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19.07.2000
 

Roskilde

Ein Sicherheitsfonds für die Zukunft

Zweieinhalb Wochen nach dem Tod von neun Konzertbesuchern beim Roskilde-Festival haben die dänischen Veranstalter eine Stiftung gegründet, die sich für die Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen bei Großveranstaltungen einsetzen soll. Die Rockband Pearl Jam hat sich mittlerweile vom Schock erholt und bereitet ihre US-Tournee vor.

Die Entscheidung der Festivalleitung für den "Roskilde 2000 Tragedy Fund" sei auf große Zustimmung bei den Fans und in der Musikindustrie gestoßen, hieß es in einer Erklärung der Veranstalter, der Roskilde Wohltätigkeitsgesellschaft

Trauernde Jugendliche am Tag nach der Tragödie in Roskilde
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DPA

Trauernde Jugendliche am Tag nach der Tragödie in Roskilde

Die amerikanische Rockband Pearl Jam, bei deren Auftritt am 30. Juni neun Fans im Gedränge zu Tode kamen, beginnt langsam damit, ihren Schock zu überwinden: In einer am Montag (17. Juli) veröffentlichten Erklärung sprachen die Musiker den Familien der neun Todesopfer erneut ihr tief empfundenes Beileid aus. "Der Zustrom von Liebe und Unterstützung durch die 'Jamily' (Fan-Community) ist sehr stark und hilfreich dabei gewesen, uns wieder zu Kräften kommen zu lassen", hieß es in einer Mitteilung der Band auf ihrer Internet-Seite.

Nachdem Pearl Jam wegen der Tragödie die verbliebenen Konzerte der Europatournee abgesagt hatten, bereitet sich die Gruppe nun auf ihre Nordamerikatournee vor, hieß es beim Online-Dienst Sonicnet. Vor dem Start am 3. August in Virginia Beach werde intensiv an den Sicherheitsvorkehrungen gefeilt. "Unsere Shows waren immer sehr sicherheitsbewusst", hieß es in einer Erklärung der Band. "Wir werden unsere Bemühungen weiter verstärken, eine großartige und sichere Show für alle zu machen."

Die Roskilde-Veranstalter um Leif Skov, der nach dem Unglück vor allem von Oasis-Sänger Liam Gallagher vehement kritisiert worden war, betonten unterdessen, dass nach den bisherigen Polizeiermittlungen niemand für den Tod der neun Musikfans direkt verantwortlich gemacht werden könne. Gerichtsmediziner hätten festgestellt, dass die neun Opfer - alles Männer - erstickt seien, nachdem sie unter dem Druck von 50.000 zur Bühne drängender Menschen auf den Boden gestürzt seien. "Mängel in der Sicherheitsausstattung des Festivals wurden nicht entdeckt; im Gegenteil, alles, was geprüft wurde, entsprach den Standards. Es ist ein Trost - in diesem Fall aber ein nutzloser - dass Profis in der Musikindustrie das Roskilde-Festival als eines der sichersten und methodisch sorgfältigsten Festivals in Europa ansehen", schrieben die Veranstalter in ihrer Erklärung. "Dass dieser Unfall dennoch in Roskilde geschah, muss allen zu denken geben - nicht zuletzt den vielen Orten, an denen die Sicherheitsvorkehrungen weniger sorgfältig sind."

Die Organisatoren des Roskilde-Festivals wollen den beim Pearl-Jam-Auftritt umgekommenen jungen Männern zudem ein Denkmal setzen, wie sie ankündigten. Es handelt sich bei den Opfern um jeweils einen Australier, Deutschen und Niederländer sowie drei Dänen und drei Schweden. Die Gage, die Oasis und die Pet Shop Boys für ihren Auftritt erhalten hätten, sollen dem neugegründeten Fonds zufließen. Mit den Bands seien entsprechende Gespräche aufgenommen worden.

Die Pet Shop Boys hatten bereits am 5. Juli ihre Bereitschaft bekundet, ein Gedenkkonzert für die Opfer zu geben, allerdings auf keinen Fall in Roskilde. Die Veranstalter verteidigten in ihrer jüngsten Erklärung erneut ihre Entscheidung, das Festival nach dem Unfall nicht abgebrochen zu haben. Es wäre zu gefährlich gewesen, 75.000 traumatisierte Fans nach Hause zu schicken, deren Bus-, Zug- und Fährverbindungen erst nach dem Ende der Veranstaltung gebucht gewesen waren.

Uwe Käding

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