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02.04.2000
 

Falco in der Cyber-Welt

Leck mich, Schubert!

Von Michael Fischer

Zwei Jahre nach seinem Tod, wird der Popstar Falco im Wiener Musical-Tempel Ronacher mit "F@lco - A Cyber Show" reanimiert. André Eisermann spielt die Hauptrolle des Hans Hölzel, den sein selbst kreierter virtueller Golem Falco in den Tod treibt. Paulus Manker inszenierte ein "Cyberrockhappening" der besonderen Art.

Wien - Die Bühne ist ein überdimensional großes @, Falco ein computeranimierter Golem, und die Musik klingt eher nach Rammstein, als nach Pop der achtziger Jahre: Wer ins Wiener Ronacher gekommen war, um eine Falco-Musical-Revue zu genießen, sah sich getäuscht. "F@lco - A Cyber Show" ist ein aufwendig inszeniertes und choreografiertes High-Tech-Bühnenspektakel mit 3-D-Animationen und Lasershow, das mit seinem Tempo und den GoGo-Girls eher an ein Szene-Event erinnert, als an ein Rockkonzert oder eine Revue.

Überzeugende Einzelleistung: André Eisermann
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DPA

Überzeugende Einzelleistung: André Eisermann

Zusammengesetzt ist die Show aus Szenen, die sich an Falcos Biografie orientieren (Buch: Joshua Sobol). Die Idee dahinter: der Mensch Hans Hölzel erschafft sich die Kunstfigur Falco. Diese ist bei Manker/Sobol das virtuelle Abbild des Popstars: Falco in der Cyber-Welt. Wie im wirklichen Leben - so will es der Mythos - wird das computeranimierte Alter Ego immer größer und mächtiger. Am Ende treibt es seinen Schöpfer in den Tod.

André Eisermann spielt diesen zerrissenen Hans Hölzel mit einer unbändigen Intensität. Auch wenn der Kampf gegen seinen virtuellen Golem (und zwei als Falco verkleidete Schauspieler) manchmal mit einer etwas zu moralisch-pathetischen Klinge gefochten wird, so ist sein ständiges Hin- und Hergerissensein zwischen schillernder Bühnenwelt und einsamer Suche nach Zuneigung und Glück immer wieder überzeugend. Glücklicherweise beschränkt sich der deutsche Schauspieler bei den Songs auf Sprechgesang und überlässt das Singen denen, die es können.

Wie Patricia Simpson etwa, die Falcos "Jeanny" überzeugend neu interpretiert. Bei aller effektvollen und berauschenden Lasershow, bei aller temporeichen Choreografie (verantwortlich: Patty Wilcox) - das immer wieder mitreißende der Cyber-Show ist die Musik. Denn den Falco-Songs fehlt hier jegliche Patina. Die vorzüglich aufgelegte Band spielt Versionen von "Ganz Wien" (mit Hansi Lang) und "Vienna Calling" an den Matrix-Soundtrack erinnernd, die die Originale beinahe verblassen lassen (musikalische Leitung: Thomas Rabitsch).

Natürlich bedient Paulus Manker mit "F@lco - A Cyber Show" auch die Mythenbildung. Doch wenn nach "Rock me Amadeus" plötzlich Bach und Beethoven auf der Bühne stehen, und Schubert und Wagner Hans Hölzel anflehen, ihnen doch auch einige Rock-Nummern zu schreiben ("Leck mich, Schubert", "Wichs me, Wagner"), dann ist das alles nicht so ernst zu nehmen.

Mit aller merkantilen Macht soll 2000 zum Falco-Jahr werden. Neben neuen CDs und Büchern, ist ein Kinofilm über Falcos Leben ebenso in Vorbereitung wie das Musical "Falco meets Amadeus", das im Berliner "Theater des Westens" im September uraufgeführt werden soll. "F@lco - A Cyber Show" setzt mit seiner durchaus überzeugenden Grundidee und der schaupielerischen Einzelleistung von Eisermann, mit seinen technischen Effekten und den frechen Neuinterpretationen der Falco-Songs einen hohen Maßstab für alles, was folgt. "Muss ich denn sterben, um zu leben?" sang Falco auf seinem letzten, posthum veröffentlichten Album "Out of the dark". Der frenetische Jubel des Wiener Publikums schien die Frage eindeutig zu beantworten.

Zur Show erscheint am 17. April eine CD mit 14 Songs aus der Show (Intonation-Label), die während der Proben aufgenommen wurden. Die nächsten Aufführungen: 3. bis 30. April 2000 (täglich außer Sonntag und Montag) im Ronacher.

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