2Step-Nacht auf der Popkomm Platten kratzen mit The Artful Dodger

Die 2Step-Nacht sollte ein Höhepunkt der Musikmesse Popkomm werden: Die angesagteste Musik des Sommers mit den Besten der Szene. Bei SPIEGEL ONLINE können Sie reinhören.

Von Corinne Ullrich


The Artful Dodger
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The Artful Dodger

Fette Beats, flackerndes Licht: "Friendly Electric Meets Drum Rhythm Night" im Kölner "Wartesaal". Der Anfang versprach wenig Spannendes und klang auch so gar nicht nach 2Step, der melodischen Breakbeat-basierten Uptempo-Variante des R’n’B. Nur ein einsamer Support-DJ stand zu Beginn des Abends heroisch auf der rot erleuchteten Bühne, für Bewegung sorgten lediglich hektische Videoeinspielungen, schwarz-weiß mit farblicher Unterlegung, Straßenszenen und Liveaufnahmen. Die Zuschauer waren gelangweilt, saßen, warteten, lediglich mit den Füßen wippend.

Das änderte sich mit jedem weiteren Act: den Mädels von Sweet Female Attitude, die mit "Flowers" einen kleinen Hit hatten, später den basslastigeren, schwergewichtigen Kahlköpfen von Sunship, deren "Heaven" sich zu einem Club-Hit entwickelt hat. Tanzten anfangs nur einige Zuhörer verschämt in der Ecke, wagten sich später zunehmend mehr auf die Tanzfläche. Der Schweiß spritzte, denn 2Step heißt auch flinke Beinarbeit, zwei Schritte auf einen Beat.

The Artful Dodger, die Superstars der Szene, waren der Höhepunkt des Abends. Im Dezember letzten Jahres landete das Duo aus Southampton mit "Re-Rewind, The Crowd Say Bo Selecta" in England auf dem zweiten Platz der Charts - direkt hinter Cliff Richard. Sie haben die Erfolgsformel des 2Step (oder UK Garage) mit definiert: Eingängiger Refrain, unsinnig-witziger Text, originelle Breaks und Soundschnipsel und eine Stimme mit Schmelz.

Der Wechsel an den Plattentellern war fliegend: Noch während Sunship Platten kratzten und an Einstellungen drehten, machte Pete Devereux, die eine Hälfte des Artful-Dodger-Duos, sich mit der Bühne vertraut, um anschließend knapp 800 Leute abtanzen zu lassen. Er war an diesem Abend allein, lediglich unterstützt vom schwarzen Gast-MC Alistair, dem Zeremonienmeister also. Mark Hill, des Duos zweiter Teil, hatte genug davon, auf der Promotion-Tour allen Leuten nur zu erzählen, was er machen wird - lieber wollte er wieder aktiv werden und im heimischen Southampton das erste Album fertig stellen.

Doch auch alleine und in reiner DJ-Funktion räumte Pete an diesem Abend ab. Kein Wunder: Neben den eigenen Hits, wie "Rewind", "Movin‘ Too Fast" und der aktuellen Single "Woman Trouble" waren es einige bekannte Songs und Klassiker, die er in 2Step-Remix-Versionen präsentierte; Stücke wie "Somebody Else's Guy" von Jocelyn Brown oder "Canned Heat" von Jamiroquai. Zwar klingen auch The Artful Dodger live um einiges härter und rhythmusorientierter als auf den fast poppigen Single-Veröffentlichungen, melodisch und stimmorientiert sind sie allerdings allemal. Noch legt auch Pete bei den Live-Auftritten nur Platten auf und spielt seine Tapes ein. Das aber soll in Zukunft anders werden. "Wir sind Musiker" bekräftigt er. Und deshalb soll auf der nächsten Tour wirklich alles echt und lebendig, eben live sein: die Drums, die Bässe, die Streicher, der Gospelchor - das dürfte spannend werden.

Anders bei DJ Petee vom Dreem Team, dem letzten Act des Abends. Das Dreem Teem ist in England weitaus bekannter als in Deutschland, gemeinsam mit Neneh Cherry nahmen sie dort letzten Herbst die CD-Single "Buddy" auf. In deutschen Playlists tauchen sie seltener auf, auch die Reaktionen des Publikums auf den härteren und Drum'n'Bass-lastigen Sound waren ein wenig verhaltener. Und machte auch damit deutlich: Die Zukunft liegt in Melodie und Stimme.



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