21. Juni 2005, 19:43 Uhr

"Musikantenstadl"

Bald schunkeln ohne Moik

25 Jahre Karl Moik müssen genug sein. So sehen es jedenfalls ARD und ORF. Sie wollen mit ihrem Folklore-Dauerbrenner "Musikantenstadl" neue Wege gehen. Der Moderator selbst ist sauer - und spricht von "Abhalfterung".

Moderator Moik: Das Aus nach 25 Jahren
DDP

Moderator Moik: Das Aus nach 25 Jahren

Wer glaubte, Volksmusik sei lediglich weinseliges Beisammensein im 4/4-Takt, den hat er eines Besseren belehrt: Karl Moik, Urgestein der deutschen TV-Folklore und seit fast 25 Jahren Moderator der Eurovisions-Schunkelsendung "Musikantenstadl", hatte ein Gespür für die Revolte wie kaum ein anderer Jankerträger. Als er zum Beispiel in einer Sendung den Schlagersänger Patrick Lindner nach einer "O Sole Mio"-Nummer rügte, er solle nicht von "Spaghetti-Fressern" singen, da wurde deutlich, was Volkmusik und ihre mediale Repräsentation tatsächlich sind: Kulturkampf und rhetorisches Muskelspiel. Kein Zweifel, Moik hat die Rüpeleien des HipHop fürs Edelweiß-Millieu entdeckt: Dissing nennen die Rapper das wortreiche Schmähen des Gegners, der auf unflätige Weise bloßgestellt werden soll.

Moik wird sein Provokationstalent im gewohnt gediegenen Alpenambiente jedoch nicht weiter ausleben können: ARD und ORF haben das Aus für den 67-Jährigen beschlossen. Der Silvesterstadl am 31. Dezember soll noch einmal mit Moik für Bombenstimmgung sorgen, ab 2006 darf dann ein Neuer ran.

Laut BR-Unterhaltungschef Thomas Jansing wollen die Sender mit dem "Musikantenstadl" neue Wege gehen. Das Jubiläum im März biete sich dabei als Zäsur an. Man habe Moik, dessen Vertrag regulär am 31. Dezember ausläuft, angeboten, noch die Jubiläumssendung im März zu moderieren, er habe jedoch abgelehnt.

"Damit geht eine Ära zu Ende, die die volkstümliche Musikszene im deutschsprachigen Fernsehen geprägt hat", teilte der ORF mit. "Keine Musikshow der Welt hat im Fernsehen so lange existiert, und Karl Moik zählt mit seiner 25-jährigen Karriere zum Weltrekordhalter der großen Showmaster."

Moik sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe "seit Wochen gewusst, dass es so kommen würde". Bereits im April hatte es von der ARD angeblich Äußerungen gegeben, Moik solle von dem jüngeren Trompeter Stefan Mross abgelöst werden. Moik sagte, es handele sich hier um eine "Entscheidung von besser verdienenden Herren". Ihm tue nur das Publikum leid.

Die beiden Sender hätten ihm bei dem Treffen am Dienstagmittag ein fertiges Konzept präsentiert und ihm "als Zuckerl" angeboten, noch die Jubiläumssendung zu moderieren, so Moik. Das habe er abgelehnt, da er die bisherigen zwei Jubiläumssendungen peinlich gefunden habe. Man könne keinen Dank erwarten, aber nach 25 Jahren hätte "der Stil der Abhalfterung ein anderer" sein können.

Der "Musikantenstadl" war am 5. März 1981 mit einer ORF-Sendung aus dem österreichischen Enns gestartet. Am 18. Februar 1984 wurde der Stadl erstmals auch in Deutschland bundesweit ausgestrahlt und 1986 auf den Sendeplatz am Samstagabend um 20.15 Uhr gehoben. Pro Ausgabe wurden nach ARD-Angaben weltweit 20 Millionen Menschen erreicht. Auch aus dem Ausland wurde die Sendung augestrahlt, etwa 1988 aus Moskau, als laut ARD erstmals eine Fernsehanstalt westlich des Eisernen Vorhangs eine derartige Unterhaltungssendung zusammen mit dem sowjetischen Fernsehen organisierte.

Im Oktober 1999 gastierte der "Musikantenstadl" vor dem Tor der "Verbotenen Stadt" in Peking und wurde auch vom chinesischen Staatsfernsehen ausgestrahlt. Laut ARD verfolgten 600 Millionen Chinesen die Sendung. 2001 allerdings gab es Ärger: Moik drohte mit seinem Rückzug aus dem "Musikantenstadl", nachdem die ARD eine im Oktober in Dubai aufgezeichnete Sendung angesichts der Anschläge des 11. September zunächst ganz aus dem Programm genommen und dann im Dezember doch noch ausgestrahlt hatte.


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