Pop! Kotzende Katzen
Jetzt wird's gruselig: Als Holografie reanimierte tote Pop-Musiker könnten ein großer Hit werden. Die neue Platte der Flaming Lips wurde mit dem Blut Prominenter eingefärbt. Und Katzen erbrechen sich zu Beats.
Geister-Pop
Dass Popmusiker nicht tot zu kriegen sind, ist keine Neuigkeit. Dass die Wunder moderner Technik es sogar möglich machen, dass verblichene Showgrößen noch auf Konzertreise gehen können, machte als erster selbstverständlich Elvis Presley klar, als er vor einigen Jahren von einer gigantischen Leinwand herunter für viele beglückte Menschen in den Mehrzweckhallen der Welt weitersang.
Aber nun scheinen die Pop-Toten so richtig in Fahrt zu kommen. Für Furore sorgte neulich beim Coachella Festival in Indio, Kalifornien, eine Holografie des theoretisch toten HipHop-Superstars Tupac, der als "Gast" bei einem Auftritt des Kollegen Snoop Dogg über die Bühne geisterte. Elektrisiert von dem darauf folgenden medialen Wirbel ließ die Nachrichtenagentur Reuters eine Liste abgetretener Musiker erstellen, die ein großes Publikum gern auf Konzertbühnen als Hologramm auferstehen lassen würde. Und dass da auf der Pole-Position nicht Elvis (Rang 3) oder Bob Marley (Rang 6) landete, sondern Ray Charles, ist schon überraschend. Auch dass sich viele Menschen nach Auftritten von Isaac Hayes (Rang 14) sehnen, ist faszinierend.
Aber auch für lebendige Musiker könnte der Zirkus mit den Hologrammen Schule machen. Schüchterne, arbeitsscheue oder sonst wie unmotivierte Künstler könnten auf Golfplätzen oder an Hotelbars ihr Privatleben genießen, während ihre Hologramme weltweit Geld verdienen.
Blut-Pop
Kaum eine Band sorgt zuverlässiger für Schlagzeilen der absurden Art als The Flaming Lips. Für die Sonderedition ihres aktuellen - selbstverständlich absurd limitierten - Werks "Heady Fwends" müssen Fans etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür bekommen sie den Tonträger auf blutrotem Vinyl gepresst - mit echtem Blut daran beteiligter Musiker wie Nick Cave, Kesha, Erykah Badu und Chris Martin. Auflage der Ekel-Rarität: zehn! Der Preis: 2500 Dollar!
Lynch-Pop
Die Sängerin Julee Cruise war mal fünf Minuten lang berühmt, als ihr der Regisseur David Lynch einige Songs schrieb, die dann unter anderem in seiner TV-Serie "Twin Peaks" erklangen. Das ist ein Vierteljahrhundert her, und nun scheint der schrullige Filmemacher Lynch durchaus überraschend die Zusammenarbeit fortsetzen zu wollen, wie Cruise jüngst in einem Interview ausplauderte. Seitdem beben die Blogs, weil viele der immer noch zahlreichen "Twin Peaks"-Fans nun von einer Fortsetzung der Serie träumen.
Brech-Pop
Manche Ideen sind so abwegig, dass man sich kaum vorstellen mag, wer sich denn das bloß wieder ausgedacht hat. Diese Ideen landen am Ende bei "YouTube". So wie der irrwitzige Geistesblitz, kotzende Katzen mit den Beats von Deadmau5 zu kombinieren.
Kondolenz-Pop
Für die angemessen überwältigende Anteilnahme am immer noch bestürzenden Tod von Adam Yauch dankt Kollege Horovitz auf der Bandwebsite.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 11.05.2012 – 09:58 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 3 Kommentare

für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT KULTUR
-
Bestseller
Die aktuellen Listen: Hardcover, Taschenbücher, DVDs und Kino-Charts -
Rezensionen
Abgehört, vorgelesen, durchgeblickt: Unsere Rezensionen - was Sie nicht verpassen sollten -
TV-Programm
Ihr TV-Planer: So gucken Sie beim Fernsehen nie mehr in die Röhre -
Gutenberg
Bücher online lesen: Die Klassiker der Weltliteratur - gratis bei Projekt Gutenberg -
Tageskarte
Sieben Tage, sieben Empfehlungen: Die wichtigsten Entdeckungen der Woche.

