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31.08.2010
 

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Die wichtigsten CDs der Woche

Man muss gar nicht wissen, wie die Begräbnisplatten von Interpol entstehen, um die Musik der New Yorker Band zu lieben, meint Jan Wigger und reist mit Brandon Flowers nach Las Vegas. Andreas Borcholte probiert Nils Koppruchs neuen Anzug an.

Interpol - "Interpol"
(Cooperative Music/Universal, 3. September)

Wie noch auf jedem Album von Interpol gibt es ihn auch auf diesem: Den einen Song, der alle anderen überstrahlt. Und vielleicht ist "Always Malaise (The Man I Am)" auch ein Grund dafür, dass den anderen Liedern bei den ersten fünf, sechs Durchläufen etwas ungewohnt Routiniertes anhaftet. Dann aber legt man wieder die Schichten frei, schiebt die erdrückend schweren, tiefroten Vorhänge beiseite und erarbeitet sich Todesküsse wie "All Of The Ways", die vielleicht sogar dort ansetzen, wo "Our Love To Admire" mit dem schaurigen "The Lighthouse" endete. Einmal mehr zählen jene Stücke, die man früher Singles nannte, dabei zum eher uninteressanten Teil dieser Gruppe, obgleich Charlie White zu "Lights" einen phantastischen Kurzfilm drehte, dessen schönstes Bild man gerne auf dem nun etwas kontrastarm geratenen Cover von "Interpol" gesehen hätte. So wie es einem früher irgendwann egal wurde, ob Elizabeth Fraser von den Cocteau Twins in einer Phantasiesprache oder auf Englisch singt, ist heute Interpol die Band, von der man weder Privates noch Genaueres zum Entstehungsprozess ihrer Begräbnisplatten wissen will. Stattdessen nähert man sich dem gespenstisch guten "The Undoing" über die Macht der Worte: "I was on my way/ I was on my way to tell you it's no good." Man versteht aber "it's all good", weil es ein perfekter Einstieg für die unverhoffte Katastrophe wäre, die diese hin und her taumelnden fünf Minuten evozieren. So bleiben Interpol die Könige des letzten Akts. Die Editors dürfen ihnen auch weiterhin den Staub von den Stiefeln pusten. (8) Jan Wigger

Nils Koppruch - "Caruso"
(Grand Hotel Van Cleef/Indigo, bereits erschienen)

"In einem neuen Anzug/ In einer neuen Stadt/ Mit brandneuen Gedanken/ Die alten hatte ich satt/ Die alten Worte sag ich auf eine andere Art/ Und behaupte überzeugend dies sei die Gegenwart". Diese Zeilen sang Nils Koppruch, damals noch Kopf der Band Fink, 1998 in "Neuer Anzug". Aber sie hätten auch gut auf sein Solo-Album "Caruso" gepasst, sein zweites nach dem verhaltenen, introvertierten Debüt "Den Teufel Tun", das 2007 zu Unrecht sang- und klanglos unterging. Jetzt ist der Hamburger Maler und Musiker wieder da - und gibt sich beschwingter, ja beseelter als je zuvor. Das Instrumentarium ist weniger karg, im Zirkusmarsch "Verrückte Liebe" tröten die Bläser gar, als würde Koppruch an Mardi Gras eine lustige Kapelle durchs Latin Quarter dirigieren; "Wien 91_5" ist ein schwebendes, von Sreichern getriebenes Instrumental. Hier wird tabula rasa gemacht, wie Koppruch in "Vergessen, was ich wusste" beschreibt: "Die Straßen hinter mir sind alle leergefegt/ Und ich lieg nackt auf einem Stein/ Der Himmel über mir ist weiß/ Und eine Stimme sagt: Wer niemand war, kann niemand sein". Geblieben ist jedoch der Blues und die Sehnsucht nach dem amerikanischen Folk des frühen 20. Jahrhunderts. Ebenfalls noch da ist Koppruchs Gefühl für die alltäglichen Härten, über die er lakonische Haiku-Gedichte sprechsingt: "Es läuft das Lied vom schönen Leben/ Vom Vergessen und Vergeben/ Und wir alle sitzen um den gleichen Tisch/ Und vor aller Augen nehmen sie deinen Teller weg/ Nur weil's möglich ist" ("Weil's möglich ist"). In "Aussicht" singt Gisbert zu Knyphausen, der einst bei Fink im Vorprogramm auftrat, die zweite Stimme. Inzwischen ist der jüngere Kollege berühmter als der alte, aber das kann einen wie Koppruch nicht erschüttern. Er weiß, man muss das Leben nehmen, wie es kommt: "Ich sing vor deinem Fenster und der Regen lässt nicht nach/ Und eine Stimme ruft von oben: Falsches Fenster, falscher Tag". Egal, der neue Anzug sitzt. (7) Andreas Borcholte

