Bewunderter Pianist aus New Orleans Allen Toussaint ist tot

Er fuhr einen goldenen Rolls-Royce, Kennzeichen "Piano": Als Musiker spielte er mit Paul McCartney, seine Lieder coverten die Rolling Stones, er prägte den New Orleans Soul. Nun ist Allen Toussaint auf Tournee gestorben - er wurde 77 Jahre alt.

Allen Toussaint (in New Orleans 2011): Pianist, Produzent, Songwriter
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Allen Toussaint (in New Orleans 2011): Pianist, Produzent, Songwriter


In seiner in diesen Tagen erscheinenden Autobiografie "Unfaithful Music" beschreibt der englische Musiker Elvis Costello, wie er Allen Toussaint bei dessen Rückkehr nach New Orleans begleitet, in die Heimatstadt, aus der er vor dem Hurrikan "Katrina" geflüchtet war. Ein älterer Herr habe Toussaints Hand geschüttelt und gesagt: "Wenn Sie wieder da sind, sind alle wieder da."

Allen Toussaint prägte die Musikszene von New Orleans fundamental. Er produzierte Alben lokaler Helden wie den Neville Brothers oder Dr. John, wirkte als Labelchef und Studiobetreiber. Umgekehrt sagte er zur Zeit seines vorübergehenden Exils in New York, er sei in New Orleans so verwurzelt, "dass ich ihren Geist, wo immer ich hinreise, mit mir trage".

Toussaint, der am 14. Januar 1938 geboren wurde, machte sich als Musiker einen Namen als Studio-Autor für das Minit-Label in den frühen Sechzigerjahren. Einen seiner ersten Hits, das von Benny Spellman gesungene "Fortune Teller", nahmen britische Beatbands wie die Rolling Stones oder The Who in ihr Repertoire auf. Auch die B-Seite der Single, "Lipstick Traces (On a Cigarette)" wurde ein Klassiker.

Nach seiner Armeezeit gründete er 1965 seine eigene Plattenfirma, Sansu Enterprises, für das Toussaint eine Reihe von Southern-Soul-Hits produzierte, kongenial unterstützt von seiner Hausband, den Meters. Zu den Evergreens aus dieser Phase zählen "Ride Your Pony" und "Working in the Coal Mine" von Lee Dorsey.

In den Siebzigerjahren empfing Toussaint in seinem eigenen Sea-Saint-Studio Stars wie Paul McCartney und Paul Simon, hier produzierte er den Welthit "Lady Marmalade" von LaBelle. Mit Toussaint-Kompositionen hatten Glen Campbell ("Southern Nights") und die Pointer Sisters ("Yes We Can Can") große Erfolge. Allen Toussaint veröffentlichte auch unter eigenem Namen Alben. 1998 wurde er in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen.

Durch den Hurrikan entwurzelt, sah sich Toussaint von 2005 an "unwillkürlich als Botschafter unserer Kultur", wie er der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Sein gemeinsames Album mit Elvis Costello, "The River in Reverse", lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zusätzlich auf das Schicksal der Menschen in New Orleans.

Über all die Jahre hatte Allen Toussaint die Stadt bis zu "Katrina" nur zweimal für längere Tourneen verlassen, wie er Costello erzählte: "'58 mit Shirley & Lee und '74 mit Little Feat als Headliner". Nach dem Hurrikan ging er mehrfach auf Welttournee.

So auch in diesem November. Am Montagabend trat Allen Toussaint in Madrid auf, im Teatro Lara, spektakulär gekleidet in einem grün-goldenen Pailettenanzug,wie "El País" berichtet. Nach seinem Auftritt erlitt Toussaint einen Herzstillstand; Notärzte brachten ihn ins Krankenhaus, doch nach Angaben von "El Mundo" erlag er auf dem Weg einer zweiten Herzattacke. Allen Toussaint wurde 77 Jahre alt.

feb/AP



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