Von Christoph Twickel
Ganz anders der Ansatz der neuen Labelmacher-Generation. Aufgewachsen mit Rap, begann Miles Cleret in den Neunzigern die Soul-, Funk-, Jazz- und Disco- Platten zu entdecken, die die HipHop-Produzenten gesampelt hatten. Und fand schließlich in Afrika den Soundtrack seines Lebens: Raue Soul-, Funk- und Disco-Heuler, die für hiesige Maßstäbe etwas trashig klingen, weil die Produzenten bisweilen mit nur einem Tonbandgerät und zwei Mikrofonen auskommen mussten. Den schrottigen Sound aber machten die Musiker mit Energie und Experimentierfreude wett. Sie rührten die lokalen Rhythmen und die westlichen Vorbilder zu originellen Hybriden zusammen. "Die Kids haben damals auch ihre Wurzeln entdeckt und damit experimentiert", sagt Cleret.
Township-Grooves vom Sperrmüll
Seine Alben erscheinen auf Strut Records, ein weiteres Label, das sich Verdienste um das Erbe der afrikanischen Popmusik erworben hat. Zum Beispiel durch ihre Veröffentlichungen südafrikanischer Musik: Die dreiteilige CD-Reihe "Next Stop Soweto" zeigt, was für eine quirlige Musikszene sich im Schatten der Apartheid-Politik tummelte. Der Name bezieht sich auf das größte Township von Johannesburg und den blutig niedergeschossenen Aufstand, der dort im Juni 1976 ausbrach. Die Soweto-Unruhen waren der Anfang vom Ende des rassistischen Regimes. "Next Stop Soweto" dokumentiert den Sound der schwarzen Jugend auf dem Weg zum Aufstand: die treibenden Chöre des "Township Jive", auch "Mbaqanga" genannt, der elegante Kwela-Jazz und der Hammond-Soul der Sechziger sowie die psychedelischen Twang-Gitarren der "Mahipis", der südafrikanischen Hippies.
Die meisten Musiker sind gestorben, haben den Beruf gewechselt oder sind nach Europa gegangen. Für seine jüngste Compilation "Afro-Beat Airways" etwa fahndete Samy Ben Redjeb von Analog Africa wochenlang in Accra nach der Band Marijata. Er traf den Organisten schließlich in Berlin, bei Schnitzel und Sauerkraut. Und Duncan Brooker von Strut Records suchte geschlagene sieben Jahre lang in Sierra Leone nach dem Bandleader des Ensembles Afro National. "Ich hatte schon aufgegeben, als irgendwann ein Typ aus Sierra Leone in meine Londoner Wohnung kommt, um das Gas abzulesen", erzählt Brooker. "Ich lege eine Platte von Afro National auf und der Typ kommt rausgerannt: 'Was ist los, wieso spielst du Musik aus meinem Land'?"
Der Gasableser konnte auf den alten Vinylscheiben, die Brooker ihm zeigte, diverse Verwandte und Freunde identifizieren. Schließlich stellte sich heraus, dass der Musiker, nach dem der Plattensammler so lange vergeblich gesucht hat, seit Jahren für eine Security-Firma im Supermarkt um die Ecke arbeitet. Brooker brauchte fünf Minuten Fußweg, um dem Mann seine alten Platten vorzulegen. Ihm selbst war längst aus dem Bewusstsein geschlichen, dass er drei Jahrzehnte zuvor mal zur Avantgarde einer afrikanischen Kulturrevolution gehört hatte.
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Tja, der Mainstream geht halt über den großen Teich anstatt auch mal über das Mittelmeer zu schauen. Fela und Kollegen, ihn damals life in Kalakutta Republic erleben dürfen, machte und macht nicht jeden an. Wer sich dagegen einmal [...] mehr...
meine Lieblingsmusik. Ich will sie alle haben. Macht gute Laune. Die aktuelle Popmusik fühlt sich dagegen an, als würde man nur noch Glutamat mit künstliche Aromen und Geschmacksverstärkern essen. mehr...
Und hier noch das Video zu Duncans story: http://www.youtube.com/watch?v=avU1LSkqykk Ich kaufe mir eigentlich keine CDs mehr, aber bei den Analog Africa Compilations habe ich bisher immer bedenkenlos zugregriffen und mich [...] mehr...
Die Fortsetzung gibt es jetzt in einer neuen MusikDoku WHO IS HIGHLIFE? zu sehen und zu hören. Ghana Burger Highlife - Made in Germany. Sehr zu empfehlen. www.whoishighlife.de mehr...
Wenigstens bei der (Pop-)Musik fangen die Europäer an, die afrikanischen Kulturschätze zu entdecken und stellen erstaunt fest, dass sie jahrzehntelang alten Klischees aufgesessen sind, Klischees, wie die Afrikaner in ihren Augen [...] mehr...
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