Brandon Flowers - "Flamingo"
(Island/Universal, 3. September)

Es verwundert kaum, dass Brandon Flowers gleich den ersten und gewaltigsten Song auf "Flamingo" vollkommen ironiefrei "Welcome To Fabulous Las Vegas" genannt hat. Flowers, Sänger der Band The Killers, ist hier aufgewachsen, er liebt diese furchtbare, grellfarbene und schwer groteske Stadt. Jeder, der einmal dort war, wird diese Liebe nachvollziehen können. Wie die Metropole selbst, hat auch Brandon Flowers keinerlei Gefühl dafür, was peinlich ist, was man "darf" und was man lieber lässt. Seine lyrischen Fertigkeiten sind dürftig, er hat kein Interesse an Verrätselung und Doppelbödigkeiten, er meint, was er schreibt. Wahrscheinlich hat er nicht mal Humor. All das macht diesen stets etwas unbeholfen wirkenden Künstler auf eine seltsame Art und Weise sympathisch. "Flamingo" hätte durchaus ein Killers-Album sein können, denn auch hier schwankt das Songmaterial stetig zwischen fesselnd und fatal. "Only The Young" heißt auch ein fabelhafter Song von Journey, doch hier genießt Flowers wie so oft zuvor vor allem seinen Springsteen-Moment: "Only the young can break away". Die Tommy-Steiner-Hommage "Magdalena" und "Was It Something I Said?" sind scheußlichster ZDF-Fernsehgarten-Pop, aber mit dem im Stil von Robbie Nevil gejaulten, viel zu langen "Playing With Fire" knüpft Flowers laut Infoschreiben ja an "Roy Orbsions Falsett-Gesang" an. Immerhin! Die Single "Crossfire" ist hübsch und verlangt nicht viel, mit "Hard Enough" gelingt dem Schwärmer der melodieselige AOR-Pop, der auf der letzten Killers-LP "Day & Age" so grandios missglückte. Für die erotische Attraktion: (5) Jan Wigger

Accept - "Blood Of The Nations"
(Nuclear Blast/Warner, bereits erschienen)

Zuerst einmal danken wir nicht etwa Udo Dirkschneider, sondern den Fans der Nummer-Eins-Band Iron Maiden: Nur ihr konnte es gelingen, die lächerliche Herrschaft der Muppet-Goths von Unheilig zu brechen, die monatelang salbadernd über die Spitze der deutschen Albumcharts herrschten. Ein solcher Triumph wird der neuen Accept-Platte "Blood Of The Nations" zwar versagt bleiben, doch wer damals "Restless And Wild" oder "Breaker" mochte, feiert heute den neuen Accept-Sänger Mark Tornillo, der auch gleich noch die Texte zu den neuen Brechern schrieb. Doch hat er die brisanten Notizen heimlich aus Joey DeMaios Abfalleimer entwendet? "Storming the castles, swords in the air", "Riding on teutonic terror, we will give 'em the axe", "Together we fight, warriors on demand", "We are brothers hand in hand, we kill and we die", "We pay with our lives", "War is hell", "There's no escape", "Licensed to kill", "You can't run from the reaper", "Bucket full of hate". Es könnte ewig so weiter gehen - und es geht ewig so weiter. Doch was würde Accept-Gitarrist und Starfotograf Wolf Hoffmann dazu sagen? Das sind halt die Themen von Accept! Auch musikalisch weicht man kein Jota vom ultratraditionellen Planierraupen-Metal der güldenen Dirkschneider-Ära ab. Doch während der ledergesichtige Udo im "Black And White"-Video jungen Frauen an den Hintern greift, gibt es bei Wolf Hoffmann und Herman Frank die Killer-Riffs im Sommerschlussverkauf: "The Abyss", "Beat The Bastards", "Locked And Loaded". Würden Accept-Anhänger "Balls To The Wall" verkaufen, wenn sie wüssten, dass Ende September tatsächlich ein neues Three-Mile-Pilot-Album erscheint? Never in a million years. (6) Jan Wigger

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04.02.2012 von oasis:

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