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24.08.2010
 

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Die wichtigsten CDs der Woche

Der Achtziger-Jahre-Pop von Hurts aus Manchester besiegt Jan Wigger mit den Waffen der Erinnerung, während ihm so manche gekläffte Parole von 1000 Robota übel aufstößt. Andreas Borcholte begleitet Wir sind Helden beim Rückzug ins Private.

Hurts - "Happiness"
(RCA/Sony, 27. August)

Die im Vorfeld der Veröffentlichung von "Happiness" zugänglich gemachten Stücke "Wonderful Life" und "Blood, Tears & Gold" ließen unter den Aficionados der reinen Lehre keine zwei Meinungen zu: Der wehmütig jubilierende Eighties-Pop dieser aalglatten Herren in Maßanzügen hatte uns in Zeiten bevorstehenden Mühsals (Reunion der Rockgruppe Bush, Androhung eines neuen Selig-Albums im Oktober) gerade noch gefehlt. Den allerschönsten Song auf "Happiness" haben Hurts dabei an den Anfang gestellt: "Silver Lining" beginnt wie Depeche Mode auf "Construction Time Again", schraubt sich aber im reizenden Refrain in höchste Höhen: "When the world surrounds you/ I'll make it go away/ Paint the sky with silver lining/ I will try to save you/ Cover up the grey/ With silver lining." Zwar sind solche Versprechen vor allem da, um sie zu brechen, doch der Stimme von Theo Hutchcraft glauben wir wie damals den Thompson Twins (manchmal), Phil Oakey oder dem hysterischen Simon Le Bon. Natürlich schlagen Hurts uns in "Devotion" oder "Unspoken" auch mit den Waffen der Erinnerung: Das, was wir schon kennen, wird als neu verkauft, jedoch so verpackt, dass man auf das Nachdenken darüber verzichtet, von wo nochmal die ersten Sekunden von "The Water" entwendet wurden oder warum "Sunday" schon jetzt den Euro-Beat des lichten Brandon-Flowers-Moments "Human" recycelt. Solange es in Manchester noch lodert, ist es gut, dass England nicht mehr brennt. (7) Jan Wigger

Wir sind Helden - "Bring mich nach Hause"
(Columbia/Sony, 27. August)

"Gab's nicht irgendwas, das sagt: Es ist okay/Irgendwas, das uns zeigt, es tut gar nicht weh", singt Judith Holofernes in "Meine Freundin war im Koma und alles, was sie mir mitgebracht hat, war dieses lausige T-Shirt", einem der besten Songs auf "Bring mich nach Hause", dem vierten Album von Wir sind Helden. Nach Kritik an der Konsumgesellschaft, den Medien und der Formulierung diverser sozialer und privater Unbehagen ist die Band damit ganz bei sich angekommen, bei einer Innerlichkeit, nach der vielleicht schon seit den intimen, brüchigen Momenten auf "Von hier an blind" gestrebt wurde. Drei Jahre sind seit "Soundso", dem letzten Album, vergangen, was dazu beigetragen hat, dass sich erstmals in der Karriere der Helden der Druck verringert hat. Die Band hatte sich mit befindlichem, wortwitzigem Pop etabliert, die Erwartungen, die nach dem ersten Aufstampfen, der "Reklamation" des Debüts immer weiter gestiegen waren, waren verflogen. Die dadurch mögliche Entspannung ist spürbar. Ruhige, besonnene Lieder wie "Bring mich nach Hause", "Flucht in Ketten" oder "Nichts, was wir tun könnten" zeugen vom Rückzug ins Private, vom Angekommensein in einer Abgeklärtheit, die aber gleichzeitig viel Melancholie beinhaltet: "Stell dir vor, du wärst wieder allein unter Leuten/ Sängst traurige Lieder vom Sein und Bedeuten", heißt es gleich zu Anfang des Albums in "Alles". Dass man das Leben eben nicht zu fassen bekommt, dass es einem immer wieder in die Hacken tritt, man sich einfach keinen Reim darauf machen kann, ist die Grundhaltung der neuen Helden-Songs. "Wer schleicht, dem wird leicht kalt/ deshalb schleichst Du ins Warme/ Du nennst es Weltschmerz, ich nenn' es Attitüde" ist noch einer dieser perfiden Verse, die das Private dem Politischen vorziehen und das gleich wieder skeptisch reflektieren. Doch dann, in der dylanesk erzählten "Ballade von Wolfgang und Brigitte", im beschwingten "Dramatiker" oder in "Im Auge des Sturms", das in einer geradezu wilden Gitarren-Session endet, ist doch wieder der Witz da, der erwachsene, rotzig-pragmatische Elan, dem die Band ihren Erfolg verdankt. Wie bei jedem Wir-sind-Helden-Album seit "Reklamation" muss man sich die tieferen Ebenen dieser vordergründig netten Mainstream-Musik erst erarbeiten. Und dann tut es auch schon wieder weh. Aber das ist okay. (7) Andreas Borcholte

