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ABBA-Comeback

Das gehauchte A-haaaaa

ABBA kommen zurück! Auf der Bühne werden zwar nur Hologramme stehen, aber die echten Vier haben zwei neue Songs aufgenommen. Warum ist ABBA-Pop so unwiderstehlich - und wird's erneut so gut?

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Freitag, 27.04.2018   18:24 Uhr

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Noch wissen wir nicht viel über die zwei neuen Songs, die ABBA gemeinsam aufgenommen haben, wie sie am Freitag über ihre Social-Media-Kanäle bekannt gaben - die ersten seit rund 35 Jahren.

"Es war, als sei die Zeit stehen geblieben und wir nur für einen kurzen Urlaub weg", beschreiben die vier Musiker die Aufnahmen in einer Mitteilung: "Eine extreme, freudvolle Erfahrung!"

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Was wir immerhin wissen, ist, dass einer der Songs "I Still Have Faith in You" heißen soll. Trotz allem glaube ich immer noch an dich?

Womöglich eine Anspielung auf die Umstände der Trennung der Band 1982, die nicht ohne persönliche Verletzungen vonstatten ging: Die beiden Paare in der Band, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus sowie Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson, hatten sich scheiden lassen - und das Irre war, dass sie über die Gefühle Lieder schrieben, so trotzige wie "The Winner Takes It All", so traurige wie "One of Us". Vielleicht greifen sie das auch musikalisch auf? Ein Comeback mit Soft-Reggae-Touch?

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Wahrscheinlicher ist vermutlich, dass ABBA zurückkehren mit einem fröhlichen Lied. Schließlich war eine der großen Stärken der Kompositionen von Benny und Björn und der Harmoniegesänge von Agnetha und Frida, eine fast schon irre Freude auszustrahlen - in deren Kern aber etwas Melancholisches steckte. Nehmen wir nur "Take a Chance on Me": Da bettelt eine Übersehene, doch bitte, bitte zeigen zu dürfen, was sie in der Liebe kann. Aber es klingt nicht nach Verzweiflung, es klingt verspielt. Und wenn wir uns was wünschen dürften für die Comeback-Songs, dann so etwas rhythmisch Cleveres wie die Sprechgesang-Hintergrundstimme hier.

Bleiben wir noch kurz beim Hintergrundgesang: Worauf wir bestehen müssen, wenn ABBA mit neuen Songs zurückkommen: Agnetha und Frida müssen unbedingt "Aha" singen. Denn das machen sie bei so vielen ihrer Klassiker, dass ein YouTube-Nutzer sogar einen Remix aus Ahas angefertigt hat (leider mit einem ziemlich doofen Beat). Ob die "Ahas" kokett kommen wie in "Honey Honey", cool wie in "Knowing Me, Knowing You" oder discoköniglich wie in "Voulez-Vous" - da sind wir nicht wählerisch.

Vom zweiten neuen Song kennen wir ja noch nicht mal den Titel. Dürfen wir uns wünschen, dass er nicht ganz so erwachsen klingt wie der erste neue bekannte "I Still Have Faith in You"? Toll an ABBA war ja auch, dass sie ihre Refrains oft so scheinbar simpel hielten, dass selbst Vorschulkinder schon mitsingen können - auch wenn sich manchmal hinter "Ring Ring", "I Do, I Do, I Do, I Do, I Do", "Gimme! Gimme! Gimme!" oder "Super Trouper" gar nicht unkomplexe Kompositionen verbargen.

Worauf alte Fans bei Comebacks stets allergisch reagieren ist eine übermäßige Modernisierung des Sounds von einst. Also bitte: Die Instrumentierung sollte von Klavier und Gitarre geprägt sein. Dann darf der Song gerne spanische Anklänge haben ("Chiquitita") oder historische Ereignisse heraufbeschwören ("Waterloo").

Darum, dass sie die Tanz-Choreografien eventuell nicht mehr wie gewünscht hinbekommen, brauchen sich die 68 und 73 Jahre alten ABBA-Stars keine Gedanken machen. Schließlich lassen sie sich ja auf der Bühne von Hologrammen vertreten. Dem Vernehmen nach sollen die "Abbatare" dem Aussehen der Musiker um 1979 nachgebildet sein.

Getty Images

ABBA 1979

Jedenfalls gibt es keinen Grund, dass ABBA nicht mit einem Tanzklassiker wie "Dancing Queen" zurückkehren. Außer vielleicht dem, dass "Dancing Queen" einer der größten Popsongs überhaupt ist und in so ziemlich keiner "ewigen Bestenliste" fehlt. Aber gut: Warum sollte man ausgerechnet beim ABBA-Comeback bescheidene Ansprüche stellen?

Wovon wir zuletzt ziemlich überzeugt sind: "Money, Money, Money" wird bei diesem Comeback am Ende herausspringen. Aber der hauptsächliche Beweggrund scheint eher zu sein, das künstlerische Erbe zu bewahren und es nicht in die Oldie-Vergessenheit geraten zu lassen. Dafür spricht der Eifer, mit dem zum Beispiel am ABBA-Museum in Stockholm oder verschiedenen "Mamma Mia!"-Shows gearbeitet wird. Ja, der Geschäftssinn von ABBA war auch immer legendär - aber in der Hauptsache soll es am Schluss wohl doch heißen: "Thank You for the Music".

Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde der ABBA-Songtitel "I Do, I Do, I Do, I Do, I Do" mit nur vier "I Do"s angegeben. Wir haben dies korrigiert.

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