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18.08.2010
 

Jamie Cullum auf Tour

Wer hat Angst vor Musik?

Von Sarah Seidel

Jamie Cullum auf Tour: Wer hat Angst vor Musik?
Fotos
Getty Images

Er steht auf seinem Klavier, spielt, singt und tanzt gleichzeitig: Bei seinen Deutschlandkonzerten zeigt der Brite Jamie Cullum, dass man für mitreißenden Jazz keine durchdesignte Bühnenshow braucht. So überzeugt er Jazz- und Popfans - und ignoriert engstirnige Kritiker.

Er habe die Seele und das Herz eines Jazzmusikers, sagt Jamie Cullum. Aber er sei eben auch einer, der Popmusik mache, ohne sich dafür zu entschuldigen. Und er schert sich nicht um Kategorien. Jazz oder Rock, diese Frage scheint sich ihm nicht zu stellen. Das Albumcover seiner jüngsten CD "The Pursuit" zeigt den singenden Pianisten vor einem explodierenden Konzertflügel. Als wolle er zeigen, dass er mit der Tradition gebrochen hat und neue Ufer anstrebt. Auf der Bühne geht er mit seiner Band meist so energiegeladen zur Sache, dass man tatsächlich Angst um das Klavier haben muss, auf dessen Tasten er haut, auf dem er manchmal sogar steht und singt, um dann federnd wieder herunterzuspringen und wie entfesselt weiterzuwirbeln.

"Ich habe gemacht, was ich wollte"

Von einem überaus erfolgreichen "Twenty Something" (so der Titel seines ersten Erfolgsalbums), einem Mittzwanziger, ist Jamie Cullum nun zu einem "Thirty Something" geworden. Am 20. August wird er 31.

Der Plattenvertrag mit einem internationalen Label bedeutete 2003 den Durchbruch für den Engländer. Im selben Jahr erhielt er den British Jazz Award als "Rising Star". Inzwischen verkauft Cullum seine Alben millionenfach. Seit "Catching Tales" von 2005 und nicht zuletzt seit "The Pursuit" wird Jamie Cullum von den Jazzpuristen in die Kritik genommen. Er werde von seinem Label zum Popstar aufgebaut. Mit Jazz hätte seine Musik nichts mehr zu tun, sagen sie. Ist Jamie Cullum nun einfach das Aushängeschild einer neuen, experimentierfreudigen Generation von Jazzmusikern oder bedeutet seine Musik den Ausverkauf des Jazz?

"Ich habe immer gemacht, was ich wollte", sagt Cullum. "Als ich 2003 meinen Plattenvertrag hatte, spielte ich im Anzug in Londoner Clubs wie dem Ronnie Scott's oder dem Pizza Express. Ich habe Standards gespielt und mal hier, mal da einen Song von mir, der etwas mehr losging. So etwas wie 'I Want To Be A Pop Star'. Auf der anderen Seite war ich in einer Rockband, die mit Paul Weller und Oasis tourte. Ich war Anfang 20 und wusste nicht, wie ich diese beiden Welten zusammen bringen sollte. Es gab aber eigentlich keinen Grund, beides zu trennen. Rock und Jazz konnte ich nach einer Weile auf der Bühne zusammenbringen."

Landung in Popgefilden

Für Jamie Cullum ist der Crossover kein Problem. Er selbst bezeichnet auch Singer/Songwriter wie Donald Fagan und Walter Becker von Steely Dan oder Bruce Hornsby und Randy Newman als Jazzmusiker. Cullum meint, es sei die Art, wie sie sich den Melodien näherten, wie sie mit Akkorden umgingen, wie sie der Improvisation in ihren Stücken Raum gäben. All das sei gemacht wie von Jazzmusikern, meint er. Durch ihr Werk wehe der Geist des Jazz, sie hätten ihn im Blut, das müsse aber nicht in Jazz resultieren. Tatsache ist, dass Jamie Cullum mit "The Pursuit" in populären Gefilden gelandet ist. Besonders in England müsse er sich oft vor Jazz-Journalisten rechtfertigen, so Cullum. Sie hätten ein Problem damit, dass er den Pop hochhalte. "Das englische Magazin ,Jazzwise' hat mein Album besprochen", erzählt er. "Sie haben es nur mit einem Stern bewertet und gesagt, es sei schrecklich. Gut sei es nur, wenn man Pop mag. Ich glaube, die haben Angst vor Pop. Ich mache einfach Musik, von der ich denke, dass sie sich gut anfühlt."

Wer Jamie Cullum einmal live erlebt hat, weiß, dass sich seine Konzerte mehr als nur gut anfühlen. Egal, ob man nun Jazz- oder Popfan ist, seiner sprühenden Bühnenpräsenz kann man sich nicht entziehen. Da wird gespielt, gesungen und gesprungen, da wird gescattet und getrommelt, da wird die Mitte des Zuschauerraums im Handumdrehen zur Bühne gemacht, bis das Publikum nicht mehr zu halten ist. Da denkt niemand darüber nach, in welche Schublade dieser Künstler gehört: ob er nun der "Robbie Williams des Jazz" ist, oder der "Charlie Parker des Pop", wie ihn das amerikanische Jazz-Magazin "Downbeat" titulierte.


CD:
Jamie Cullum: "The Pursuit" (Universal).

Konzerte:
18.8. Hamburg / Stadtpark, ausverkauft ( Infos);
21.8. Bochum / Zeltfestival Ruhr, ausverkauft ( Infos).
31.10.10 Bremerhaven / Stadthalle;
01.11.10 Braunschweig / Stadthalle;
02.11.10 Berlin / Tempodrom;
04.11.10 Hannover / Kuppelsaal;
07.11.10 München / Circus Krone;
09.11.10 Düsseldorf / Philipshalle;
10.11.10 Dresden / Kulturpalast;
11.11.10 Kempten / BigBOX;
02.12.10 Freiburg / Konzerthaus;
14.12.10 Frankfurt / Jahrhunderthalle.
Karten: Wizardpromotions.

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20.08.2010 von sunshine59: Nun ja....

Ja, ich bin fünfzig, ja ich bin Marketing Assistentin (is ja so was ähnliches wie Sekretärin), aber nein kein Dockville und kein Radio Hamburg, sorry da kann ich nicht mit dienen. Ich liebe Jazz und schau mir ca. 70 bis 80 [...] mehr...

20.08.2010 von IsArenas: .....

Ja, Jamie Callum macht einfach Spass, sollen die Leute doch reden. Und er hat immerhin bei ihrem Durchbruch (2004) mitgewirkt: http://www.youtube.com/watch?v=a--iTS-5aMc mehr...

19.08.2010 von dr-seltsam: Konzertbericht Hamburg

Moin - folgenden Konzertbericht erhielt ich aus Hamburg: "Guten Morgen, nachdem ich schon zitiert wurde möchte ich gerne die Gelegenheit nutzen und persönlich meine Eindrücke erläutern. JC macht eine Mischung aus Jazz [...] mehr...

19.08.2010 von sunshine59: Jamie Cullum Fan

Ich finde die Diskussion ob Jazz oder Nicht überflüssig. Ich glaube Jamie Cullum würde nicht behaupten, dass es sich bei seiner Musik um anspruchsvollen Jazz handelt. Aber ich glaube darum geht es auch gar nicht. Ich habe das [...] mehr...

19.08.2010 von misterioso: Hi Doc

Hallo Doc, wer oder was soll hier denn disqualifiziert werden,sind wir bei einer Olympiade? " heißen oder wie sie hießen" meint was es meint: soll ich jetzt alle Jazzer ,die sogenannte "Jazzstandards" [...] mehr...

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