Bill Callahan - "Sometimes I Wish We Were An Eagle"
(Drag City/Rough Trade, 27. März)
Im musikalisch fast schon heiteren "Eid Ma Clack Shaw" braucht Callahan wie gewohnt nur ein, zwei Sätze, um Gewissheiten beiläufig zersplittern zu lassen: "I dreamed it was a dream that you were gone/ I woke up feeling so ripped by reality/ Yeah, love is the king of the beasts/ And when it gets hungry it must kill to eat/ Yeah, love is the king of the beasts/ A lion walking down city streets." Wie Callahan in "My Friend" die Worte "I will always love you" als exaktes Gegenteil von Whitney Houston intoniert, ist unnachahmlich, und die bloße Schönheit von "Too Many Birds" lässt die Gedanken wandern - zu "A Guiding Light", zu "River Guard", zu "Rock Bottom Riser" und all den anderen rätselhaften Poemen von Smog. "It's time to put God away" sprechsingt Callahan im fabelhaften, fast zehnminütigen "Faith/Void". Man kann es nicht oft genug betonen. (9) Jan Wigger
Fever Ray - "Fever Ray"
(Cooperative Music/Universal, 27. März)
Flüchtig und gespenstisch wie eine Waldhexe im nachtfeuchten Geäst singt Anderson mit vielfacher Stimmverzerrung davon, wie es wäre, ein Herz zu haben ("If I Had A Heart") oder träumt davon, ein Förster zu sein, der in High Heels durchs Moos läuft ("When I Grow Up"). Zu den strahlenden, blütenreinen Hippie-Visionen von Fleet Foxes oder School of Seven Bells verhält sich dieses düstere Nachtgewächs wie ein negatives Spiegelbild. So rätselhaft, verdorben und schwarzmagisch wie das an die Comics von Charles Burns angelehnte Cover-Artwork. (8) Andreas Borcholte
PJ Harvey & John Parish - "A Woman A Man Walked By"
(Island/Universal, 27. März)
Wie gut, dass Polly Jean Harvey beinahe 40 Jahre alt ist und nicht aus Österreich kommt - vermutlich kann sie was vom Leben erzählen. Dreizehn Jahre nach dem Nebenwerk "Dance Hall At Louse Point" (mit dem großartigen "That Was My Veil") arbeitet Harvey erstmals wieder mit dem Produzenten und Musiker John Parish zusammen, und zumindest zum Teil ist "A Woman A Man Walked By" eine Art Antithese zum vollkommen enthüllten letzten Album "White Chalk, das hauptsächlich Polly Jeans Flehen und ein Klavier in den Vordergrund stellte.
Die neue Kollaboration mit Parish ist zutiefst melancholisch ("The Soldier", "Passionless, Pointless"), aber auch roh und körperlich: Harvey wirft einem nicht näher benannten "woman-man" all seine Fehler entgegen und verschlingt ihn mit Worten: "I want his fucking ass!". Das Kraftlose von "White Chalk" wird auf dem disparaten "A Woman A Man Walked By" zu etwas Kraftvollem, wenn Polly Jean in "The Chair" die "pieces, pieces of my love" besingt oder in "Pig Will No" ein todesverachtendes "I will not!" behauptet. Kunst, die physisch weh tut, gibt es viel zu selten. Das amerikanische Popkultur-Genie Joss Whedon hat sie einmal in der Episode "Five By Five" seiner TV-Serie "Angel" erschaffen, PJ Harvey nun auch. Wir verneigen uns. Blutend. (8) Jan Wigger
WhoMadeWho - "The Plot"
(Gomma/Groove Attack, bereits erschienen)
Tatsächlich funktioniert vieles ganz gut auf dem zweiten Album der Dänen, der im Titel beschworene "Plot" ist also aufgegangen. Zumindest teilweise, denn die auf der Bühne überbordend phantasievoll auftretende Band ist nun auch im Studio ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen: zu viele Stile, zu wenig klare Linie. Der grandiose Opener "TV Friend" beginnt mit den sphärischen Jazzflöten eines Sechziger-Jahre-Jazz-Albums, bevor er in einen blubbernden Basslauf mündet, der an Blurs "Girls & Boys" erinnert. Der Hang, Disco mit Easy Listening und Retropop zu mischen, taucht später, im Titelstück und im hektischen "Motown Bizarre" noch einmal auf, wenn die treibenden Sxties-Soundtracks von Lalo Schifrin im modernen Kontext zitiert werden.
An anderer Stelle, in "Trickster" oder "Cyborg", erinnern WhoMadeWho hingegen an die frühen Stoner-Rock-Experimente von Chris Goss und den Masters of Reality. Und im ölfasstrommelnden "This Train" wird gar nach Depeche Mode geschielt. Man kann diese weitreichende Unausgegorenheit natürlich auch Diversität nennen, zumal in einer Zeit, in der ohnehin nur noch einzelne Songs zählen, nicht ganze Alben. Dann bliebe nur noch eine Frage offen: Kann man zu "The Plot" tanzen? Yes, you can. (5) Andreas Borcholte
Prefab Sprout - "Original Album Classics"
(Columbia/SonyBMG, bereits erschienen)
Heute trägt das Phantom McAloon einen langen Bart und genießt sein Leben im Kreise der Familie, obwohl fast jedes Jahr neues Material angekündigt wird, das dem großartigen "The Gunman And Other Stories" von 2001 nachfolgen soll. Die Prefab-Sprout-Alben "Swoon", "From Langley Park To Memphis", "Protest Songs", "Jordan: The Comeback" und "Andromeda Heights" erscheinen nun als Re-Issues im zweckmäßig schmalen Pappschuber und ohne Bonusmaterial. The world was a mess, but his songs were perfect. "Swoon" (8), "From Langley Park To Memphis" (8), "Protest Songs" (7), "Jordan: The Comeback" (9), "Andromeda Heights" (10) Jan Wigger
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