Alex Clare live auf SPIEGEL ONLINE: Schmerzensmann im Stimmungshoch

Amy-Gespiele, Pop-Problemkind, Superstar: Alex Clare hat eine wechselhafte Laufbahn hingelegt - gilt aber seit "Too Close" als Heilsbringer des britischen Soul-Pop. Ab 21 Uhr übertragen SPIEGEL ONLINE und Tape.tv exklusiv sein erstes Deutschland-Konzert aus dem Atomic Café in München.

Popmusik ist eine ganz schön ineffiziente Kunstform. So ziemlich jeder Pop-Freund kennt doch mindestens einen Künstler, bei dem er nicht fassen kann, dass dieser nicht viel berühmter ist. Der Friedhof der unentdeckten Superstars ist riesig - und Alex Clare hatte sein Ticket dorthin auch schon in der Hand. Doch dann konnte er mit "Too Close" doch noch einen der großen Hits des Jahres 2012 landen. Wie es dazu kam?

2011 war "The Lateness of the Hour", das Debütalbum des rotbärtigen Londoners, schon erschienen. Es erreichte Platz 156 der Charts und verschwand im Wust der Neuerscheinungen, die um Aufmerksamkeit buhlen in den Download-Stores und bei den CD-Versendern dieser Welt. Als Alex Clare dann aus persönlichen Gründen das Angebot ablehnen musste, im Vorprogramm von Adele auf Tour zu gehen, war für seine Plattenfirma klar, dass da nichts mehr passieren würde, berichtet das Branchenblatt "Billboard".

"Das Geld, das man für einen Plattenvertrag bekommt, ist natürlich endlich", sagte Clare dem Magazin im April: Er nahm das Angebot eines befreundeten Maklers an, für ihn mit Immobilien zu handeln, dem "Guardian" zufolge sogar in Israel. Als zwischendurch mal eine E-Mail kam von der Plattenfirma, ob er seinen Song für einen Werbespot freigeben würde, antwortete er "Ja, klar", ohne sich davon all zu viel zu versprechen.

Doch es war die Zusage zum Neustart seiner Karriere: Microsoft wollte die neueste Version seines Browser Internet Explorer bewerben. "Das Ziel des Konzerns ist unübersehbar: Emotionen schüren", beurteilte das Fachblatt "Werben & Verkaufen" den Spot - und dafür eignet sich Clares "Too Close" wunderbar. Der Mann, der nie ohne Schiebermütze aus dem Haus geht, singt mit leidenschaftlicher Soulstimme, die Musik dazu hat dank einiger Dubstep-Elemente eine vage futuristische Anmutung.

Alles klar auf Planet Clare

Und wieder einmal machte die Werbung einen Hit: So wie es in den Achtzigern und Neunzigern mit diversen Songs aus Levi's-Spots funktionierte, dann mit den Dandy Warhols für Vodafone, oder in den Nullerjahren für Feist und die Ting Tings mit Apple-Unterstützung.

Allerdings hat sich der ganze Prozess inzwischen beschleunigt: "Früher hat eine Plattenfirma eine CD-Single pressen lassen, wenn ein Song in einem Werbespot vorkam - und dann gewartet, ob irgendwer im Plattenladen danach fragte, was denn dieser Song aus der Werbung sei", zitiert der "Guardian" einen Labelmanager. "Heute sehen die Leute den Spot, identifizieren den Song direkt mit einer Musikerkennungs-App wie Shazam - und ehe man sich versieht, laden ihn sich Tausende bei iTunes runter."

Alex Clare geht sehr gelassen damit um, dass er, der doch jahrelang unter dem Pseudonym Alexander G. Muertos durch Londoner Blues- und Soulclubs tingelte, nun "der Typ mit dem Song aus der Werbung" ist. Schließlich bringt der Spot seine Musik in so ziemlich jedes Wohnzimmer. Der "Welt" sagte er den schönen Satz: "Sie sind dumm genug fernzusehen, und sie werden meinen Song lieben." Auf Planet Clare ist alles klar.

Dabei hat diese Vorgeschichte sogar auch noch eine Vorgeschichte. Denn bevor Alex Clare mit den großartigen Elektronik-Produzenten Diplo und Switch an seinem Debütalbum werkelte, hatte er schon eine Runde durch die Boulevardblätter gemacht. Damals aber kannte man ihn als den "Koch, mit dem Amy Winehouse mal zusammen war". Tatsächlich hat er eine Kochlehre absolviert, und tatsächlich war er von 2006 an etwa ein Jahr lang mit der inzwischen verstorbenen Sängerin liiert - als diese sich zwischenzeitlich von ihrem späteren Mann Blake Fielder-Civil getrennt hatte.

In Interviews spricht Clare heute recht bereitwillig über diese Zeit, betont, dass Amy und er nach dem Ende der Beziehung befreundet blieben. Allerdings wusch er 2007 durchaus schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit und erzählte recht freimütig von gewagten Sexualpraktiken.

Aber all das ist lange her. Nun kann man Alex Clare neu entdecken als geschmackvollen Soulsänger, der seine Emotionen in seinen Songs sehr gut zu dosieren vermag, wie unter anderem eine sehr schöne Coverversion von Prince' "When Doves Cry" zeigt.

Was er noch alles zu bieten hat, zeigt sich vor allem live. SPIEGEL ONLINE zeigt ab 21 Uhr das erste reguläre Deutschland-Konzert von Alex Clare aus dem Atomic Café in München. Und einen kleinen Vorgeschmack gibt es im folgenden Video, einer Akustiksession auf dem Dach des Büros von Tape.tv. Viel Spaß!

Alex Clare live "Auf den Dächern" bei tape.tv

Mehr Videos von Alex Clare gibt es hier auf tape.tv!

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insgesamt 2 Beiträge
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1. der hat aber einen schechten Wiedererkennungwert
neu_ab 06.06.2012
Man man man, mit Vollbart & Schiebermütze rennen männliche Bionademenschen doch inzwischen fast alle herum. Wie soll man die noch alle auseinanderhalten? ;)
2. autsch!
tribaleye 06.06.2012
er klingt live wie eine schlechte coverversion von sich selbst. hätte mich auch gewundert, wenn er den druck des albums live hätte umsetzen können. und sein gesang ist wirklich super oft daneben. und überhaupt: wieso spielt er nur in einem solchen winz-club und so wenige konzerte?
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