Pop! Kotzende Katzen

Von Christoph Dallach

Jetzt wird's gruselig: Als Holografie reanimierte tote Pop-Musiker könnten ein großer Hit werden. Die neue Platte der Flaming Lips wurde mit dem Blut Prominenter eingefärbt. Und Katzen erbrechen sich zu Beats.

Pop! Kotzende Katzen Fotos
Getty Images

Geister-Pop

Dass Popmusiker nicht tot zu kriegen sind, ist keine Neuigkeit. Dass die Wunder moderner Technik es sogar möglich machen, dass verblichene Showgrößen noch auf Konzertreise gehen können, machte als erster selbstverständlich Elvis Presley klar, als er vor einigen Jahren von einer gigantischen Leinwand herunter für viele beglückte Menschen in den Mehrzweckhallen der Welt weitersang.

Aber nun scheinen die Pop-Toten so richtig in Fahrt zu kommen. Für Furore sorgte neulich beim Coachella Festival in Indio, Kalifornien, eine Holografie des theoretisch toten HipHop-Superstars Tupac, der als "Gast" bei einem Auftritt des Kollegen Snoop Dogg über die Bühne geisterte. Elektrisiert von dem darauf folgenden medialen Wirbel ließ die Nachrichtenagentur Reuters eine Liste abgetretener Musiker erstellen, die ein großes Publikum gern auf Konzertbühnen als Hologramm auferstehen lassen würde. Und dass da auf der Pole-Position nicht Elvis (Rang 3) oder Bob Marley (Rang 6) landete, sondern Ray Charles, ist schon überraschend. Auch dass sich viele Menschen nach Auftritten von Isaac Hayes (Rang 14) sehnen, ist faszinierend.

Aber auch für lebendige Musiker könnte der Zirkus mit den Hologrammen Schule machen. Schüchterne, arbeitsscheue oder sonst wie unmotivierte Künstler könnten auf Golfplätzen oder an Hotelbars ihr Privatleben genießen, während ihre Hologramme weltweit Geld verdienen.

Blut-Pop

Kaum eine Band sorgt zuverlässiger für Schlagzeilen der absurden Art als The Flaming Lips. Für die Sonderedition ihres aktuellen - selbstverständlich absurd limitierten - Werks "Heady Fwends" müssen Fans etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür bekommen sie den Tonträger auf blutrotem Vinyl gepresst - mit echtem Blut daran beteiligter Musiker wie Nick Cave, Kesha, Erykah Badu und Chris Martin. Auflage der Ekel-Rarität: zehn! Der Preis: 2500 Dollar!

Lynch-Pop

Die Sängerin Julee Cruise war mal fünf Minuten lang berühmt, als ihr der Regisseur David Lynch einige Songs schrieb, die dann unter anderem in seiner TV-Serie "Twin Peaks" erklangen. Das ist ein Vierteljahrhundert her, und nun scheint der schrullige Filmemacher Lynch durchaus überraschend die Zusammenarbeit fortsetzen zu wollen, wie Cruise jüngst in einem Interview ausplauderte. Seitdem beben die Blogs, weil viele der immer noch zahlreichen "Twin Peaks"-Fans nun von einer Fortsetzung der Serie träumen.

Brech-Pop

Manche Ideen sind so abwegig, dass man sich kaum vorstellen mag, wer sich denn das bloß wieder ausgedacht hat. Diese Ideen landen am Ende bei "YouTube". So wie der irrwitzige Geistesblitz, kotzende Katzen mit den Beats von Deadmau5 zu kombinieren.

Kondolenz-Pop

Für die angemessen überwältigende Anteilnahme am immer noch bestürzenden Tod von Adam Yauch dankt Kollege Horovitz auf der Bandwebsite.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Kotzende Katzen
woitschi 11.05.2012
Geht's eigentlich noch widerlicher? Soll das "Kultur" sein? Ich find's nur noch pervers und dekadent - und ich glaube nicht, dass ich mit meiner Meinung alleine dastehe! Ich kann wirklich nur noch den Kopf schütteln....
2. optional
sergiii 11.05.2012
@woitschi: Ist doch witzig und kreativ. Katzen sind nun mal so. Was an dem Video jetzt dekadent sein soll (kennen Sie die Bedeutung des Begriffes?) erschließt sich mir nicht. >Soll das "Kultur" sein? Im Übrigen: Was IST denn eigentlich Kultur?
3. Sicher geht es noch schlimmer und dekadenter
igasch 11.05.2012
Zitat von woitschiGeht's eigentlich noch widerlicher? Soll das "Kultur" sein? Ich find's nur noch pervers und dekadent - und ich glaube nicht, dass ich mit meiner Meinung alleine dastehe! Ich kann wirklich nur noch den Kopf schütteln....
Das richtig Schlimme ist doch - da gehen auch noch welche hin und kaufen auch noch den Scheiß. Kultur ist schon vieles nicht mehr, guckt doch mal einschlägige Soaps im TV an! Traurig, traurig.
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Zur Person
Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.

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