"Aktion Arschloch!" Ärzte-Song "Schrei nach Liebe" zurück in den Charts

Ein Musiklehrer will "Schrei nach Liebe" wieder zum Fanal gegen Fremdenfeindlichkeit machen. Mit Erfolg: Bei iTunes steht der Song schon wieder weit vorne. Außerdem rufen deutsche Popkünstler zum Schutz von Asylbewerbern auf.

"Die Ärzte" 1993: Der Anti-Nazi-Song "Schrei nach Liebe" ist zurück in den iTunes-Charts
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"Die Ärzte" 1993: Der Anti-Nazi-Song "Schrei nach Liebe" ist zurück in den iTunes-Charts


20 deutsche Bands und Solo-Künstler unterstützen einen Aufruf gegen rechtsextreme Angriffe auf Flüchtlinge. Initiiert wurde der Appell von den Organisationen Pro Asyl und Kein Bock auf Nazis. Sie fordern mehr Schutz für die Asylbewerber, weil die Bedrohung durch rechtsextreme Gewalttäter immer gefährlicher werde.

Unterzeichnet wurde der Aufruf unter anderem von den Ärzten, den Toten Hosen, Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Beatsteaks, Deichkind, Jan Delay und weiteren Musikern. Am Freitag wollen die beiden Initiatoren zusammen mit Michael Breitkopf, dem Gitarristen der Toten Hosen, das Papier im Traditionsklub SO 36 in Berlin-Kreuzberg vorstellen.

Ob einige dieser Bands auch bei dem großen Solidaritätskonzert für Flüchtlinge am 4. Oktober in Berlin auftreten, ist noch nicht bekannt. Das Konzert soll einen Tag nach den Feiern zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit vor dem Reichstagsgebäude stattfinden. Geplant sind Auftritte zahlreicher Musiker, die sich schon in der Vergangenheit gegen Fremdenfeindlichkeit engagiert haben, etwa Herbert Grönemeyer, Peter Maffay und Udo Lindenberg.

Die Ärzte: "Unterstützen das natürlich gern"

Dass der Glaube an die Wirkungsmacht von Popmusik gegen Gewalt und Hass intakt zu sein scheint, zeigt auch eine andere Aktion. Der Musiklehrer Gerhard Torges will mit seiner "Aktion Arschloch!" den Anti-Nazi-Song "Schrei nach Liebe" der Ärzte von 1993 wieder in die Charts und ins Radio bringen. Dazu sollen Fans sich den Song online kaufen oder bei Radiosendern wünschen. Torges betont auf der Webseite seiner Aktion, diese laufe völlig unabhängig von der Band.

Die Ärzte haben sich inzwischen allerdings zu der Aktion geäußert. Auf ihrer offiziellen Homepage schreiben die Musiker, dass sie es "gut und wichtig" finden, dass im Radio Stellung bezogen werde: "Die Aktion wäre auch mit jedem anderen Anti-Nazi-Song cool. Wenn es unser Lied sein soll, unterstützen wir das aber natürlich gern."

Am Freitagmittag kann sich der "Aktion Arschloch!"-Organisator schon über große Erfolge freuen: In den Charts der meistverkauften Tracks bei iTunes belegen verschiedene Versionen von "Schrei nach Liebe" bereits Platz eins und sieben. Die Ärzte wollen daran nichts verdienen: Sie kündigen in ihrem Statement an, alle Einnahmen an Pro Asyl zu spenden.

kae/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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abby_thur 03.09.2015
1. Netzaktivisten
Niedliche Aktion, ist aber unbrauchbar um ein Zeichen zu setzen oder gar die Welt zu verändern. Leute, raus aus dem Netz, ab zu den Menschen, die Hilfe brauchen. Die haben nämlich gar nichts davon, wenn ihr irgendwo irgendeinen Song runterladet. P.S.: Ausserdem ist "Willkommen in Deutschland" von DTH wesentlich treffender zur aktuellen Lage. Aber man kann dazu halt nicht ein böses Wort rufen und tanzen.
Luxinsilvae 03.09.2015
2. Ja, ja, ...
... Die Ärzte und die toten Hosen, unsere wilden, unangepassten, punkigen Zeitgeist-Surfer, immer schön versuchen, auf der vorgeblichen Mainstream-Welle zu bleiben voraus. Aber die glauben wirklich, die Guten zu sein. Wer Bella B. und Farin Urlaub schon einmal im Interview gehört hat, weiß was ich meine.
John.Wuk 03.09.2015
3. Das
-Konzert 1992 in Frankfurt. Sass frierend in einem Baum vor der Messehalle. Niedecken sagte damals, er wolle Kristallnaach eigentlich nie wieder spielen müssen. Schade, dass ihm dieser Wunsch nicht erfüllt wurde.
vitamim-c 03.09.2015
4. Naja,
Tagträumer...
Zappa_forever 03.09.2015
5. Gleich noch...
...Bono und Bob Geldof dazu holen. Und alle können sich im Wir-sind-die guten-Gefühl suhlen. Das wird aber nicht einen Deut etwas daran ändern, dass Europa die Massen, die kommen (werden) langfristig nicht ohne massive soziokulturelle Verwerfungen wird versorgen und integrieren können. Und haben die Ärzte nicht Songs gegen soziale Kontrolle via Gerüchteküche (Lass´se reden) und auch über Bullying geschrieben (Mitten in die Fresse rein). Wie wäre es, sie drehen dazu neue Videos - mit Bildern von Hatun Sürücü und Johnny K. unterlegt. Sowas trauen sich die selbstgefälligen Ex-Querdenker aber nicht...
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