber kein Mensch weiß, dass ich dahinter stecke. Aus meiner Band Katrina & The Waves ist nie wirklich etwas geworden. Die Menschen liebten das Lied, aber nicht die Band. Aber das ist für mich kein Problem. Katrina zieht immer noch durch die weite Welt und singt dieses Lied, was mich freut. Aber ich hätte keine Lust dazu, es ist sehr viel befriedigender, wenn man die Freiheit hat, sich aussuchen zu können, was man spielen möchte. Denn ich habe immer noch Spaß an Musik.
SPIEGEL ONLINE: Wie sehr verändert es das Leben, wenn man weiß, dass man nie wieder einen Finger rühren muß?
Rew: Vom Kopf her ändert sich tatsächlich einiges. Man lernt, wie sich kommerzieller Erfolg anfühlt, und dass man sich nie wieder den Kopf darüber zerbrechen braucht, ob die Musik, die man gerade produziert, für ein größeres Publikum interessant ist oder nicht. So ein Hit bedeutet letztlich schon Freiheit.
SPIEGEL ONLINE: Hat sich Ihre Art, Songs zu schreiben, danach verändert?
SPIEGEL ONLINE: Auch The Bangles ("Going Down To Liverpool") oder Celine Dion ("That's Just The Woman In Me") waren mit Ihren Kompositionen erfolgreich. Merken Sie, wenn Sie ein Lied geschrieben haben, das diese Qualität hat?
Rew: Nein, ich spüre da absolut keinen Unterschied zu all den Liedern die kommerziell nicht erfolgreich waren. Wie Sie schon erwähnten, wurden einige meiner Songs ja auch erst zum Hit, nachdem sie von anderen Musikern übernommen wurden. Ich hörte dann erst über Umwege, dass meine Lieder groß rauskamen. Eigentlich war das alles immer Zufall.
SPIEGEL ONLINE: Ist es eigentlich nur ein schön klischeehaftes Gerücht, dass Sie deprimiert waren, als sie das turbogutgelaunte "Walking On Sunshine" schrieben?
Rew: Eigentlich schon. Ich habe diese Geschichte schon einige Male gehört und bin immer wieder erstaunt. Es war schon eine Zeit, in der die Dinge für mich nicht besonders gut liefen. Das Interesse an meiner Musik war damals gering. Aber dass ich dann so einen Hit schrieb, hatte nichts mit Verzweiflung zu tun.
SPIEGEL ONLINE: Und wahrscheinlich will jetzt jeder von Ihnen die Zauberformel für den perfekten Popsong wissen, oder?
Rew: Wirklich jeder Journalist, aber ich muss da immer passen. Entschuldigung: Keine Ahnung! Wenn ich das wüsste, würde ich nur noch solche Lieder schreiben. Kann ich aber nicht. Mist.
SPIEGEL ONLINE: "Walking On Sunshine" wird nonstop in der Werbung eingesetzt, in Hollywood-Soundtracks ("High Fidelity", "Bean - Der ultimative Katastrophenfilm", "Moon"), ja, es dudelt sogar aus elektrischen Kinderzahnbürsten. Haben Sie Kontrolle darüber, wo und wie Ihr Lied genutzt wird?
Rew: Ich werde eigentlich immer gefragt. Und so ein Lied funktioniert ja auch nur in einem positiven Umfeld. Das hilft. Die elektrische Kinderzahnbürste fand ich zum Beispiel super! In der Position zu sein, indirekt dafür zu sorgen, dass Kinder ihre Zähne gern putzen, ist doch toll. Neulich haben mir die Produzenten der "Simpsons" ein Script geschickt, in dem "Walking On Sunshine" eingesetzt wird. Sehr nett.
SPIEGEL ONLINE: Waren Ihre Indie-Rock-Kollegen eigentlich sehr neidisch, als Sie über Nacht reich wurden? Verliert man Freunde durch so einen Bestseller?
Rew: Wenn das für einen meiner Kollegen ein Problem gewesen sein sollte, so habe ich das nicht bemerkt.
SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie die Tantiemen in den ersten Jahren zu gleichen Teilen mit Ihren Bandkollegen geteilt haben, um den Frieden zu wahren?
Rew: Über Geld sollte man in der Öffentlichkeit nicht reden. Aber die Idee klingt gut.
SPIEGEL ONLINE: Verlassen Sie ihre Heimat Cambridge noch für Tourneen oder Plattenaufnahmen?
Rew: Nein, nein, das ist mir viel zu stressig. In Cambridge habe ich alles, was ich brauche. Warum sollte ich woandershin wollen? Wer mich live sehen will, kann mich mittwochs im Hopbine-Pub finden.
Das Interview führte Christoph Dallach
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Und wenn man den DJ fragt, ob es ihn nicht selbst ankotzt, seit 25 immer wieder dieselbe dämliche Platte aufzulegen, wird man auch noch angeglotzt als ob man nicht ganz dicht wär. Ich möcht nicht wissen was der Komponist im [...] mehr...
Das kann ich nur bestätigen, dieser Song ist eines meiner absoluten Haßlieder. Teilweise kann man fast die Uhr danach stellen, wann er auf ner Party oder im Radio gespielt wird. Als ob in der gesamten Menschheitsgeschichte nur [...] mehr...
Energy? Ist das nicht dieser Kinderfunksender der bevorzugt Praktikanten auf Moderatorenplätze setzt, die dann den ganzen Tag unreifen Unsinn vor sich hin japsen dürfen? mehr...
Mich freut es für den Songschreiber damit finanzielle Unabhängigkeit erreicht zu haben. Er hat ja wie im Artikel beschrieben auch für weitere Künstler (Celine Dion) Hits geschrieben. Und er kann ja nix dafür, daß sein Lied von [...] mehr...
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