Alice In Chains Grunge-Star Layne Staley gestorben

Der Rock'n'Roll frisst seine Kinder. Acht Jahre ist es her, dass der Nirvana-Frontmann Kurt Cobain Selbstmord beging, nun ist ein weiterer Grunge-Held, Layne Staley von der Band Alice In Chains, tot aufgefunden worden.


Von Drogen betrogen: Layne Staley (1995)
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Von Drogen betrogen: Layne Staley (1995)

Es muss eine grauenhafte Szenerie gewesen sein, die die Ermittler der Polizei am Freitag in Layne Staleys Apartment in Seattle vorfanden: Der leblose Körper des 34-jährigen Musikers hatte offenbar schon zwei Wochen in der Wohnung gelegen und befand sich bereits im Zustand der Verwesung, als Verwandte ihn fanden. Laut Angaben vom Montag lag die Leiche inmitten benutzter Heroin-Spritzen. Die endgültige Todesursache konnte jedoch noch nicht bestimmt werden. Laut "BBC" sagten ortsansässige Polizeisprecher, dass sowohl ein natürlicher Tod als auch eine Überdosis Drogen zum Tod Staleys geführt haben könnten.

Ein elendes Ende für einen der erfolgreichsten und bekanntesten Protagonisten des Grunge-Sounds, der Anfang der neunziger Jahre von Seattle aus die Rockmusik revolutionierte. Doch die Musiker zahlten einen hohen Preis für ihre zerquälten Songs, die oft von Frustrationen, Identitätskrisen und emotionaler Unsicherheit handelten. Vor acht Jahren setzte der berühmteste Grunger, Nirvana-Frontmann Kurt Cobain, seinem Leben mit einer Schrotflinte ein Ende - die Belastungen des Erfolgs waren für ihn zu verwirrend und verstörend.

Auch Layne Staley, 1967 in Kirkland, Washington geboren, konnte den Erfolg, den er mit seiner 1987 gegründeten Band Alice In Chains erlebte, nicht mit seiner offenbar übersensiblen Persönlichkeit vereinbaren. Mitte der Neunziger, als Alice In Chains mit ihrem dritten Album die Billboard-Charts dominierten und den Zenith ihres Erfolges erlebten, musste sich Staley, seit langem heroinabhängig, zum ersten Mal einer Rehabilitationskur in einer Entzugsklinik unterziehen, die jedoch, wie viele weitere Versuche in den folgenden Jahren, erfolglos blieb.

Alice In Chains veröffentlichten insgesamt sieben Alben und gelten zusammen mit Nirvana, Soundgarden und Pearl Jam als Begründer des Grunge-Sounds. Für Staley waren seine Erlebnisse mit Heroin und Kokain offenbar stets auch Inspiration für weitere Schürfgänge in seiner Seele. Die vielen Songs der Band, die sich um Drogen drehen, stammen aus Staleys Feder, der aus reichlich eigener Erfahrung schöpfen konnte. Doch die Droge forderte ihren Tribut. "Sie (die Drogen) haben jahrelang für mich gearbeitet, aber jetzt wenden sie sich gegen mich, und ich gehe durch die Hölle", sagte Layne Staley 1996 gegenüber dem US-Magazin "Rolling Stone". In demselben Interview betonte er auch, dass er niemals Selbstmord verüben würde. "Ich habe Angst vor dem Tod, besonders davor, durch mein eigenes Verschulden zu sterben."

Rund 200 Fans versammelten sich am Samstag im Seattle Center in der Innenstadt der Westküstenstadt mit Blumen und Kerzen, um Staley zu gedenken.

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