1000 Robota - "Ufo"
(Buback/Indigo, 3. September)

Damit wir uns nicht missverstehen: Tolle EP, tolles erstes Album, dazu arrogant und schroff und schnöselig - so und nicht anders soll es sein. Nun folgt "Ufo" und im Waschzettel lässt man sich erst einmal über "die Presse" aus, die "in die Falle der eigenen Bequemlichkeit getappt" sei und vor allem das junge Alter der Protagonisten zum Thema gemacht habe, um "vom Wesentlichen" abzulenken. Das ist zwar beklagenswert, liegt aber auch darin begründet, dass sich seit der Erfindung des Internets jeder Journalist nennen kann und sich so manche Musikrezension liest wie ein Wikipedia-Eintrag. Dazu passt der Sack-Reis-Hidden-Track von "Ufo": Leute, ein Hass-Lied gegen Thees Uhlmann? Im Ernst? "Manche Leute kommen von der Straße/ Und Idioten wie du sehen es nicht [...] Ganz ehrlich, wenn ich könnte, dann würde ich deine Kinder adoptieren/ Damit sie noch eine Chance haben, gute Menschen zu werden." Klingt 1A nach Bushido feat. Frauenarzt, ist aber 1000 Robota. Tipp: Richtige Feinde suchen (Die Amigos, Nena, Bully Herbig) und die Sache mit Blur und Oasis nochmal im Internet nachlesen. Der Rest von "Ufo" ist etwas ruhiger, trockener, konzentrierter und lauernder als "Du nicht er nicht sie nicht", obgleich unverhoffte Dischord-Ausbrüche und gekläffte Parolen noch immer Teil des Masterplans sind. Topgut: Die Libellenschwarm-Gitarren in "Fahr weg". (5) Jan Wigger

Philip Selway - "Familial"
(Bella Union/Cooperative Music, 27. August)

Did I fall asleep? Selbst wenn man seine Brian-Eno-Sammlung auf ein Soloalbum des Radiohead-Schlagzeugers Philip Selway verwettet hätte: Eine so stille, auf Zehenspitzen laufende Platte, für die eklige Menschen den Begriff "Nabelschau" in den Raum werfen würden, hätte man nicht erwartet. "It's a cardinal sin for drummers to come in to rehearsals with the comment 'I've got this song!'", weiß Selway, dessen Aussprache auf "Familial" oft so überdeutlich ist, dass man ihn im Zimmer wähnt. Ein Song wie "Don't Look Down" wäre ohne "Exit Music (For A Film)", "Fake Plastic Trees" oder Thom Yorkes brillante "The Eraser"-LP kaum möglich gewesen, das "Familial"-Cover ist so ästhetisch und doppelsinnig, wie man es von jemandem erwarten darf, der die letzten 24 Jahren inmitten hyperkreativer Musiker verbracht hat. Abweichendes Verhalten ist von Selway dennoch nicht zu erwarten: "Familial" ähnelt eher dem ersten Album von Thom Yorkes Bruder Andy als den wundervollen Schnapsideen der späten Radiohead. (6) Jan Wigger

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Danke, geil. Unplugged in Poznan. (http://www.youtube.com/watch?v=mgH2ORoL0H4) mehr...

06.02.2012 von kuechenchef:

Ja nu, zwischen sechs Monate Wartezeit nach VÖ auf CD wie bisher und Bestellungen beim Label in den USA für Platten in lustigen Vinylfarbkombinationen ist dann doch noch irgendwie ein Unterschied. Aber schee sans scho... [...] mehr...

04.02.2012 von oasis:

Aha, ganz was Neues. ;D mehr...

04.02.2012 von Ion:

Gentle Giant Cogs in Cogs 1974 Brussels - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=jJYe9EFFeec&feature=related) mehr...

03.02.2012 von Jetty_Hitsch: Bap

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