Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche

Neues von Sondre Lerche, Sons of Jim Wayne, Iron And Wine und Armand Van Helden sowie ein charmanter Tribut an Mark E. Smith und The Fall.


Sondre Lerche - "Two Way Monologue"
(Virgin/EMI)


"You have revealed your conclusion by chance/ I have replaced you at middle expense/ We know the stars go out one night/ But I can't think of anything I haven't told/ So nothing has been lost" ("It's Over"). So hört sich das an bei Sondre Lerche, wenn es fast oder ganz vorbei ist mit der großen Illusion. Bereits erstaunlich ausgereift sind die eine oder andere Thematik und die kunstvollen Arrangements auf "Two Way Monologue" sowieso, wenn man bedenkt, dass der Songschreiber aus Bergen dieses zweite Album als ungefähr Zwanzigjähriger eingespielt hat. Die Vergleiche mit Nick Drake und den Beach Boys sind ziemlich abenteuerlich und scheinen auf das Leichtgängige und Gewichtlose anzuspielen, das Lerches Songs immer wieder umspielt. Wer Nicolai Dunger an sich und das Ed-Harcourt-Debüt "Here Be Monsters" schätzt, sollte mit "Two Way Monologue" spielend klarkommen. (7) Jan Wigger


Sondre Lerche - offizielle Website


Sons Of Jim Wayne - "Best Make Up Is A Smile"
(Warehouse/Indigo)


Sehen wir einmal von der Hamburger Band Fink ab, wird es meist prekär und unerfreulich, wenn man sich in Deutschland den Cowboyhut aufsetzt und Country oder gar Bluegrass spielen will. Die Sons Of Jim Wayne (früher: Jim Wayne Swingtett) waren schon immer eine rühmliche Ausnahme und beschäftigten für "Best Make Up Is A Smile" obendrein noch Gäste, mit denen man sich im Grunde überall sehen lassen kann: Mit Jason Loewenstein (Sebadoh), Chris Colbourn (Buffalo Tom), Martin Hagfors & Hakon Gebhardt (H.G.H bzw. Motorpsycho) und Oliver Welter (Naked Lunch) seien hier nur ein paar Wenige genannt, die im Ruhrgebiet vorbeigeschaut haben, um beim knochentrockenen, staubigen Country-Folk auszuhelfen. Am besten sind übrigens "Lullaby", das galoppierende Banjo in "Postcard From Hell" und natürlich die unsagbar tiefe Stimme von Stefan Kullik. (7) Jan Wigger


Sons of Jim Wayne - offizielle Website


Iron And Wine - "Our Endless Numbered Days"
(SubPop/Cargo)


Von Nick Drake war ja bereits die Rede. Den so unrühmlich wie mysteriös verstorbenen Elliott Smith könnte man auch noch heranziehen, wenn es um Sam Beam alias Iron And Wine geht. Der Singer/Songwriter aus Miami pflegt auf seinem zweiten Album die gediegene Melancholie und säuselt seine sanften Balladen von Verlust, Frust und bitterem Lass'-uns-Freunde-bleiben-Gerede mit introvertierter Stimme daher. Das klingt zunächst - siehe oben - nach Abklatsch, entfaltet aber über Albumlänge einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Verantwortlich dafür sind vor allem unwiderstehliche Melodiebögen wie in "Cinder And Smoke" oder "Each Coming Night". Am besten wird Beam, wenn er seiner dürren Gitarrenbegleitung ein paar Streicherakzente und ein dezent pulsierendes Schlagzeug hinzufügt. Das atmet dann ganz unkitschig den großen, perlenden Pop-Geist.
(7) Andreas Borcholte


Iron And Wine - offizielle Website


Armand Van Helden - "New York: A Mix Odyssey"
(Southern Fried Records/Sony Music)


Zwei Jahre war es still um den unberechenbaren New Yorker House-DJ Armand Van Helden. Zuletzt erregte er mit dem unverdaulichen Album "Killing Puritans" Aufsehen, das ein Kind mit einer Kalaschnikow auf dem Cover abbildete. Weniger politisch, dafür umso genießbarer gibt sich Van Helden auf "New York: A Mix Odyssey". Den alten Clubgeist der US-Metropole wollte er wieder aufleben lassen, das Vibrieren der neuesten Sounds und Klänge, die der große avantgardistische Apfel immer wieder hervorbrachte. Da die Mix-Odyssee einen Bogen von den späten Siebzigern bis in die Gegenwart spannt, muss Van Helden passend machen, was eigentlich nicht passt. Blondies "Call Me", Ram Jams "Black Betty" und sogar "Owner Of A Lonely Heart" verhackstückt der DJ in seinem amüsanten, angenehm altmodisch dahinhousenden Kaleidoskop - aber eben auch Soft Cells "Tainted Love" und das Klonhertz-Remake des Wire-Hits "Three Girl Rhumba". Drei neue Van-Helden-Originale sind ebenfalls eingeflochten, wovon besonders "Hear My Name" auffällt: Neopunk der jüngsten Stunde kollidiert hier trefflich mit Old-School-House. Die Vocals stammen übrigens von einem der nächsten "big things" aus New York, dem Mädchenduo Spalding Rockwell, das - logisch - von Van Helden entdeckt wurde. (8) Andreas Borcholte


Armand Van Helden - Homepage bei Southern Fried Records


Diverse Interpreten - "Perverted By Mark E. - A Tribute To The Fall"
(ZickZack/Indigo)


Nicht eines jener blöden Tribute-Alben, wie man sie eben so kennt, sondern eines, das viel umfangreicher und gewitzter ist, hat uns der gute, alte ZickZack-Chef Alfred Hilsberg (jaja, der Erfinder der Neuen Deutschen Welle, schon gut) mitgebracht. Lieder von, aber eben auch sehr viele Lieder über unseren cholerischen Lieblingsopi, Songzertrümmerer und Knallkopf Mark E. Smith trägt das Doppel-Album "Perverted By Mark E. - A Tribute To The Fall" zusammen. Erwartungsgemäß mit dabei sind die angeblich ja so humorlosen Tocotronic und ihr Einminuten-Knaller "Ich habe geträumt, ich wäre Pizza essen mit Mark E.Smith" oder auch Anti-Folkie Jeffrey Lewis, der gewohnt nuschelnd die "Story Of The Fall" vorträgt. Der Beitrag von Radio-Pabst Klaus Walter ("Ich habe geträumt, ich wäre Neckermann quälen mit Mark E. Smith") ist ebenso lustig wie der von Egoexpress, die diese Hommage an The Fall so minimalistisch wie nur eben möglich abschließen. Recht unerwartet haben sich auch Chris Cacavas, Barbara Manning und Preston School Of Industry an dieser Feier beteiligt, was jedoch auch bitter nötig sein könnte: Es soll nämlich immer noch Leute geben, für die sind The Fall die unhörbarste Band der Welt. (ohne Wertung) Jan Wigger


Achtung: Veröffentlichung erst am 3. Mai 2004!

ZickZack / What's So Funny About - Labelsite
The Fall - offizielle Website



Bewertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

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