08. Juni 2007, 19:00 Uhr

NPD-Aufmarsch

Ordnungsamt wollte jüdische Protestmusik gegen Nazis verhindern

Kotau vor den Neonazis? Ein thüringisches Ordnungsamt wollte den Auftritt einer Band verbieten, die als Protest gegen einen NPD-Aufmarsch traditionelle jüdische Musik spielen sollte. Zu provokant für die Rechten, fanden die Beamten, doch die lokale SPD wehrte sich.

Heiligenstadt - Im Freistaat Thüringen wollte das Ordnungsamt von Heiligenstadt (Eichsfeldkreis) den für Samstag geplanten Auftritt von 16 Klezmer-Musikern an einem SPD-Stand verhindern. Begründung: Rechtsextremisten könnten sich durch die traditionelle jüdische Musik provoziert fühlen. Die lokale SPD kämpfte für einen Kompromiss. Sie setzte durch, dass die Klezmer-Combo nun als Trio auftreten darf.

Rechtsextremisten: Ordnungsamt eingeschüchtert
DPA

Rechtsextremisten: Ordnungsamt eingeschüchtert

Der Eichsfelder SPD-Kreisvorsitzende Ronny Fritzlar sagte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass er es "unerhört" finde, Klezmer-Musik als "Sicherheitsrisiko" zu bezeichnen. Das Ordnungsamt Heiligenstadt hatte in einem Schreiben darum gebeten, auf das beantragte Klezmer-Orchester mit 16 Musikern zu verzichten, "da die Gefahr einer Konfrontation - ausgehend von den Sympathisanten der NPD - aufkommen könnte".

Unter anderem gründete die Stadtverwaltung ihr Verbot auf eine Rücksprache mit der Polizei. Die jedoch hat es so wohl nicht gegeben: In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa kritisierte ein Polizeisprecher, dass es sich bei der Angabe des Ordnungsamtes um eine "falsche Aussage" handelte.

Der SPD-Infostand, an dem die Musiker nun zu dritt auftreten sollen, sei Teil einer zivilgesellschaftlichen Protestbewegung mit dem Motto "Bunte Vielfalt gegen braune Einfalt", die sich gegen den NPD-Aufmarsch in Heiligenstadt richtet, erklärte Ronny Fritzlar. Die genehmigte Kundgebung der Rechtsextremisten sei für den Zeitraum von 11 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz geplant, die Gegenveranstaltung finde 200 Meter entfernt in der Fußgängerzone Wilhelmsstraße statt. Die mehrheitlich regierende CDU nehme an der Protestkundgebung am Tag der NPD-Versammlung nicht teil, merkte Fritzlar an.

bos/dpa


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