Legendärer Musiker Al Jarreau ist tot

Im Alter von 76 Jahren ist der große US-Jazzsänger Al Jarreau gestorben. Er galt als einer der einflussreichsten Musiker seiner Generation. Immer wieder hatte er sich zuletzt krankheitsbedingt von der Bühne zurückziehen müssen.

Al Jarreau im Februar 2007 bei der 49. Grammy-Verleihung in Los Angeles
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Al Jarreau im Februar 2007 bei der 49. Grammy-Verleihung in Los Angeles


Der siebenfache Grammy-Gewinner Al Jarreau ist im Alter von 76 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles gestorben. Das teilte sein Manager mit. Angehörige und Freunde seien bei ihm gewesen. Der Jazz-Virtuose hatte erst vor Kurzem auf seiner Homepage bekannt gegeben, wegen Erschöpfung nicht mehr live auftreten zu können.

Seine für 2017 geplante Tournee - unter anderem mit Auftritten in Oldenburg, Karlsruhe und Düsseldorf - hatte er auf Rat seiner Ärzte komplett abgesagt. "Mit komplettem Bedauern muss Al Jarreau sich vom Touren zurückziehen", hieß es damals auf seiner Website.

"Er ist dankbar für seine 50 Jahre, in denen er die Welt im Priestertum durch Musik bereist hat und für alle, die dies mit ihm teilten - sein treues Publikum, die engagierten Musiker und so viele andere, die seine Bemühungen unterstützten."

Noch vor wenigen Tagen hatte Jarreaus Management hoffnungsvoll verkündet, dass er sich gut erhole. Sein Sohn habe ihn sogar dabei ertappt, wie er einer Krankenschwester seinen Hit "Moonlighting Theme" vorgesungen habe.

Jarreau 2010 in Nizza
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Jarreau 2010 in Nizza

Al Jarreau kam 1940 in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin als fünftes von sechs Kindern auf die Welt. Mit Musik kam er bereits als Kleinkind in Berührung: Seine Mutter war Kirchenorganistin, sein Vater Pfarrer. In der Kirche hatte der Jazzstar seinen ersten Soloauftritt - mit gerade einmal vier Jahren. Während seines Psychologiestudiums am Ripon College von Wisconsin und später als Sozialarbeiter in San Francisco trat er regelmäßig in Nachtklubs auf.

Sein erstes Album hatte der Sänger, der mit vollem Namen Alwyn Lopez Jarreau hieß, erst 1975 im Alter von 35 Jahren veröffentlicht. Er wurde durch unzählige Jazz-, Pop- und Rhythm-and-Blues-Songs bekannt.

Bei einem Auftritt im Bla Bla Café in Hollywood fiel Jarreau einem Talentsucher der Plattenfirma Warner Brothers auf, die kurz danach seine erste Platte ("We got By") herausbrachte; ein Jahr später kam das zweite Album "Take Five". Nach einer Europatournee erhielt Jarreau 1977 den deutschen Schallplattenpreis für Nachwuchskünstler. Im selben Jahr wurde er in den USA mit seinem ersten Grammy als bester männlicher Jazzsänger ausgezeichnet.

Al Jarreau 1993 bei einem Auftritt im Schweizer Montreux
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Al Jarreau 1993 bei einem Auftritt im Schweizer Montreux

In den Neunzigern verkauften sich die Platten Jarreaus nur schleppend. Erst im März 2000 verhalf ihm das Album "Tomorrow Today" zu einem Comeback - pünktlich zum 60. Geburtstag. 2004 löste der Jarreau sein langjähriges Versprechen ein und brachte endlich ein klassisches Jazzalbum heraus, unter dem Titel "Accentuate the Positive". Dies sei auch seine eigene Lebensdevise, sagte Al Jarreau dazu.

Berühmt war der Sänger mit dem breiten Lächeln auch für seine täuschend echte Imitation von Instrumenten, weshalb ihn ein Kritiker einmal als "Mann mit dem Orchester in der Kehle" rühmte.

Immer wieder hatte Al Jarreau mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Auf seiner Deutschland-Tour im Herbst 2016 musste er bedingt durch eine Rückenoperation auf einem Begleiter gestützt und mit Krücken die Bühne betreten. 2010 wurde Al Jarreau mit schweren Atemproblemen in ein Krankenhaus in Südfrankreich eingeliefert werden, von denen er sich aber erholte.

Jarreau war noch im vergangenen Jahr einer Einladung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama ins Weiße Haus gefolgt und unter anderem auch bei den Jazztagen in Dresden aufgetreten. Der charismatische Gesangsvirtuose mit Charme und Witz wurde in vielen Ländern verehrt.

pem/dpa



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inmyopinion61 12.02.2017
1. Ein ganz Großer hat die Bühne verlassen.
Unvergessen seine Hits wie Glow und (besser als Elton John) Your Song. Einfach Mal reinhören.
Frank_Heckert 12.02.2017
2. All fly home
Rest in peace, Al.
HarleyDavidSonOfABitch 12.02.2017
3. ...
Was für ein phantastischer Sänger, was für ein freundlicher Mensch. Ich habe ihn in den 80ern mehrmals in Hamburg gesehen, wo er das Publikum aus dem Stand in Ekstase versetzt hat. Er konnte alles - neben dem klass. Jazz-Repertoire eben auch Hits. "Mornin'", "Boogie down", "Roof Garden","L is for Lover". Eine einzige gesangliche Offenbarung. Die Nachricht von seinem Tode stimmt sehr sehr traurig. https://www.youtube.com/watch?v=uRQf5S59e9g
guenther2009 13.02.2017
4. Es ist leider so,
dass alles mögliche als Jazz bezeichnet wird. Das tut mir sehr sehr leid. Wenn ich an das Carnegy Hall Concert eines Benny Goodman denke , wo jeder Musiker so fantastisch war, dass er eine Big Band von Weltformat hat und damit ausch noch Erfolgreich war. Danach der Bebop, super das ist Musik. Dann kommen alle möglichen Leute die behaupten Jazzmusik zu produzieren.Das stimmt aber nicht, weil diese Leute keine Ahnung von Musik haben und nur dem Maindstream folgen ohne zu wissen was wirklich los ist. Schon Duke Ellington sagte in den 40 -jahren:"it don't mean a thing,, if it ain't got that swing", das gilt auch noch heute.Wenn sie wollen rechne ich ihnen auch noch vor, dass alle Neukompositionen für die Wettitante sind. Ich kann ihnen noch Aufnahmen aus 1955 vorspelen, wo ein Joe Zawenul Klavier in der Band von Fatty Geoge spielte.Das war Jazz.
tsitsinotis 13.02.2017
5. Unsagbar traurig --
unsagbar dankbar.
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